Die Solo-Alben von Doro waren ja nicht immer ein Grund zur Freude. Besonders in den Neunzigern retteten nur Quotenhits so manche Scheiben. Im neuen Jahrtausend bewies die blonde Metal Schönheit mit Alben wie "Fight" oder "Warrior Soul" dass sie es durchaus noch kann. Nun also im Jahr ihres 25. Jubiläums (Warlocks "Burning the witches" kam 1984 heraus) kommt mit "Fear no evil" ein neues Album um die Ecke.
Das Cover sieht einladend. Die immer noch 25jährige Doro (*zwinker) lächelt keck, an Ketten geführt Werwolfähnliche Kreaturen. Im Hintergrund lauert grimmig schauend der Warlock. Alles in allem das beste Cover seit "Triumph or Agony". Jetzt aber die CD in den Player gelegt und mal schauen ob das neue Machwerk hält was das Cover verspricht.
HIGHLIGHTS
Der Opener "The Night of the Warlock" ist mein persönlicher Favorit. Eingeleitet von einem Introtext (remember Maidens "Number of the Beast") ein atmosphärisch dichter, geradliniger Midtempo-Stampfer. Der Text ist nicht so ganz helle, aber das war "All we are" ja auch nicht. "On the run" ist eine gut rockende Doublebass-Nummer mit griffigem Refrain. "I lay my head upon my sword" hat einen eingängigen Groove und die wohl abwechslungsreichsten Vocals des Albums. "Walking with the angels" ist eine wunderschöne Ballade, die Doro gemeinsam mit Tarja Turunen zusammen trägt. Ich war zunächst skeptisch, ob die Rockröhe Doros mit dem klassischen anmutenden Gesang der Ex-Nightwish-Sirene harmoniert, aber es funktioniert wunderbar.
MIDDLELIGHTS
Im Mittelfeld liegen "Caught in a battle", eine Doublebassnummer, "Herzblut" (Doros geschätzter 30. Versuch ein "Für immer 2" zu machen) und "Long lost for love" (tut nicht weh, skipt man aber eher weiter). Der Bonustrack "Wildfire" geht gut ab und hätte meinetweg ruhig gegen eines der Lowlights ausgetauscht werden können.
LOWLIGHTS
"25 Years" besteht aus Klangcollagen und Metal mit Industrialanleihen - einfach nur grauenhaft. "It kills me" klingt ähnlich wie "Unholy love", aber mehr als einmal möchte man das Stück nicht hören.
Im Normalfall würde ich 4 Sterne für ein hervorragendes Cover, 4 Klassiker in spe und überwiegend gute Songs vergeben, doch die Produktion macht dem ein Strich durch die Rechnung. Zum einen wirkt das Album heterogen, also so als würden die Stücke nicht von einer Session sondern von mehreren Aufnahmen von verschiedenen Produzenten abgemischt worden sein. Die Drums scheinen bei manchen Stücken aus dem Computer zu stammen, zumindest diverse Teile davon. Bei "On the run", einer eigentlich hervorragenden Nummer sind die Instrumente derart weit im Hintergrund und es wirkt als würde Doro zu einer Karaokemaschine performen. Teilweise mangelt es allen Stücken an Druck, so als würde man die Boxen seiner Anlage mit einer Decke überhängen.
Fazit: Doro Fans sollten die Scheibe kaufen, da die Scheibe durchaus ihre Hits enthält. Schade, dass die Produktion eine bessere Bewertung verhinderte. Das nächste Mal bitte wieder die Produzenten der "Warrior Soul" Scheiblette.