Mit diesem gutgemeinten Rat- und manchem ebenso gutgezielten Peitschenschlag versucht Old Man Clanton, ein ruppiger und struppiger Walter Brennan, seine vier Söhne auf dem krummen Weg zu halten, nachdem sie sich von Wyatt Earp haben überrumpeln lassen.
John Fords brillanter Western "Faustrecht der Prärie" von 1946 ist voller derart archetypischer Szenen und wird zu Recht als eines der Pionierwerke des seinen Kinderschuhen entwachsenen, ernsthaften Westerns angesehen. Der Streifen basiert auf der 1931 veröffentlichten Biographie Wyatt Earps - "Frontier Marshall" von Stuart N. Lake -, die allerdings ein recht unkritisches Bild ihres Titelhelden zeichnet.
Ford erzählt die Geschichte des ehemaligen Marshalls von Dodge City, Wyatt Earp - absolut cool gespielt von Henry Fonda , der eine Rinderherde durch Arizona treibt und in der Stadt Tombstone in das Gehege der Clantons gerät. Old Man Clanton, der mächtigste Rancher vor Ort, hat es sich in den Kopf gesetzt, sich diese Rinder anzueignen, wobei er auch nicht davor zurückschreckt, die Tiere zu rauben und den zur Bewachung abgestellten James Earp niederzuschießen. Um die Hintergründe des Mordes an seinem Bruder aufzudecken, nimmt Wyatt Earp kurzerhand die Stelle des Gesetzeshüters von Tombstone an und lässt seine beiden überlebenden Brüder zu Deputys ernennen. Von nun an bemüht sich Earp unparteiisch und aufrecht darum, Recht und Gesetz in Tombstone Einzug halten zu lassen, wobei er auch mit dem selbstherrlich auftretenden Doc Holliday (Victor Mature) in Konflikt gerät. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht weiter auf die Einzelheiten der Handlung eingehen, da sie vielen Lesern sicher auch aus anderen Verfilmungen des Earp-Stoffes bekannt sind.
Fords Verfilmung der Earp-Legende ist für mich einer der ganz großen Klassiker des Westerns, nicht zuletzt wegen mancher Szenen, die ich - seit ich sie als Kind zum ersten Male sah - nicht mehr vergessen kann. Da ist vor allem Henry Fonda selbst zu nennen, der Earp mit einer Mischung aus amüsanter Steifheit und packender Energie gibt. Unvergesslich und eigentlich des Titelbilds auf dem Cover würdig ist für mich die lässige, fast kindliche Art und Weise, in der Fonda auf der Veranda in seinem Stuhl sitzt und, das Bein an einen Pfosten gelehnt, hin und her kippelt. Und dann sind da diese zaghaften Annäherungsversuche an die Oststaatendame Clementine (Cathy Downs), die Earp zu den komischsten Tanzschritten der Westerngeschichte animieren. Eine andere große Szene ist die, in der Earp auf der Suche nach Holliday in den Saloon tritt, stets im Hintergrund des Bildes bleibend, und wir sehen, wie sich vor ihm, mit dem Rücken zu uns, die Clantons bedrohlich an der Theke nacheinander vor ihm aufbauen. So etwas hat Ikonencharakter!
Ford erzählt seine Geschichte gemächlich und nimmt sich immer wieder Zeit für Schnörkel wie etwa die burleske Abreise des kauzigen Schauspielers Granville Thorndyke, die eigentlich die Handlung nicht recht vorantreiben, aber trotzdem nicht fehl am Platze wirken. Bewegend ist auch die Szene, in der Thorndyke seinen Hamlet-Monolog hält, in der Mitte aber stockt, weil er in dieser rauhen Gegend schon so lange keinen Shakespeare mehr geben konnte. Hier springt dann Holliday für ihn ein.
All das, und auch die dunkle Eingangsszene, in der Helden- und Prärieromantik aufkommen, haben wahrhaften Kultcharakter. Einzig Victor Mature als Doc Holliday will mir nicht so gefallen, denn auf mich wirkt Mature in der Rolle des kultivierten Zynikers, der vor seiner besseren Vergangenheit davonlaufen will, zu vital und sinnlich. Wer einen stimmigen Doc Holliday erleben will, der sei auf Kirk Douglas in Sturges' "Zwei rechnen ab" verwiesen.
In "Faustrecht der Prärie" geht es um die Ausbreitung der Zivilisation und die Eindämmung von Willkür, Gewalt und Rohheit - nicht umsonst ist Earp ein regelmäßiger Besucher des Barbiers. In diesem Zusammenhang wirkt es ein wenig befremdlich, dass die dunkle und verruchte Schönheit Chihuahua (Linda Darnell - einfach wunderschön!), die entweder mexikanischer oder indianischer Abstammung ist, von Earp verächtlich in eine Pferdetränke geworfen und von Holliday beschimpft wird und am Ende sterben muss, damit die Bühne allein der etwas prüde wirkenden Clementine gehört. Aber ich will an dieser Stelle nicht zum Dominikaner werden ... Für mich bleibt Linda Darnell die reizendere der beiden Ladys! Und vielleicht stirbt Chihuahua auch nur deshalb nach der von Holliday vorgenommen Operation, weil dieser in Wirklichkeit gar kein Chirurg, sondern ein Zahnarzt war.
Nicht alle der gezeigten Szenen - so etwa Earps Besuch am Grab seines Bruders - wurden übrigens von Ford selbst gedreht, denn zwischen dem Financier Darryl F. Zanuck und Ford gab es einige Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Tempos und der Erzählweise des Films. Aufgrund der Gemächlichkeit des Films, die der Spannung allerdings keinen Abbruch tut, und der Verwebung der unterschiedlichen Lebensgeschichten gerät der berühmte Showdown am O.K. Corral fast ein wenig kurz, ist aber dennoch sehr dramatisch gestaltet.
Zusammenfassend kann ich diesen Film nur wärmstens empfehlen, und fast tut es mir ein wenig leid, dass ich dem Sturges-Pendant vor einiger Zeit nur vier, statt fünf Sterne gegeben habe. Einen vergleichbaren Fehler will ich heute nicht nochmals machen und so verbleibe ich denn mit der vollen Sternzahl und einem letzten geschliffenen Kurzdialog aus dem Film:
Earp: "Mac, you ever been in love?"
Mac: "No, I've been a bartender all my life."