Wenn eine Band sich den geschmackvollen Namen BONE GNAWER gibt, und ihr Debüt-Album zudem mit "Feast of flesh" betitelt, dann ist über den Inhalt der Scheibe eigentlich schon alles gesagt. Hier werden definitiv keine poetischen Hoppelhäschen-Wiesen oder rosarote Wattebauschwolken besungen...vielmehr steht für alle geneigten Death Metal-Gourmets ein kulinarisches Menü aus Blut, Eiter und rohem Fleisch auf dem Speiseplan.
Lecker schmecker, hier metzelt der Chefkoch noch persönlich. Denn hinter BONE GNAWER versteckt sich kein geringerer als Todesblei-Urgestein Kam Lee, der vor einer gefühlten Ewigkeit an Meilensteinen wie "Scream bloody gore" (DEATH) und "From beyond" (MASSACRE) beteiligt war, und somit einen gehörigen Anteil an der musikalischen Entwicklung des Death Metals hat. Leider war Kam Lee in den letzten Jahren ziemlich von der Bildfläche verschwunden. Daher ist es für alle alten Nostalgiker jedoch umso erfreulicher, dass er mit dem saufiesen Prügel-Opus "Feast of flesh" endlich wieder zurück im Geschäft ist. Erwähnenswert ist hierbei zudem, dass Mr. Lee sich mit Rogga Johansson einen der vielbeschäftigsten Musiker der europäischen Szene in die Band geholt hat, der in jüngster Vergangenheit u.a. schon mit Bands wie RIBSPREADER, DEMIURG oder PAGANIZER zu Tonträger-Ehren gekommen ist, und sich dadurch den Namen "Elchtod-Tausendsassa" wahrlich verdient hätte. Ach ja...und wenn man außerdem noch weiß, dass die Scheibe weltweit von "Pulverised Records" (derzeit zweifellos eines der treffsichersten Knüppel-Labels überhaupt!) vertrieben wird, kann sich der Hörer sicher sein, dass hier in musikalischer Hinsicht zu keiner Sekunde Kompromisse eingegangen werden. Diese Traumkonstellation verspricht viel - und hält wirklich alles.
Erwartungsgemäß ist die Mucke von BONE GNAWER knietief im Death Metal der 90er Jahre verwurzelt, wobei der Schulterschluss aus Florida- und Schweden-Sound bestens geglückt ist. Selten war Knochenbrechen sooo spaßig !!! Hundsgemeine Granaten wie "Hammer to the skull" , "The saw is the family" , "Defleshed and skinned" und "Hatched face" gehen ausnahmslos voll auf die zwölf, ohne dabei aber in stumpfsinnige Prügel-Attacken auszuarten. Im Gegenteil, das Hauptaugenmerk dieses 34-Minüters liegt eindeutig im gehobenen Mid-Tempo. Ohne technischen Firlefanz hämmert dieses Quartett seinen Oldschool-Metal gnadenlos runter, und zeigt allen gefühlskalten Trend-Randerscheinungen dabei den ausgestreckten Mittelfinger. BONE GNAWER punkten daher sicherlich nicht durch ihre Originalität und ausgeprägten Spielwitz. Dies kann die Band aber durch ihr authentisches, bewusst bodenständiges Songwriting jederzeit ausgleichen. Die zahlreichen Hammer-Riffs sitzen hundertprozentig an der richtigen Stelle und atmen eindeutig den Geist wegweisender Meisterwerke wie "Leprosy" (DEATH) , "Death shall rise" (CANCER) , "Left hand path" (ENTOMBED) , "Cause of death" (OBITUARY) und "Mental funeral" (AUTOPSY). Das BONE GNAWER letztlich nicht in derselben Liga spielen, wie die soeben genannten Bands, versteht sich eigentlich von selbst. Und eigentlich ist es auch komplett egal. Denn in Punkto Songwriting machen die Herren Musiker nämlich fast alles richtig, weswegen Schädelspalter wie die überragenden "Sliced and diced" , "Cannibal cook-out" und "Anthropophagus beast" (mit geilem SLAYER-Break!) in den Metal-Diskotheken dieser Republik sicherlich bald zu Dauerbrennern werden dürften.
Keine Frage, "Feast of flesh" ist eines der besten Todesblei-Releases des Jahres 2009, und haut die letzten drei Scheiben von SIX FEET UNDER mal eben locker aus den Latschen. Mit 5 Sternen ist das Schlachtfest hiermit feierlich eröffnet !!!