"Faulen Zauber" oder "Voodoo Science", wie Robert L. Park das im Original nennt, ist das, was Pseudowissenschaftler aller Sorten betreiben.
In seinem legendären Newsletter "What's New" kommentiert er wöchentlich und bissig Wissenschaft und Gesellschaft, und besonders die Scharlatane, Quacksalber und Wichtigtuer aller Sorten fallen seiner spitzen Feder zum Opfer. Lange Zeit für die Amerikanische Physiker-Vereinigung in Washington tätig, hat er viel Erfahrung mit Regierungsbehörden, Medien, Gerichten und anderen Institutionen, denen mit schöner Regelmäßigkeit faule Eier untergejubelt werden.
Und genau darum geht es in Parks Buch: Um "Voodoo Science", Pseudowissenschaft, die bei kleinen "Verschönerungen" anfängt und bei milliardenschwerem Gobbledigook aufhört. Nicht nur schwarze Schafe aus den Naturwissenschaften bekommen ihr Fett weg - es sind, alles in allem, innerhalb der Fachwelt relativ wenige -, sondern auch "geheime" und damit nicht überprüfte Militär-Traumschlösser wie SDI, nutzlose Prestigeobjekte wie die bemannte Raumfahrt (für die es nichtwissenschaftliche Gründe geben mag), die milliardenschwere Paramedizin und andere moderne Formen der Alchemie, die Stumpfsinn in metaphorisches und in klingendes Gold umwandeln.
Der Physiker Robert L. Park nimmt den Leser auf eine sarkastische 250-Seiten-Tour durch Gefilde, die nur scheinbar der Wissenschaft nahe sind. Man erfährt dabei nicht nur einiges über den Wissenschaftsbetrieb, den amerikanischen vor allem, sondern auch über Politik, über Geschäftemacherei, die Wahrheit über Hochspannungsleitungen, religiös motivierte Weltverklärer, die Hintergründe zur "Kalten Kernfusion", Wissenswertes zur "freien Energie" und vieles dergleichen mehr. Hier schreibt jemand, der etwas von seinem Fach versteht, seine gesellschaftliche Verantwortung ernst nimmt und seine Sachen ebenso pointiert wie erhellend rüberbringt.
Vom Übersetzer Dirk Oetzmann und von der Lektorin Aenne Glienke kann man das nicht behaupten. So tauchen in der deutschen Ausgabe "Fauler Zauber" Begriffe wie "Sodiumchlorid" auf (gemeint ist Natriumchlorid, also Kochsalz), "nuclear physics" wird mit "Atom-" statt "Kernphysik" übersetzt (was in etwa der Unterschied zwischen einem Hausanstrich und einem Abriß ist), anglizierende Wortneuschöpfungen wie "rektifiziert" tauchen auf, und sinnverstellende Fehler wie "dass" statt "das" hemmen das Verständnis. Hier wurde schlicht gepfuscht.
Park bleibt durchgehend verständlich, mehrere der Themen, mit denen er sich befaßt, sind aber eher etwas für Insider - Physiker und andere wissenschaftlich vorgebildete, und besonders solche, die mit der amerikanischen Pseudowissenschaftsszene vertrauter sind ("Kreationisten statt Dänikenianer"). Für die bekommt das Original eine uneingeschränkte Empfehlung, mithin: Fünf Sterne.
Für den deutschen Leser ohne große Vorbildung sind Carl Sagans "Der Drache in meiner Garage" und die Essays aus "Mein paranormales Fahrrad" zugänglicher, allgemeiner, leichter zu verstehen und anschaulicher. Sie haben auch eine bessere Übersetzung bekommen. Daran gemessen, bekäme Parks Original vier Sterne, und die Übersetzung bekommt die oben stehenden drei.