Rose Elliott's "Fein, leicht, vegetarisch" ist ein sehr schönes, fest gebundenes, reich bebildertes Kochbuch, das auf jeden Fall Appetit und Kochlust anregt. Viele tolle ganzseitige Fotos der Gerichte erfreuen das Auge. Leider ist dennoch nicht jedes Gericht bebildert, bzw. teilweise finden sich bei den Rezepten zwar schöne Bilder, aber nur von Gemüsen, bzw. einer Zutat, nicht vom Gericht selbst.
Nun aber von der Optik zum Inhalt:
Wie in der Überschrift bereits angedeutet, fein sind die Rezepte immer. In dem Sinne, dass sie einfach hervorragend schmecken (wobei ich natürlich noch lange nicht alle getestet habe). Allerdings differieren sie dabei meiner Meinung nach im Komplexitätsgrad erheblich!! Einige sind so einfach, richtige Basics, dass man sich vll. zunächst fragt, was sie in diesem feinen Kochbuch verloren haben (z.B. Röstkartoffeln mit Meersalz und Balsamicoessig oder Pastinaken mit Salbeibutter (alle Zutaten sind quasi im Titel genannt) oder Kartoffelpürree mit Safran und Knoblauch (dies sind nun aber auch alles Beilagen)). Man ahnt es aber schon an den Titeln - eine kleine Besonderheit ist immer dabei. Wenn Rose Elliott die Klassiker (wie die eben genannten) vorschlägt oder kombiniert - Tomate, Parmesan, Basilikum - dann besonders, nämlich zu Tomaten-Parmesan-Törtchen mit Basilikumsahne.
So verführerisch all dies klingt, so lecker ist es dann auch (die Röstkartoffeln haben sogar einen erklärten Kartoffelhasser begeistert).
So manch anderes Rezept allerdings jagt mir erstmal Ehrfurcht ein, da ich als Kochanfängerin oft nichtmal die Zutaten aus den Titeln kenne oder zumindest noch nie gegessen, geschweige denn irgendwo gesehen habe (so z.B. Wakame(??)-Gurkensalat mit Frühlingszwiebeln und Reisessig (Wakame sind Algen, auch mit Reisessig habe ich keine Erfahrung), Affogato (??) mit Mandel-Tuilles(??) (für dieses Rezept braucht man nicht mal besondere Zutaten, aber es hört sich einschüchternd an), Pavlovas (??) mit Granatapfel und Grenadine (Pavlovas sind Baisers (mit Sahne?)). Manche Rezepte hören sich kompliziert an, sind es aber, wenn man sich die Zutatenliste und Anleitung ansieht gar nicht, andere wiederum täuschen den Koch über ihre Komplexität (z.B. die Scharfsaure Pilzsuppe mit vielen, vielen Zutaten (Elliott verspricht allerdings: "dennoch ist sie unglaublich schnell zubereitet".))
Apropos Zubereitungszeiten. Tatsächlich scheinen die Rezepte laut Angaben im Schnitt nur ca. 30 Minuten zu brauchen (manche weniger, manche mehr...). ich konnte allerdings keine der angegebenen Zeiten einhalten, habe meist doppelt so lange gebraucht, bin aber auch Anfängerin und habe es sogar geschafft bei den zuerst genannten Basics etwas falsch zu machen...
Ich möchte nun aber nocheinmal zurückkommen, auf die exotischen Zutaten. Am Ende des Buches gibt es eine Doppelseite mit Erläuterungen zu den ausgefallensten Zutaten mit Tips, wo sie zu bekommen sind (meist Naturkostläden, aber auch indische, mexikanische, asiatische Lebensmittelläden...). Ich lebe derzeit in der Türkei und habe schon Probleme Vanilleschoten zu bekommen, so dass es mit vielen der benötigten Zutaten völlig hoffnungslos ist. Aber selbst in Deutschland und mit einer guten Ausstattung in der heimischen Küche dürfte für einen Großteil der Rezepte die ein oder andere Zutat einen Sondereinkauf verlangen. Bei so vielen exotischen Zutaten hätte ich mir mehr Angaben zu Alternativen gewünscht, da ich die als nicht Vollprofi selber einfach nicht kenne. Wobei man aber auch sagen muss, dass viele Gerichte sich leicht eignen sie mit anderen Zutaten zuzubereiten oder zu erweitern (z.B. Karotten statt Pastinaken o.ä. ...), was toll ist.
Im Schnelldurchlauf noch einige Punkte die mich nicht so erfreut haben:
Der Dessert-Teil ist mir deutlich zu lang, der Hauptspeisenteil dagegen zu kurz (es liegt ja nunmal nicht grade in der Natur von Desserts fleischhaltig zu sein, Hauptspeisen ohne Fleisch finde ich viel interessanter).
In manchen Rezepten sind mir die Angaben zu ungenau. Oftmals bei der Wassermenge, die nur in Bezug auf einen Topf angegeben ist, desse Größe ich nicht kenne...
Ich persönlich stehe gar nicht auf Tofu (bin aber auch keine Vegetarierin, esse nur äußerst wenig Fleisch) und kann daher gerne auf jedes Tofu-Rezept verzichten und hätte mir an deren Stelle, gerade in einem so feinen Kochbuch, mehr "gemüsigere" oder eben anders basierte Hauptgerichte gewünscht. Wobei es eigentlich nicht viele Tofurezepte sind... vielleicht 3-4.
Vielleicht war meine Erwartung diesbezüglich falsch, aber ich hätte mir auch mehr einfachere (ich hatte das "leicht" im Titel im doppelten Sinne verstanden...) oder zumindest vereinfachbare(re) Rezepte gewünscht, nicht so viele Zutaten, für die ich Sondergeschäfte aufsuchen muss.
Zum Schluss möchte ich aber auch nochmal betonen: ICH FINDE DAS BUCH GROßARTIG! Und freue mich sehr es zu besitzen und werde mich noch lange daran erfreuen (vor allem für den unschlagbaren Preis, den ich beim Verkäufer zweitausendeins.de bezahlt habe!). Es erweitert definitiv meinen Horizont, die vielen neuen Zutaten, die ich kennenlerne haben eben auch was Gutes. Und mit den vielen kleinen Rafinessen regt es vor allem an auch selber die Phantasie spielen zu lassen und klassische Gerichte ein wenig abzuwandeln, einfach auszuprobieren.
Mir gefällt besonders, dass es vor allem in den Kapiteln "Partybuffets" und "Besondere Ideen für die Gartenparty" und auch "verlockende Vorspeisen und Beilagen" viele Kleinigkeiten gibt, die man toll miteinander (oder z.B. auch mit Fleisch) kombinieren kann, da ich jemand bin, der gerne vielfältig isst, statt riesen Portionen eines Geschmacks zu bekommen.
Viele Rezepte sind vegan und auch als solche gekennzeichnet, außerdem gibt es eine Tabelle für Veganer mit Ersatzzutaten.
Auch die Menüvorschläge finde ich gut, wobei ich mir dann noch eher gewünscht hätte, dass die Gerichte alle "getaggt" sind, also mit Symbolen als z.B. schnell gemacht, kinderfreundlich oder oder markiert wären.
Ich kann für dieses Buch eine klare Kaufempfehlung aussprechen - man braucht sich nicht zu sorgen, redundante otto-normal-vegetarisch Rezepte zu bekommen. Und wer besonders gerne einlädt, der hat hiermit ein tolles Buch an der Hand (wobei sich auch einige Rezepte ganz gut für's Alltagskochen eignen - aber eben nicht alle).
GUTEN APPETIT!