FEIND IM DUNKEL (THE DARK CORNER) ist ein amerikanischer Kriminalfilm aus dem Jahr 1946, gedreht in Schwarzweiß von dem damals nicht unbekannten Regisseur Henry Hathaway, nach einer Story, die im "Good Housekeeping Magazine" erschienen war. Die heimliche Hauptperson ist die Sekretärin eines Privatdetektivs, gespielt von Lucille Ball. Sie ist dem Streifen die starke Frau, die dem eher schwächlichen Privatdetektiv Bradfort Galt (Mark Stevens) zur Seite steht, nachdem dieser aus dem Gefängnis entlassen wurde, wo er wegen Totschlags unschuldig einsaß, und sich anschließend als Privatdetektiv selbstständig gemacht hat - immer argwöhnlich beäugt von der Polizei. Galt's Laden läuft nicht gut, der Detektiv fühlt sich verfolgt und bedroht und ist ein heimlicher starker Trinker. Natürlich entspinnt sich zwischen dem Private-Eye und seiner Tipse Kathleen eine Affaire. Man kann sagen, dass Regisseur Henry Hathaway von Klischee der überlegenen männlichen Detektiv-Figur Abstand nimmt und dafür in diesem Film zum Klischee überläuft, dass Männer ohne Frauen hilflos wie Kinder sind. Lucille Ball, als mütterliche Freundin, und Clifton Webb, wie in Otto Preminger's Thriller "Laura" als der elegante Bösewicht mit den eiskalten Augen besetzt, spielen ihre Rollen überzeugend. Der Film, der ziemlich lahm anfängt, steigert sich im Laufe der Handlung immer mehr und die Detektiv-Story, die teilweise im Kunst-Milieu spielt, wird doch noch einigermaßen interessant und verzwickt. Sehr auffallend sind die Kontraste zwischen Reichen und Armen in diesem Film, so dass man fast vermuten könnte, Hathaway hätte vorgehabt, heimlich eine soziale Botschaft in diesen Thriller einzuschmuggeln. In der englischen Original-Tonfassung hat der Spielfilm zudem einige zweideutige Momente bei den Dialogen zwischen Stevens und Ball, die den Zensoren damals wohl entgangen sind. Hier kann es sich lohnen, gleich die Orignalversion anzusehen, obwohl ich diesmal die amerikanischen Untertitel einschalten musste, um alles mitzubekommen - es wird nämlich recht schnell und oft undeutlich gesprochen. Ich weiß nicht, welches Marketing-Genie auf die Idee gekommen ist, diesen B-Film in der Rubrik "Große Filmklassiker" zu vermarkten. Der Film ist nämlich kein bekannter Klassiker des Film Noir (wie z.B. "Der Malteser Falke" oder "Tote schlafen fest"), aber zum Vergessen trotzdem zu schade. Die stabile und gut gestaltete Verpackung der DVD fiel mir positiv auf. Der DVD, die auch den amerikanischen Trailer enthält, liegt auch noch ein Booklet und eine attraktiv gestaltete Postkarte mit dem Filmplakat bei. Wieso jedoch der Film erst ab 16 Jahren freigegeben wurde, verstehe wer will - eine sehr vorsichtige Bewertung.