" O Gott wie sind wir vornehm, wir bleiben unter uns."
Das war der Refrain eines Liedes das Gustaf Gründgens einmal gesungen hat.
Und so ähnlich geht es auch bei Keyserling zu. Aber das ist ja das interessante.
Wer kennt schon die Welt des ausgestorbenen baltischen Adels?
Wer kennt noch den Ton des Dialekts? Der klang so: Herbert Schöffler hörte einmal
in Gesellschaft zu wie sich zwei Balten unterhielten, verstand immer 'und ich krähte Blech'.
Beim drittenmal schließlich dämmerte es ihm, es hieß: 'und ich, kreidebleich..'
Wenn man zu Keyserling eine Begriffswolke etablierte,
müßten Namen wie Max Goldt, Martin Mosebach und Asfa Wossen Asserate (Königliche Hoheit)
erscheinen.
Die Personen in Keyserlings Geschichten sind sophisticated und die Dialoge und die
Wahrnehmungsmuster auch.
Ganz schön ist es in einem neuen Buch zu blättern und bloß auf die Namen zu achten.
Wie man die nun findet, ob sie doof sind oder wie.
Hier heißen sie: Helmar von Alderkaß, Oswald von Ramm, Olga Landen, Baronin von Pranka,
Ladislas von Radofsky, Herr Fallingbot..Die Frauen haben Vornamen wie: Margusch, Mimi, Sidonie.
Über Herrn von Alderkaß noch dieses zur Kennzeichnung: 'Während er langsam fortfuhr sich
anzukleiden, überdachte er den Abend der vor ihm lag. Er liebte es, wenn er in Gesellschaft
ging, ein wenig Regie zu spielen. Man legt sich das eine oder andere gute Wort zurecht.
Es ist nützlich auch diese Dinge sorgsam zu behandeln, sonst wird das Gesellschaftliche
trivial und wir mit ihm.'
Eduard von Keyserling hat seine letzten Geschichten wegen seiner Erblindung diktiert.
Ich glaube, daß das seine Vorstellungskraft und sein Sprachvermögen noch verstärkt hat.
Er sah ganz eigentümlich aus, Lovis Corinth hat ihn gemalt, bei Google Bilder kann man es
sehen.
Er selber hat, im Nachwort zu lesen, zu dem Bild gesagt:
'Es mag trotz der Brutalität die drinsteckt, gut jemalt sein
und gut unterhalten hat er (Corinth) mich dabei.
So aussehen aber möchte ich lieber nich.'