Und wenn's euch ernst ist, was zu sagen, ist's nötig Worten nachzujagen ? Zunächst das Gute: Die Darstellung des Verschmelzungsprozesses wird auf sehr germanistisch exakte Weise amgegangen. Alles wird durch eine wahre Flut von Zitaten und Quellenangaben am Text belegt, wie man es von einem wissenschaftlichen Text erwartet. Mancher Germanistikprofessor würde wohl seine wahre Freude haben. Aber bei all dem fehlt ein wahrhaft tiefes Verständnis für die beiden Archetypen. Faust und Don Juan sind Archetypen, Urbilder, die eine nach außen projezierte Verkörperung innerseelischer Prozesse und Kräfte. Was ist das Wesen dieer Archetypen und warum verschmelzen sie? Fausts Reise beginnt, als er feststellt, das alle Rationalität ihm nicht die Frage nach dem Sinn beantworten kann. Das können nur die Gefühle, denn ihre Aufgabe ist es, Sinn und Wert zu bringen.(vgl. dazu ggf C.G. Jungs Erläuterungen der 4 Funktionen.) Hier aber wird genau das getan,was Faust Wagner vorgeworfen hatte: Hinter Worten herzurennen in der Hoffnung, damit den Sinn zu erfassen. Mit Fußnoten und historisch exakt recherchierten Kommentaren wird viel gesagt. aber wenig ausgesagt. Auch warum denn Casanova die Verschmelzung der beiden sein soll, bleibt letzten Endes ungeklärt. Mir scheint, das hier hauptsächlich deshalb auf das Thema eingegangen wurde, um einige Autoren der Jungdeutschen, die wohl das Spezialgebiet der Autorin darstellen, in den Vordergrund zu schieben. FAZIT: Gerade wegen der scheinbar so gründlichen Durchführung geht das Buch am Wesentlichen vorbei. Es ist den hohen Preis nur wert, wenn man die Chornologie der historischen Entwicklung möchte, wirkliche Verständinsarbeit wurde nur in Ansätzen geleistet.