Während eines der Tracks-Berichte auf Arte über vermeintlich neue Musiktrends war er plötzlich im Bild zu sehen: Panda Bear. Das ganze vorangegangene New-Weird-America Gewäsch des Berichts, nach dem ein paar Monate später kein Hahn mehr krähen würde, war mir schon gehörig auf den Wecker gefallen, doch was ich nun kurz zu sehen bekam, besserte meine Laune augenblicklich wieder erheblich. Mehr in der Nähe von Tortoise oder Dylan Group musizierend, angenehm unaufdringlich und überhaupt nicht weird, präsentierte sich Panda Bear mit Animal Collective als dringend wahrzunehmende Musikhoffnung.
Glücklicherweise stand kurze Zeit später ein Live-Termin in der Weltbühne Hamburg auf dem Programm. Im Vorfeld eine belanglose Kapelle aus Island, was einem mit ihrer gekünstelten Verrücktheit den Besuch eigentlich schonmal hätte verleiden können. Genauso die geschätzte Raumtemperatur von 45 Grad bei etwa 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Die Daunenjacke hat drinnen auch nicht gerade zur Annehmlichkeit beigetragen, aber wohin damit, wenn zwischen alle Besucher kaum noch eine einzige Briefmarke gepasst hat.
Wenn man trotz dieser schlechten Voraussetzungen die Musik der Band trotzdem vom ersten bis zum letzten Ton geniessen kann, sagt das schon genügend über die Qualität der Musik aus. Selten war ich von einem Sound so fasziniert und mitgenommen, wie diesmal. Erst später würden vergleichbare Live-Erfahrungen mit anderen Bands folgen. Das Bild was mir der kurze Auftritt im Fernsehbeitrag vermittelt hat, stimmte heute Abend vorne und hinten nicht. Glücklicherweise wurde es viel besser. Es wurden neue Türen aufgestoßen, die sich nie wieder schließen lassen würden. Die ganze Session schien ineinander über zu gehen. Improvisierte Rhythmen, alle musikalischen Grenzen sprengende Klangteppiche, tribales Getrommel auf dem reduziertesten Schlagzeug, das ich bis dato gesehen hatte, leidenschaftlicher, verzerrter, ununterbrochener Stakkato-Singsang, der auch gerne mal geklaute Zeilen aus Stevie Wonders "I just called..." beinhalten konnte und Harmonie-Strukturen, auf die man nur kommen kann, wenn man in der Jugend mit bewusstseinserweiternden Substanzen experimentiert hat. Offensichtlich kann man die dabei erlebten Dinge, bei entsprechender Begabung und Übung, auch dem nüchternem Konzertbesucher, mithilfe der Musik erfahren lassen. Der Auftritt war wie ein endlos dauernder Trip und eine meditative Übung mit Besuch in einer fremden, aber wunderschönen Welt. Das dies auch eins der Anliegen der Band ist, habe ich erst viel später erfahren und war überrascht, wie erfolgreich sie das umsetzen können. Von der biochemischen Botenstoff-Ausschüttung, die ich an diesem Abend erlebte, konnte ich noch den ganzen Rest des Jahres zehren.
Dankbar und begeistert machte ich mich daran, die Musik auch Zuhause erleben zu können und das erste Album sollte das damals aktuelle "Feels" sein. Natürlich ist die Intensität des Live-Auftritts nicht wirklich auf Platte zu transportieren. ich erkannte die Musik sogar im ersten Moment kaum wieder. Viel aufgeräumter, weniger breihaft, weitaus ausdifferenzierter und eben kein musikalischer ausufernder Bewusstseinsstrom, wie auf der Bühne. Manchmal jedoch nahe dran, wie bei "Grass", "The Purple Bottle" oder "Banshee Beat". Manchmal weniger nahe dran, wie bei "Flesh Canoe", "Bees" und "Daffy Duck". Grandios bleibt die Tatsache, das vielleicht noch logische Rückschlüsse auf Einflüsse möglich sind, das Endergebnis aber unverkennbar eigen bleibt.