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Fegefeuer: Roman [Gebundene Ausgabe]

Sofi Oksanen , Angela Plöger
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (32 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

19. August 2010
Das international gefeierte Meisterwerk über Liebe, Verrat und Angst – vor allem vor der Gewalt der Männer Wer Äußerstes erlebt hat, ist auch Äußerstes zu tun im Stande – das zeigt dieser vielfach ausgezeichnete und hoch spannende Roman über zwei Frauen, die sich wie zufällig begegnen und die doch eine gemeinsame Geschichte verbindet. Als Aliide Tru, eine alte Frau, die allein in einem Bauernhaus auf dem estnischen Land lebt, ein Bündel in ihrem Garten findet, das sich als junge Frau entpuppt, schluckt sie ihre Skepsis und Menschenverachtung herunter und nimmt Zara in ihr Haus auf. Zara ist auf der Flucht vor ihren Zuhältern, die sie mit brutalster Gewalt zu Willfährigkeit gezwungen haben und ihr schon dicht auf den Fersen sind. Doch Zara sucht keineswegs so zufällig Unterschlupf bei Aliide, wie diese glaubt: Aliide könnte die Schwester ihrer Großmutter sein. Während Zara noch Beweise für die Verwandtschaft sucht und nach einer Möglichkeit, Estland zu verlassen, fühlt sich Aliide von der jungen Frau bedroht: Zu oft musste sie Leib und Seele, Hab und Gut vor Eindringlingen schützen. In Rückblenden entsteht das immer schärfer werdende Bild einer Familientragödie, die fast fünfzig Jahre zuvor, als Estland von den Russen besetzt wurde, ihren Höhepunkt fand. Rivalität und Eifersucht, Scham, Schutzbedürftigkeit und vor allem Angst vor der Brutalität der Männer gegenüber den Frauen – das sind die Motive, die Aliide zu unvorstellbaren Entscheidungen zwangen. Sofi Oksanen gelang mit diesem Roman, der in mehr als 25 Ländern erscheint und gerade in den USA gefeiert wird, der große Wurf. Atemlos vor Spannung liest man über das Schicksal zweier Frauen, die ganz unterschiedliche und im Kern doch vergleichbare Erfahrungen machen: Egal welches politische System auch herrscht, Opfer sind immer die Frauen.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer&Witsch; Auflage: 7 (19. August 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462042343
  • ISBN-13: 978-3462042344
  • Originaltitel: Puhdistus
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,4 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (32 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 147.862 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Mit einem Ton, der sich zwischen Ian McEwans ‚Abbitte‘ und den allerbesten Schriftstellern Europas bewegt, verspricht dieser bittere Edelstein großartige Dinge von der talentierten Sofi Oksanen." (Kirkus Reviews) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Sofi Oksanen, geboren 1977, Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters, studierte Dramaturgie an der Theaterakademie von Helsinki. Ihr dritter Roman, »Fegefeuer«, war monatelang Nummer eins der finnischen Bestsellerliste und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Finlandia-Preis sowie dem Literaturpreis des Nordischen Rates. Der Roman erschien in über vierzig Ländern. Sofi Oksanen ist verheiratet und lebt in Helsinki.

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69 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Düster und spannend! 20. August 2010
Von Rude Lady
Format:Gebundene Ausgabe
Eigentlich wollte ich während des Lesens ein Zitat raussuchen, mit dem ich diese Rezension beginne. Leider habe ich das während des Lesens total vergessen, denn dieses Buch wollte einfach gelesen werden, ohne Pause.
Und ich muss sagen: "Fegefeuer" ist eins der besten Bücher, die ich in den letzten Monaten gelesen habe.

Aliide findet ein Mädchen in ihrem Garten - Zara - und nimmt sie bei sich auf, obwohl sie sie eigentlich lieber weiterschicken würde. Sie weiss im Gegensatz zu Zara nicht, dass die beiden verwandt sind. Zara ist auf der Flucht vor ihren Zuhältern und da Aliide die einzige Person ist, die sie in Estland zumindest von Erzählungen her kennt, flieht sie zu ihr. Die beiden lernen sich näher kennen, jedoch vertrauen sie einander zunächst nicht genug, um sich gegenseitig ihre Geschichte zu erzählen.
Denn diese ist bei beiden vor allem von einem gekennzeichnet: Gewalt durch Männer. Denn die Handlung beinhaltet auch die politische Geschichte von Estland vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg und das damit verbundene individuelle Schicksal der beiden Frauen. Beide waren während dieser Zeit der Willkür von Männern ausgeliefert und zollen dieser Zeit nun Tribut. Aliide hatte außerdem noch eine ganz andere Geschichte zu bewältigen, die sie mit Zara wieder einholt.

