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Fassbinder hat sich im Lauf dieser so kurzen wie turbulenten 13 Jahre, in denen er das deutsche Kino so unendlich bereichert hat, gleich mehrmals neu erfunden. Immer wieder ist er dabei zu früheren Themen und Motiven, Filmen und Formen zurückgekehrt, nicht um auf Sicherheit zu gehen, sondern um eine andere Richtung einzuschlagen. Auf den ersten noch eher oberflächlichen Blick kann einem Faustrecht der Freiheit leicht nur als reine Variation auf seine von Sirk geprägten Melodramen erscheinen. Die Nähe zu Händler der vier Jahreszeiten und vor allem zu Die bitteren Tränen der Petra von Kant ist auf jeden Fall unverkennbar.
Der arbeitslose Franz Biberkopf (Rainer Werner Fassbinder), der einst auf Jahrmärkten als "Fox, der tönende Kopf" aufgetreten ist, wird wie Hans Epp in Händler der vier Jahreszeiten letztlich von allen benutzt. Nur ist es nicht die eigene Familie, sondern sein Geliebter Eugen (Peter Chatel), der blasierte Sohn eines Fabrikanten, der ihn zerstört. Franz ist durch einen Lottogewinn reich geworden. Doch auch das Geld macht ihn für Eugen nicht zu einem ebenbürtigen Partner. Franz darf alles bezahlen und muss sich zugleich seinem Geliebten unterwerfen, indem er ihn als seinen Lehrer akzeptiert. Wie die Beziehung zwischen Petra von Kant und Karin Thimm wird auch die von Franz und Eugen ganz von den zwischen ihnen bestehenden Klassenunterschieden bestimmt. Nur betrachtet Fassbinder die sich aus dieser Ungleichheit ergebenden Abhängigkeitsmechanismen hier aus der Perspektive dessen, der sich dem anderen ergibt und dabei (fast) seine Identität verliert.
Die zunächst so augenscheinliche Nähe zu den früheren Melodramen ist es schließlich aber auch, die Fassbinders Weiterentwicklung markiert. Vor allem die erste Hälfte von Faustrecht der Freiheit hat einen komödiantischen Grundton, der in seinem Werk bis zu diesem Zeitpunkt weit gehend fehlte. Man spürt hier eine Leichtigkeit, eine Nonchalance im Umgang mit dem Medium Film und seinen Mitteln, die Fassbinder sich erst langsam erarbeiten musste. Die extreme formale und erzählerische Strenge von Fontane Effi Briest kam einem Befreiungsschlag gleich. Es ist fast so, als ob Fassbinder sie brauchte, um danach seiner spielerischen Seite immer mehr freien Lauf lassen zu können.
Faustrecht der Freiheit kennzeichnet eine beeindruckende und bis heute von kaum einem anderen Filmemacher wieder erreichte Selbstverständlichkeit im Umgang mit Homosexualität. Die neu gewonnene Leichtigkeit hat es Fassbinder ermöglicht, die Beziehung zwischen Franz und Eugen ganz von Fragen nach Homo- oder Heterosexualität zu lösen. Es ist einfach eine Beziehung zweier Menschen, die für einen Moment versuchen, alles, was zwischen ihnen steht, zu überwinden, und die am Ende doch scheitern müssen. --Sascha Westphal
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