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Aber er war nicht dabei, alt zu werden -- er war dabei, erwachsen zu werden. Fegefeuer der Eitelkeiten, eine pyrotechnische Satire auf das New York der achtziger Jahre, war nicht nur Wolfes bisher bestes Buch, es war das bestverkaufte Belletristikdebüt des Jahrzehnts -- eine auf wunderbare Weise realistische Studie einer unglaublich statusversessenen Gesellschaft, von den hitzigen Kombattanten der Süd-Bronx bis zum brodelnden Abschaum an der Spitze der Wall Street. Sherman McCoy, ein absurd-arroganter Investmentbanker (genannt "Master of the Universe", Wolfes brillante metaphorische Aneignung eines damals wichtigen Spielzeugs für Jungen), fährt in der Bronx mit seinem Mercedes einen Schwarzen an und flüchtet -- direkt in einen Alptraum, der bevölkert ist von bösartigen Liebhaberinnen, Ehefrauen, so dünn wie "gesellschaftliche Röntgenbilder", schleimigen Politikern, Revolverblattjournalisten und dantesken Bewohnern des "Rechts"-Systems. Hätten die Coen und Marx Brothers zusammen Der große Gatsby verfilmt, wäre Wolfes Fegefeuer der Eitelkeiten vermutlich dennoch komischer. Viele glauben, daß sein zweiter Roman A Man in Full tiefsinniger ist, aber Fegefeuer der Eitelkeiten läßt sich kaum noch übertreffen.
Auf jeden Fall sollten Sie den Film Fegefeuer der Eitelkeiten, eine faszinierende Katastrophe, die von den Genies Brian De Palma und Tom Hanks "verbrochen" wurde, mit The Right Stuff, einem der besten Filme der achtziger Jahre, zu vergleichen. --Tim Appelo -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Buch der 1000 Bücher
Fegefeuer der Eitelkeiten
OT The Bonfire of Vanities OA 1987 DE 1988Form Roman Epoche Moderne
In seinem barock erzählten Großstadtroman entwirft Wolfe ein breites Panorama New Yorks in den 1980er Jahren.
Inhalt: Börsenmakler Sherman McCoy hat den amerikanischen Traum von Erfolg und Reichtum verwirklicht ein Millionen-Dollar-Jahresgehalt, eine Luxuswohnung in der schicksten Gegend New Yorks, ein nettes Töchterchen, eine Dame der Gesellschaft als Ehefrau und eine sexhungrige Freundin. Doch eines Tages begeht Sherman einen fatalen Fehler. Weil er mit seinem Mercedes die Ausfahrt verpasst hat, kurvt er mit Gespielin Maria durch den verrufenen Stadtteil Bronx. Als zwei schwarze Jugendliche auftauchen, geraten die nach Geld aussehenden Weißen in Panik. Maria, die sich ans Steuer setzt, fährt einen der Schwarzen an und rast mit Sherman davon. Der junge Mann stirbt später an seinen Verletzungen, die Polizei ermittelt und Sherman verstrickt sich in ein Netz aus Ungereimtheiten und Lügen. Als sich auch der Klatschreporter Peter Fallow für die Einzelheiten der Geschichte interessiert, beginnt Shermans gesellschaftlicher Sturz aus dem Kreis der Reichen und Schönen.
Aufbau: Nicht zufällig erinnert das Werk an den Roman Jahrmarkt der Eitelkeit (1848) von William Makepeace R Thackeray aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. An einem exemplarischen Ereignis wird in üppigen Stimmungsbildern ein Sittengemälde der Zeit entworfen, hier des vibrierenden Molochs New York am Ende des 20. Jahrhunderts. Wolfe fängt Gerüche, Geräusche und Geschwindigkeit der Metropole mit Lautmalereien und sprachlichen Neuschöpfungen ein. Wirtschaft, Justiz, Politik, Presse und Kirche werden durch stellvertretende Figuren ins Blickfeld gerückt, ihre politischen und persönlichen Interessen fließen ineinander. Sherman McCoy steht für die protzende Schicht der Neureichen mit ihren kostspieligen Träumen und ihrer herausfordernden Eitelkeit. Seine glänzende Fassade stürzt ein, als er sich zum ersten Mal als Mann mit Charakter erweisen muss. McCoys Niedergang erinnert an die schillernden, aber sündhaft teuren Jahre der konservativen Administration unter US-Präsident Ronald Reagan (198189). Deren Ideologie des hemmungslosen Egoismus hinterließ einen verarmten Mittelstand und das größte Haushaltsdefizit der amerikanischen Geschichte.
Wirkung: Fegefeuer der Eitelkeiten wurde ein internationaler Bestseller, Kritiker im In- und Ausland rühmten das Buch. Wie ein moderner Honoré de R Balzac habe Wolfe ein »erzähltes morality play« (Hellmuth Karasek) geschaffen, einen »durch und durch komödiantischen Roman« (FAZ), der Ereignisse der Zeitgeschichte auf witzige Art glossiere. In Brian de Palmas Verfilmung (1989) spielten die Hollywood-Stars Tom Hanks, Bruce Willis und Melanie Griffith die Hauptrollen. B. B. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.