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44 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wird mal ein Klassiker, 31. Juli 2007
Porcupine Tree machen Alben, die eine Weile brauchen bis sie so richtig zünden. Zumindest geht es mir so. Ich habe seit 1994 alle Stilwechsel dieser Band überlebt und gestehe ihr die Freiheit zur Weiterentwicklung zu.
Jedes Album klingt ein wenig anders, manchmal auch total anders.
Und genau DAS ist es was diese Band nach all' den Jahren noch großartig macht. Einige Fans sind zwischenzeitlich abgesprungen, viele neue sind hinzugekommen. Ich bin wie viele andere auch geblieben und wurde bisher auch noch nicht enttäuscht.
Über die Musik und den thematischen Inhalt ist hier schon viel geschrieben worden, daher erspare ich mir weitere Einzelheiten.
Auffallend ist jedoch, daß auf diesem Album wieder mehr Wert auf Atmosphäre gelegt wird und so erinnert mich das Album oft an Signify, das mit Sicherheit schwermütigste Album der Band.
Wer PT kennt, weiß daß dies nicht unbedingt Schlechtes bedeutet. Schöne Melodien, wie My Ashes und Sentimental werden dann in melancholische Arrangements verpackt, die das Herz bluten lassen. Die härtere Gangart, die man schon von In Absentia und Deadwing kennt wird hier selbstverständlich auch zelebriert, jedoch verhaltener als bei den Vorgängern. Vom Riff-Gewitter des Titelsongs bis hin zur Industial-Hymne Sleep Together bieten PT hier hohe, wenn auch für sie vertrackte musikalische Kunst. Für mich ist Fear Of A Blank Planet das bisher rundeste Album der Band. Und das auch, weil sie hier den schwereren Weg gehen und bekannte Stärken wie betonte Eingängigkeit der Songs, dem Konzept zuliebe opfern und komplexer und düsterer musizieren. Ein Wagnis, daß sich aber ausgezahlt hat.
Fans der eingängigeren Seite von PT, die mit Songs wie Lazarus, Tains oder Blackest Eyes ihren bisherigen Höhepunkt gefunden hat, werden wahrscheinlich enttäuscht sein.
Dies macht das Album aber keineswegs schlechter, nur eben anders. Dies sollten Kritiker des Albums aber auch beherzigen. Aussagen wie Mangel an Kreativität oder Einfallslosigkeit sind meines Erachtens hohle Floskeln, die schnell geäußert sind ohne wirklich darüber nachgedacht zu haben. Alben sind die musikalische Vision eines Künstlers, die aus einem kreativen Prozess entstanden ist. Letztlich liegt es an einem selbst, ob man mit einem Album etwas anfangen kann oder nicht und NICHT an dem Künstler. Das ist eine Geschmacksfrage und da sollte man schon mal sachlich bleiben.
Aber: Ich glaube nicht, daß Steven Wilson nach diesem Album, dessen Stilrichtung mit In Absentia begann, dieser noch viel Neues abgewinnen kann. Es wird dann Zeit für einen weiteren Richtungswechsel.
Letztlich wird Wilson aber wohl das Album machen, daß ihm vorschwebt - wie auch hier. Und auch diese Freiheit gestehe ich ihm zu.
Großes, stimmungsvolles Album, daß auch Fans von Tool und NIN zusagen könnte. Wird mit Sicherheit ein Klassiker in der Band-Geschichte.
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37 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Atmosphärischer Abgesang auf die Zivilisation, 25. März 2007
Entfremdung in der Famile. Vernachlässigung Heranwachsender. Mediale Verwahrlosung. Selbstaufgabe. Pure, das Dasein bestimmende Dekadenz. Porcupine Trees neuntes Studioalbum ist eine thematische Auseinandersetzung mit den Abgründen modernen Lebens. Eine bittere Gesellschaftsanalyse voller Hoffnungslosigkeit, Tragik und Düsternis. Der Soundtrack der Unterschicht - in rein thematischem Sinne, versteht sich.
Steven Wilson scheint den Glauben an die Menschheit endgültig verloren zu haben. Die Abrechnung mit den Fehlentwicklungen der Gesellschaft ist in textlicher Hinsicht die mit Abstand ambitionierteste und interessanteste Veröffentlichung der britischen Prog-Koryphäe und seiner Mitstreiter, denen Alex Lifeson von Rush und Robert Fripp von King Crimson unterstützend zur Seite stehen.
Bei "Fear of a blank planet" handelt es sich um ein klassisches Konzeptalbum. Wie gesehen, setzt sich das Werk intensiv mit einer bestimmten Problematik auseinander. In musikalischer Hinsicht sind die Übergänge mal mehr, mal weniger fließend und alles ordnet sich der deprimierenden Grundstimmung unter. Es dominiert eine bedrohungsschwangere Atmosphäre, die nach intensiver Beschäftigung geradezu schreit. Statt der vergleichsweise sanften Melancholie in Moll früherer Alben wird "Fear of a blank planet" durch ein bitterkaltes, fast schon schroffes und beängstigendes Flair beherrscht. Man beginnt phasenweise unweigerlich zu frösteln. Inhalt und Atmosphäre gehen damit eine nahezu perfekte Symbiose ein. Wer bei einem Album gerne in die Tiefe geht, wird die ausgiebigen Kopfhörersessions mit Booklet in der Hand kaum noch erwarten können. Das Coverartwork transportiert die Stimmung übrigens sehr gut.
