Aus der Amazon.de-Redaktion
Daniel Johnston ist neben Ween, Jad Fair oder Eugene Chadbourne einer der letzten schrulligen Musiker, ein sympathischer Geisteskranker. Was nicht als Spaß zu verstehen ist, der bekennende Beatles-Fan quält sich fast sein ganzes Leben mit einer chronischen Erkrankung. Der Mann aus Austin, Texas war immer ein Kritikerliebling, geachtet, ja verehrt im Underground, während seine Singer/Songwriter-Qualitäten weiter oben im Popgeschäft nie richtig gewürdigt wurden. Daran haben auch Zusammenarbeiten mit Nirvana, Butthole Surfers, Yo La Tengo oder Sonic Youth wenig geändert. Mit Tapeveröffentlichungen fing Johnstons Karriere an, durch einen MTV-Film avancierte er zu einer Kultfigur, wohl auch, weil sich ein bisschen Irrsinn gut verkaufen lässt und dem Mythos förderlich ist. Johnston hat davon wenig gehabt. Erst seitdem sein Vater ihn managt, ist mehr Ordnung ins Leben gekommen und die einzigartigen Johnston-Zeichnungen (er gestaltet seine Cover selber) verschwinden nicht laufend.
Auch musikalisch ist Fear Yourself ein gewaltiger Schritt nach vorne. Zusammen mit Mark Linkous von Sparklehorse hat Johnston es in David Lowerys (Cracker, Camper Van Beethoven) Studio aufgenommen. Normalerweise verwirrt er einen mit kruden Arrangements, doch diesmal ist vieles anders. Zu Linkous' grandiosen, unheilvollen Piano- und Streicherarrangements sowie sehr atmosphärischen Klangbildern singt Johnston in unnachahmlicher Art und Weise und direkter, fast simpler Sprache Weisheiten über verlorene Liebe oder menschliche Missverständnisse. So viel Ehrlichkeit ist demaskierend und in einer Welt voller Lügen und Blendwerk eine Seltenheit. --Sven Niechziol