So steht es auf der Rückseite des Buches, und diese Frage zeigt, worum es dem Autor geht: nämlich um den Aspekt, dass Burnout eben NICHT nur eine sehr persönliche Sache ist, sondern dass es auch ein Umfeld gibt, das einen Burnout begünstigt bzw. sogar hervorruft.
Als Burnout-Betroffener möchte ich rufen: "Endlich greift mal jemand diesen Aspekt auf, der in der medialen Betrachtungswelle bisher kaum jemals berücksichtigt wurde!!!" Ja, auch das Umfeld trägt - zum Teil entscheidend - dazu bei, ob jemand, der für das Ausbrennen empfänglich ist, wirklich in den Burnout hinein gerät. Das sozioökonomische Umfeld des Burnout-Betroffenen wird vom Autor kritisch unter die Lupe genommen und sprachlich sehr treffend analysiert und skizziert.
In den folgenen Kapiteln wird das postindustrielle Arbeitsumfeld entmythologisiert und seine zunehmende Entmenschlichung charakterisiert:
1. Die alltägliche Überforderung
2. Die Burnout-Industrie
3. Mythos Multitasking
4. Illusion Zeitmanagement
5. Information Overload
6. Die Entgrenzung der Arbeit
7. Das Chef-Problem
8. Markt und Moral
9. Der Cooldown - eine Utopie?
Einen herzlichen Dank an Herrn Väth, die Thematik von dieser speziellen Seite beleuchtet zu haben. Viele Ratgeber zum Burnout machen es sich zu einfach, wenn sie z.B. postulieren: "Lernen Sie, 'Nein' zu sagen!" Wenn das Nein-Sagen im betrieblichen Umfeld keine Option ist, habe ich zwei Möglichkeiten: Nein zu sagen und auf der Straße zu stehen, oder weiterzumachen bis zum Burnout. Beides sind keine wirklich wünschenswerten Optionen. That's real life außerhalb jeglicher psychotherapeutischen Wohlfühlwolke.
So wichtig es für den einzelnen Betroffenen ist, wieder innerlich stabil zu werden, so nötig ist es, dass Arbeitsumfelder geschaffen werden, die Burnout-Prävention nicht nur als Vermittlung von Coaches und Therapeuten verstehen. Auf die Unternehmen, ja die ganze Gesellschaft kommt ein wichtiger Paradigmenwechsel zu: nicht einfach "immer schneller, immer weiter so", sondern die Ausrichtung des Arbeitsumfeldes an den tatsächlichen menschlichen Gegebenheiten, damit wieder kreativ und produktiv gearbeitet werden kann.
Ein in meinen Augen hervorragendes und längst überfälliges Buch.
Kann man eigentlich auch mehr als fünf Sterne vergeben???