Anders als noch bei "Deadwing" fügen sich die härteren Passagen diesmal nahtlos ins Klangbild ein. Statt zum reinen Selbszweck existierend, wie das beispielsweise noch bei "Arriving somewhere but not here" der Fall war, wirken sie hier zur jeder Zeit songdienlich und sorgen nicht selten dafür, dass man von der nervenzerrenden Spannung erlöst wird, wie etwa im pulsierenden 18-minütigen Schwergewicht "Anesthetize, wo sie teilweise mit eine Urgewalt röhren, dass einem angst und bange werden kann. Besagtes Lied ist thematisch und musikalisch das Kernstück des Albums und zugleich eine Reminiszenz an die eigene Musik. Eine die Grenze des Erträglichen austestende Spannung, die immer wieder in grandiosen Refrains kulminiert, welche durch Wilsons weltentrückten Gesang der ohnehin eindringlichen Atmosphäre das I-Tüpfelchen aufsetzen. In "Anesthetize" finden alle Markenzeichen der Band ihren Niederschlag, so dass die anderen Songs fast schon wie Beiwerk wirken. Doch wer einmal "Sentimental" gehört hat, will vorläufig keine andere Ballade mehr hören. Ähnlich verhält es sich mit dem übrigen Material. Jedes Lied hat seine Existenzberechtigung. Nichts wirkt deplatziert oder wie ein Lückenfüller. Alle Songs strotzen vor Selbstbewusstsein. So war es schon immer bei Porcupine Tree. Man merkt einfach: diese Band hat trotz inzwischen über 20jährigen Bestehens noch viel zu sagen.
Leider fehlt "Fear of a blank planet" ein einprägsames Grundthema, das man sofort im Gedächtnis behält und ständig mit dem Album assoziiert, worunter der Wiedererkennungswert ein wenig leidet. Dennoch vergeht die Zeit wie im Fluge. Die Repeattaste leiert aus. Man kann sich einfach nicht satthören.
"Fear of a blank planet" ist die logische Fortsetzung der Entwicklungsgeschichte dieser Band, doch zugleich eine Rückbesinnung auf alte Traditionen. Es ist einerseits so psychedelisch und floydig wie einst "Up the downstair" (1993), andererseits frisch, unverbraucht und modern, wie man das von den Tools, Nine Inch Nails, Radioheads und Porcupine Trees dieser Welt eben erwartet.
Mit "Fear of the blank planet" können Porcupine Tree souverän ihre Ausnahmestellung als unangefochtene Speerspitze des New Art-Rock untermauern. Inhaltlich ambitioniert, atmosphärisch und musikalisch auf allerhöchstem Niveau.
"Fear of a blank planet" ist ein starkes, reifes, kontroverses und nachwirkendes Album geworden. An die genreübergreifende Genialität eines "In Absentia" reicht es jedoch nicht herran, was mangels Vergleichbarkeit aber nicht weiter tragisch ist. Spätestens mit diesem Album wird auch der letzte anerkennen müssen, dass Porcupine Tree die derzeit innovativste und einfach beste Band des gesamten Prog-Genres und darüber hinaus sind.
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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nach wie vor lauert hinter jedem Takt eine Überraschung, 26. April 2007
Ich verstehe, was meine Vorredner meinen und stimme dem meisten zu. Eine Band, die seit geraumer Zeit in ihrer eigenen Liga spielt, weckt ein Erwartungsniveau beim Hörer, von dem andere Musiker nur träumen können -- und das lese ich letztlich auch aus den hier geschriebenen Kritiken heraus.
Ja, es ist wahr. PT haben ihren Sound und Stil offenbar zunächst gefunden und dieses Album ist eher ein wunderschönes Schaustück ihrer handwerklichen Professionalität als ein weiteres Kreativunikat früherer Tage. Aber das machen andere Bands auch und wandern Song für Song den schwierigen Grad zwischen gewolltem wiedererkennbarem Soundprofil und geschmähter Kopie alter Erfolge.
Ich stimme vor allem zu, dass man dieses Album komplett durch hören sollte - denn eigentlich ist es ein einziger Song. Wer nicht auf das CD Display schaut, der wird Anfang und Ende eines Stückes kaum identifizieren können. Und erst dann merkt man doch wieder, dass auch auf diesem PT Album noch immer ein akkustisches Erlebnis hinter jedem Takt lauert.
Das Besondere an PT ist für mich immer gewesen, dass ihre Musik neugierig bis zur Suchtgrenze macht. Kein Song hört auf wie er beginnt, Tempo-, Sound-, Lautstärkewechsel und Gesangsarrangement halten das Ohr gefesselt in dem Wunsch, es möge nie aufhören und dann stellt man plötzlich fest, dass man tatsächlich für kurze Zeit die Welt um sich vergessen hat. Auch dieses Album hat mich solchermassen letztlich wieder gebannt und lässt die 50 Minuten Spielzeit vergehen wie im Fluge. Bezeichnend ist die letzte laute Snaredrum am Ende. Man zuckt zusammen und ist zurück auf Erde. Daher doch 5 Punkte, auch wenn ich nach dem ersten Anspielen wie auch meine Vorredner skeptisch war.
Nein, ein musikalisches Wunderwerk wie "In Absentia" ist es nicht, aber verdammt gute Unterhaltung auf höchstem Niveau. Thank You, Mr Wilson !
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