Die Handlung ist unheimlich gut strukturiert: Die Kapitel sind nach Jahren aufgeteilt, in denen jeweils die Geschichte einer der beiden Protagonisten erzählt wird. Man erfährt langsam immer mehr aus der Vergangenheit von Aliide und Zara und versteht nach und nach, warum die beiden so ängstlich und verschlossen gegenüber Fremden im Allgemeinen und Männern im Speziellen sind.
Zwischendurch kehrt die Handlung immer wieder in die Gegenwart zurück, wodurch man immer besser versteht, warum die beiden sich so verhalten, wie sie es tun.
Was mich vor allem so fasziniert hat, war die Spannung, die im Buch aufgebaut wurde. Die Geschichte hat mich deutlich mehr gepackt als manch ein Thriller, was ich vor dem Lesen des Buchs so nicht erwartet hatte und was mir darum umso besser gefällt.
Das Hauptthema des Buchs ist zwar Gewalt, jedoch werden die meisten Szenen, in denen es um Gewalt geht, nicht ausformuliert. Es bleibt der Fantasie des Lesers überlassen, sich diese vorzustellen, weshalb die Atmosphäre des Buchs auch nicht zerstört wird. Denn diese ist bewusst nüchtern beschrieben, um dem Leser eben diese Freiheit zu geben, sich die Geschehnisse selbst vorzustellen.
Das einzige, was mir am Roman nicht so gut gefallen hat, waren die Titel der Kapitel: Sie stellen eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Kapitel in Schlagwort-Form dar und sind damit einfach zu schlicht, um dem Rest des Buchs gerecht zu werden.
Fazit: Ein sehr düsterer, spannender und dramatischer Roman mit einer sehr interessanten Geschichte ' einfach rundum gelungen und vorbehaltlos zu empfehlen!
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Es wird gerne vergessen, dass all diejenigen, die in den Siebziger Jahren im Westen von einer friedlichen Koexistenz der marktwirtschaftlichen und kommunistischen Systeme träumten, keinen Gedanken an die unterdrückten Völker im sowjetischen Imperium verschwendeten: die Letten, die Litauer, die Ukrainer, Moldawier, von den Satellitenstaaten Osteuropas ganz zu schweigen - alles Schnee von gestern, der im Orkus der Nationalgeschichte verschwinden sollte.
Erst jetzt, nach dem Untergang des Kommunismus offenbaren sich die ökonomischen, sozialen und moralischen Verwüstungen, die der Kommunismus in seinem Jahrhundert angerichtet hat, in voller Härte. Jedes Volk, das aus sich aus dem russischen Völkerkerker emanzipierte, hat nun seine eigene Leidensgeschichte zu erzählen, millionenfach gebrochen in all den Einzelschicksalen, die der linke Totalitarismus während seiner Herrschaftszeit vernichtete - so auch das kleine Volk der Esten, dessen Schicksal in dem vorliegenden Meisterwerk der jungen estnischen Autorin Sofie Oksanen eine literarische Stimme findet, über die man nur staunen kann.
Von den Dreißiger Jahren bis an das Ende des 20. Jahrhunderts erzählt der Roman von dem Lebenslauf der Aliide Truu und ihrer Familie, der schönen Schwester Ingel und ihres Ehemannes Hans Eeriksohn Pekk, nach dem sich auch Aliide in geheimer Liebe verzehrt. Nach der Okkupation Estlands durch die Russen werden Ingel und ihre Tochter Linda nach Wladiwostok deportiert, während Ingels Ehemann Hans jahrelang von seiner Schwägerin Aliide in der Scheune ihres Bauernhofes versteckt wird. Vierzig Jahre nach diesen Ereignissen steht plötzlich Ingels Enkelin Zara als Flüchtling vor russischen Zuhältern vor der Türe ihrer Großtante Aliide, die zunächst gar nicht weiß, wen sie vor sich hat. In zahlreichen Rückblenden, Schnitten, Gesprächen und Erinnerungen entfalten sich nun die Verbindungslinien beider Generationen, bis die Handlung am Ende in einem furiosen Finale kulminiert. Dieses Finale soll und darf an dieser Stelle natürlich nicht vorweggenommen werden - nur so viel sei verraten: Zara entkommt ihren Zuhältern, und Aliide, die vermeintliche Heldin des Buches, erscheint am Ende dann plötzlich in einem ganz anderen Licht.
Aber es ist nicht nur eine packende und kunstvoll verschachtelte Familiengeschichte, die die junge Autorin mit erstaunlicher Souveränität erzählt - gleichsam nebenbei entfaltet sich auch das Drama Estlands, das nach der russischen Okkupation 1940 und 1944 um seine Exstenz fürchten muss. Halunken, Denunzianten, Folterknechte und Mörder prägen die Leidensgeschichte des estnischen Volkes, wobei die Verhältnisse nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems nur scheinbar besser werden, denn die Halunken, Denunzianten Folterknechte und Mörder sind ja keineswegs verschwunden, sondern sie haben unter dem bequemen Schirm der neuen Freiheit nur vom politischen Fach in den Bereich der organisierten Kriminalität übergewechselt. Was aus diesem Bereich über Mädchenhandel und Zwangsprostitution berichtet wird, gehört für mich zu dem Drastischsten, was es darüber zu lesen gibt.
So schroff und karg wie die Geschichte, die die Autorin erzählt, ist auch ihre Sprache. Sie vermeidet Zuckerguss und Endlossätze sondern passt sich in ihrer puristischen Kantigkeit dem Charakter der Figuren an: manchmal hat man geradezu das Gefühl, dass die Sätze, die die Autorin schreibt, genauso knarzen wie die Dielen, über die die alte Aliide läuft. Mit dieser Sprache erzählt Oksanen ihre Geschichte wie ein Beleuchtungskünstler, der in kurzen Schnitten einen großen, unbekannten Raum in kurzen flashs so ausleuchtet, dass sich erst am Ende eine Gesamtansicht ergibt, die der Leser in dieser Form ganz bestimmt nicht erwarten konnte.
Alles in allem ein ergreifendes Werk, das den Leser in einer ganz besonderen Weise ergreift. Ich jedenfalls habe über die Figuren des Buches und ihr weiteres Schicksal noch lange nachdenken müssen. Das ist mir lange nicht mehr passiert.
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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Heftig und aufwühlend...! 28. November 2010
Von A. Zanker TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Solch, ein heftiges Buch, habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Der, mit Preisen ausgezeichnete Roman, erzählt vor allem, die Geschichte einer Frau, namens Aliide Truu, die während der vierziger Jahre, im letzten Jahrhundert, ein Drama erleben sollte, das in der estnischen sozialistischen Sowjetrepublik spielt, an der Grenze zu Finnland, das letztendlich in eine Traumaverarbeitung mündet, die mit grosser Beobachtungsgabe, vom Beschädigen jener Lebensentwürfe und Lebensschicksale erzählt, vor dem Hintergrund von Agenten und Menschen, denen man nicht trauen konnte, Kommunismus, dem Widerstand dem System gegenüber, jener Widerstandskämpfer, die sich für ein freies Estland, unter der Besetzung, der Russen einsetzen wollten, zu denen auch Hans Pekk (ein estnischer Bauer) gehören sollte, dessen Tagebuchblätter sporadisch eingestreut werden, der in einem besonderen Verhältnis zu Aliide stand, und dessen Widerstand, wie vieler anderer auch, letztendlich als Landesverräterische Tätigkeit mit fatalen Folgen bestraft worden wäre... hätte man ihn gefunden. Ein Land, das erst mit dem Fall des sowjetischen Reiches wirklich freikommt, im Jahr 1991. Ein Buch, das auch dazu beiträgt, sich ein wenig mit diesem Land und deren Geschichte zu beschäftigen.

