Es flüstern nistende Flügeltierchen in meinen spanischen weißen Kopfhäuschen seitdem ich dieses Buch las: Spanien zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, das katholische, granadinische, Zigeunerromanzenspanien, zuvor belastet mit kastagnettenlärmenden Klischees, zieht hier Ian Gibson sein geistesscharfes präzises Toledoschwert, oder besser das universale imperiale geistesgebildete britische Schwert? Er zieht blank: federt den aufgeplusterten Romantikkorso aus, zeigt Fakten um Fakten, zusammenhänge, Freundschaften, Hervor tritt der Mensch Federico Garcia Lorca: wie viele Facetten er besitzt, besitzen muß, um kristallklar zusammenraffen zu können, was verstreut in jedem einzelnen Menschen an Hoffnungen , Sehnsüchten, Irrlichtern, Angst, Todesfurcht, Freude und Liebe aufleuchtet. Von vielen nur mühsam ehrlich betrachtet. Ehrlich zu sich selbst. Ein Dichter, ein Schwadronör? Ein verwöhntes Kind aus gutem Haus? Ein mutiger Republikaner, der das Elend der Armen und unterdrückten mitfühlt, kämpfen will gegen Ungerechtigkeit. Ein Homosexueller. Welche Parallelen zieht er: die Mönche und Nonnen in den Klöstern, die ihren leiblichen heimlichen Wünschen freiwillig entsagen. Keine eheliche Gemeinschaft wollen oder können, nicht viel anders wie Homosexuelle und Lesben. Er kann nur so leben, wie er i s t . Das bedeutet, fremde Normen quälen, das eigene Lebensmaß quält ebenfalls, weil es quer zur Gesellschaft steht. Große Geister ziehen sich gegenseitig an, gleichgültig welcher Farbe sie angehören, das war eines der vielen Ergebnisse. Und grübeln lässt uns der Dichter mit den eigenen Worten: "Etwas, was für mich ganz wesentlich ist: die eigenen Instinkte zu respektieren. An dem Tag, an dem man aufhört, gegen seine Instinkte zu kämpfen, hat man gelernt zu leben."