Mit "Fearless - Jenseits der Angst" gelang Peter Weir wohl einer der unterschätztesten Filme der 90er und ebenso ein herausragendes Musterbeispiel für die großartige, nicht minder unterschätzte Schauspielkunst von Jeff Bridges.
Der zutiefst menschliche, emotional packende Film trägt unverkennbar die einzigartige Handschrift von Peter Weir, Regisseur von Meisterwerken wie "Die Truman Show", "Der Club der toten Dichter" oder "Der einzige zeuge". Der Film erreicht beinahe eine lyrische Ebene, er ist meditativ und lässt einen noch Tage nach dem Ansehen nicht mehr los. Vielleicht sieht man sogar die Welt um sich herum danach ein wenig mit anderen Augen.
Die aufwühlende Geschichte von Max Klein, der einen schrecklichen Flugzeugabsturz überlebt und sich danach unverwundbar fühlt, ist emotional so dicht, dass es einem regelrecht die Sprache verschlägt. All die außergewöhnliche emotionale Last, die der Protagonist auf seinen Schultern trägt, wird für den Zuschauer spürbar gemacht. Aber auch die Komplikationen, die Kleins Familie nach dem Unfall widerfahren, sind brilliant ausgearbeitet.
Peter Weir lässt sich unglaublich viel Zeit kleine Gesten zu zeigen, die eine unglaubliche Wirkung auf den Zuschauer hinterlassen. Die grandiose, nuancierte Darstellung von Jeff Bridges ist jedoch das Herz des Films. Es ist schier unbeschreiblich, wie viel Bridges in seine Performance investiert. Es ist eine regelrechte Tour de Force, die sich auf der Leinwand entfaltet. Wenn man sich betrachtet, wie emotional fordernd seine Rolle ist und wie wenig Anerkennung er dafür erhielt, muss man sich schon wundern. Dies ist nicht das erste Mal, dass Bridges deratiges widerfährt, über die Jahre hin hat er sich jedoch zum vielleicht unterschätztesten Darsteller seiner Generation entwickelt.
Doch er wird von der ebenfalls hochkarätigen Rosie Perez unterstützt, die hier die wohl beste Leistung ihrer Karriere zeigt, wofür sie auch eine Oscar-Nominierung und diverse Auszeichnung von amerikanischen Kritikerverbänden erhielt. Sie spielt die streng katholische Carla, die bei dem Absturz ihren zweijährigen Sohn verlor und mit dieser Last verständlicherweise nicht klarkommt. Sowohl ihr Charakter, als auch der von Bridges, machen extreme, wenn auch unterschiedliche, emotionale Erfahrungen durch. Sie bauen eine Beziehung zueinander auf, die nur sie verstehen können, sie aber auch beide von Grundauf verändern wird. Dies geschieht jedoch sehr zum Leidwesen von den jeweiligen Familien.
Isabella Rossellini zeigt ebenfalls eine bravouröse Darstellung als Kleins Ehefrau, die nach dem Unfall keinen Zugang mehr zu ihrem Ehemann findet. In weiteren Rollen überzeugen noch John Turturro als Therapeut, Tom Hulce ("Amadeus") als Anwalt, Benicio Del Toro als Carlas Mann und Deidre O'Connell als Witwe von Kleins bei dem Unfall umgekommenen besten Freund.
Sie alle tragen dazu bei, "Fearless" zu einem unvergesslichen Stück Kino zu machen, dessen Bilder sich tief ins Gedächtnis einbrennen. Peter Weir gelingt es, Emotionen zutiefst spürbar zu machen, seine Charaktere tiefgründig und ohne Zweifel absolut glaubhaft und lebensecht darszustellen. Seine Regie brilliert durch den langsamen Aufbau, er lässt dem Zuchauer Zeit, die Geschichte für sich im Kopf entfalten zu können. Er besticht durch ein unglaubliches Auge fürs Detail, wie man es nur äußerst selten bei Filmen feststellen kann. Auch hervorzuheben ist sein immenses Talent Musik mit Bildern zu verbinden. Am spürbarsten wird dies bei dem Ende, dass an emotionaler Sogkraft nicht zu überbieten ist. Man sitzt nur noch regungslos da, hält den Atem an und ist einfach nur überwältigt.
"Fearless" ist ein sträflich unterschätzter Film, der nun scheinbar nach Jahren mehr und mehr Anerkennung findet. Ein fantastischer Film, der jedem ans Herz zu legen ist.