Der Roman, der finnischen Schriftstellerin, der in 25 (!) Ländern erscheint, erzählt vor allem auf 2 Handlungsträngen (welch ein schreckliches Wort), nebst dem, dass jedes Kapitel, mit einer Jahreszahl beginnt, und wir als Leser ständigen Zeitsprüngen vor und zurück uns einzustellen haben... Ein Roman der zwischen 1936 und bis 1992 angesiedelt ist, wo er auch beginnt. Eine junge Frau, Zara, landet eines Tages, in der estnischen Provinz in der Nähe von Tallinn, vor dem Haus der alten Aliide. Hungrig, dreckig, verwahrlost. Sie nimmt sie auf, ohne zu wissen, wer sie ist. Wer ist die Frau, wo kommt sie her, was will sie, und warum ausgerechnet vor Aliides Haus? Daneben wird im Wechsel das Leben, von Aliide erzählt, von ihrer Schwester Ingel und ihrem Mann Hans, den sie insgeheim liebt. Durch seinen Widerstand, gegenüber dem politischen System, wird er von der Polizei gesucht. Aliide, hält ihn in ihrem Versteck versteckt, lässt Verhöre, Misshandlungen, Erniedrungen über sich ergehen, nur um diesem Mann, der eigentlich, mit ihrer Schwester verheiratet ist, zu schützen, um sein Leben zu retten.

