Zuert einmal; nein hier handelt es sich nicht um eine weitere Bearbeitung des klassischen Faust Stoffs.
Turgenjew erzählt die Liebesgeschichte des Paul Alexandritsch B... der nach Jahren in sein altes Heimatdorf zurückkehrt und dort seine einstige Jugendliebe Wera als verheiratete Frau wiederfindet.
Über die gemeinsame Lektüre mehrerer Literaturklassiker (darunter vorallem Goethes "Faust") entwickelt sich eine emotionale Verbundenheit zwischen den beiden.
Turgenjews "Faust" hat inhaltlich wenig mit Goetehs Original zu tun auch die Beziehung zwischen Paul und Wera ist nicht ansatzweise mit der von Faust und Gretchne zu vergleichen.
Turgenjews Novelle ist vielmehr eine typische russische Liebesgeschichte mit tragischem Ende im Stile von Puschkin, Tschechow, etc...
Sehr interessant geschrieben und unterhaltsam bringt uns Turgenjew über das stilistische Mittel des Briefromans die inneren Gefühle und Einsichten dews Protagonisten näher, hier könnte man eventuell Goethes "Werther" als Vorbild sehen.
Letztenendes fragt man sich dann aber doch, weshalb dieses Buch diesen Titel trägt, den außer der Lektüre des "Fausts" und gelegentlichem zitieren aus diesem, hat das Buch wenig mit der Handlung zu tun, es hätte auch irgendein anderes Buch (lieber von Schiller um in den Worten des Protagonisten zu bleivben) als Aufhänger dienen können.
Allerdings ist es schön zu lesen welche Wertschätzung der große Goethe nur wenige Jahre nach seinemTod auch in Russland hatte und mit welcher Verehrung Turgenjew den "Faust" behandelt.
Turgenjews Liebesgeschichte kann allerdings mehr als sich nur auf Faust berufen, sie hätte es nicht nötig mit diesem berühmten Literarischen Helden als Titel das Auge der Leser zu erhaschen, nein seine Novelle kann auch allein bestehen.