Dieser im Format handliche, schmale Bildband bietet einen Querschnitt des Werks der Fotografin Fee Schlapper hinsichtlich ihrer Porträtfotografie. Schlapper, 1927 in Gießen geboren als Tochter des früheren Oberbürgermeisters Ernst Schlapper, betrieb von 1953 an ein Fotostudio in Baden-Baden. Sie wurde an der Bayerischen Staatslehranstalt für Fotografie in München ausgebildet und legte in Freiburg ihre Meisterprüfung ab. Als Fotografin ging sie mit offenen Augen durch die Welt, versuchte immer die Wirklichkeit, auch in der Fremde, einzufangen und zu ergründen. Sie starb im März 2000 in Baden-Baden.
Die Schwarzweiß-Fotografien in diesem Bildband werden eingerahmt durch eine sehr gut lesbare Einführung zu Schlappers Leben und Werk von Sandra Ulrichskötter sowie durch ein Interview mit ihr, geführt von Christiane Albus. Von Albus stammt auch ein Filmporträt über Schlapper, das 1989 in der Reihe "Abenteuer Alltag - Reportagen über Gewöhnliches und ganz Gewöhnliches" auf dem Regionalsender Südwest 3 gesendet wurde. Der Nachlass von Schlapper befindet sich in der Fotografischen Sammlung im Museum Folkwang Essen. Ihr Werk, soweit derzeit noch erhältlich in Buchform, umfasst "
Baden-Baden. Zwischen Tal und Hängen -Wäldern-Gärten-Quellen", "
Schloß Nymphenburg", "
mensch und welt: fotobildband.", "
Taha, der ägyptische Eseljunge" u.v.a.
Schlappers Fotografien in diesem Band sind wie Bilder aus einer vergangenen Welt. Sie gliedern sich, wenn auch nicht formal, in die Bereiche Kinderporträts, Prominente und junge Mädchen- bzw. Frauenporträts. Mich persönlich haben am meisten die Kinderporträts beeindruckt, aber ich spreche hier nicht als fotografischer Fachmann. Die meisten dieser Bilder sind von einer solchen Sensibilität geprägt, dass es das Herz ergreift und fast schon weh tut (man verzeihe mir diese vielleicht kitschig wirkende Formulierung). Schlappers Blick ist einerseits glasklar, in der Art wie sie Stimmung, Charakter und Unschuld (häufig auch in Verbindung mit der Armut der Zeit oder der Region) des jeweiligen Kindes einfängt - und andererseits voller Sensibilität, Anteilnahme und Mitgefühl. Bei all diesen Bilder ahnt man, dass die innewohnende Unschuld irgendwann verloren sein wird oder auch schon verloren gegangen ist. Gerade bei diesen Bildern liegt für mich persönlich der besondere Wert des Bandes.
Es folgen danach einige Porträts von Prominenten sowie Zeitgenossen, die - bis auf wenige Ausnahmen (Menuhin etwa) - nicht mehr im Bewusstsein des Betrachters sind. Deren Namen kann und muss man gegebenenfalls im vergleichsweise kurzen und übersichtlichen Index zu den Bildern nachschlagen. Diese Bilder stellen die jeweilige Person in beeindruckender Weise ins Zentrum des Bildraumes, geben und lassen dieser aber jeweils einen/ ihren unverwechselbaren Ausdruck. Bei aller fotografischen Nähe spürt man hier gleichzeitig jeweils auch eine bestehen gebliebene Distanz zu den Porträtierten. Schließlich folgen Mädchen- und Frauenporträts (Zwillinge, Einzel- und Gruppenaufnahmen). Diese machten auf mich persönlich den geringsten Eindruck und berührten mich am wenigsten. Hier wechselte sich für mich durchaus vorhandene Ausdrucksstärke mit einer, vor allem bei den Gruppenfotos vorhandenen, nichtssagenden Beliebigkeit ab.
Vielleicht braucht man (wie etwa ich) etwas länger, bis sich die Bilder einem erschließen und man ihren Wert erkennt. Schlappers Werk ist weit entfernt von jeglichem Glamour. Der vorhandene Charme erwächst häufig aus dem Spröden, Unnahbaren, das diesen Bildern innewohnt. Es handelt sich insgesamt um ein sehr eigenes Werk, das diese Fotografin ausmacht und welches inzwischen vielleicht schon ein bisschen abseits unserer heutigen Sehgewohnheiten steht. Dies sei erwähnt, um auch auf mögliche Enttäuschungen vorzubereiten. Wer sich aber auf Schlappers "speziellen Blick" einlässt, mag ihre Bilder vielleicht nicht mehr missen wollen. In diesem Zusammenhang sei auch auf Schlappers Bildband von 1988 mit ähnlicher Thematik, "
Gegenüberstellung. Porträts über die Zeit", der hinsichtlich seiner fotografischen Qualität für meine Begriffe allerdings nicht an diesen heran reicht, zumindest hingewiesen.