Zara, ist eine junge Prostituierte, die im Westen das grosse Geld machen wollte, jedoch von ihrem Zuhälter Pascha verfolgt wird, von dem sie misshandelt und ausgebeutet wird. Weil, sie aus diesem Gefängnis von Brutalität und Erniedrigung ausbrechen will, haut sie ab. Beide Frauen, obwohl völlig unterschiedlich, in verschiedenen Generationen lebend, erleben Männer, die sie auf brutalste Art und Weise behandeln, mit körperlicher Gewalt, aber auch psychischem Druck, der die Frau gefügig machen soll. Obwohl beide Frauen, wenig voneinander wissen, teilen sie diese unscheinbare, unsichtbare Erfahrung unter ähnlichem Nenner. Beide Stränge, (immer noch schrecklich) entwickeln sich aufeinander zu. Oksanen verrät nicht alles, lässt den Leser mitforschen und miträtseln, wohin sich die Geschichte entwickeln will, und lässt vieles auch offen, oder unbeantwortet.

Die Autorin, beschreibt darin eine Atmosphäre, wo man den Atem anhält, Herzklopfen bekommt, völlig unter Strom ist, die, aber auch beklemmend, bedrohend, brutal, verstört und hart ist, wo das Männliche das Weibliche zu zerstören droht, und gleichzeitig das Weibliche das Männliche beschützen will, was wie absurd erscheint. Es ist, mit solcher eindringlicher Härte niedergeschrieben, dass man Gänsehaut bekommt und es ungemütlich wird. (Ziehen Sie sich warm an) Oksanen, mutet dem Leser diese Brutalität zu, auch, wenn sie dabei, dann doch nicht bis zum Letzten geht, den Leser in die eigene Vorstellung entlässt. Eine polizeiliche Einvernahme von Aliide, die verdächtigt wird, zu wissen, wo Hans Pekk ist, die vorgenommen wird, wird auf menschenverachtende Art und Weise behandelt, und so tief gehen sollte, was sie ihr ganzes Leben nicht mehr vergessen sollte...

Eine Traumaverarbeitung, einer mittlerweile alten Frau, die am Waldrand lebt, und Marmelade und Gemüse einkocht. Die, aus Liebe, ja sogar einer Art Abhängigkeit, einen Mann beschützt, dadurch ihr Leben riskiert und gleichzeitig mit mit ihrem Mann Martin verheiratet ist und zusammenlebt, ohne dass er davon weiss, dass sie Hans in einen Versteck in ihrem Haus versteckt. Vielleicht, ist dieses Buch ja ein Frauenbuch, dass die Brutalität der Männer, durch seinen politischen Hintergrund darstellen will. Es ist aber auch ein politischer Roman, der aufzeigt, wie politische Hintergründe bis in Einzelschicksale hineinwirkt, der davon erzählt, wo dieses Land in jenen Jahren stand, das sowohl von Russen als auch Deutschen besetzt wurde. Den weiblichen Widerstand, in all seinen Formen, aber auch die Selbstbehauptung gegenüber dem zerstörerischen Männlichen. Eine aufrüttelnde und bis zur Schmerzgrenze spannende Story, um die Standhaftigkeit einer Frau, in den vor allem vierziger Jahren, die sich nicht brechen lassen will. Es erzählt, wie die Brutalität der Männer, Frauen verändert, welche Spuren, Folgen, innere Konsequenzen und Narben es hinterlässt. Es erzählt von gebrochenen Menschen. Es zeigt sogar, im Laufe der Geschichte, die brutale Seite von Aliide auf...zu der sie vielleicht erst geworden ist..

Eine Lebensbeschreibung, die zeigt, was sie alles opfert, gibt, wie sie hofft und bangt und mit welchen Schicksalsschlägen und Enttäuschungen, sie zu kämpfen hat. Ein Erzählstil, wo die tieferen Zusammenhänge, erst nach und nach langsam an die Oberläche kommen. Eine Autorin, die einen Blick für das Detail hat, was ich sehr, mochte an diesem Roman. Eine Geschichte, die unglaublich viele Schichten und Dimensionen hat. Ein überaus lesenswerter Roman, nichts für zartbeseitete Menschen, der mehr als nur unter die Haut geht, und den Leser mit einer Heftigkeit aufsucht, wie man sie selten so stark auffindet, ein Roman, der einen nicht mehr so schnell los lässt, weil er so packend erlebt wird. Eine Geschichte über Gewalt, Opfer, Schuld und innere Abgründe, angesichts zweier verschiedener Frauengenerationen. Und, auch, wenn es weh tut, zu lesen, so etwas, habe ich schon lange nicht mehr gelesen, so etwas Durch und Durch Aufrüttelndes, wie dieser neue Roman von Sofi Oksanen, der eindringlicher aber auch aufwühlender nicht sein könnte...und dessen Wirkung weit über das Gelesene hinausgeht...ein starkes Buch.
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