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am 25. August 2012
Petros Markaris Kriminalroman "Faule Kredite" erschien 2010 und ist der sechste Fall des sympathischen Protagonisten Kostas Charitos.
Was den Roman -abgesehen von der grundsoliden Krimihandlung- so empfehlenswert macht, ist die politische Brisanz, die ihm zugrunde liegt: Die Handlung ist nämlich im Griechenland der Schuldenkrise angesiedelt und spielt im Bankenmilieu. Markaris, der sicherlich mehr als nur Kriminalschriftsteller ist und weltweit großes Ansehen genießt, stellt in diesem Buch die Hintergründe der Griechenlandkrise dar und die Haltung sder griechischen Bürger zu ihr, aber auch gegenüber Europa! Dabei scheut er sich nicht mittels seiner Protagonisten kritische Worte zu finden, und die Ursachen der Griechenlandkrise zuvorderst den Griechen selbst anzulasten.
Man erfährt einiges über Staat, Politik und griechischen Selbstverständnis. Allein deswegen ist die Lektüre eine Lesetipp!

Was den Inhalt anbelangt ermittelt Kriminalkommissar Charitos in einer Mordserie an Branchengrößen aus der Bankenszene. Diese werden allesamt durch Enthauptung hingerichtet. Als in Athen dann auch noch Plakate verteilt werden, welche das Bankwesen verunglimpfen und zur Boykottierung bezüglich der Rückzahlung von Krediten aufrufen, scheint Charitos mit einem zweiten Fall belastet zu werden. Doch bald verknüpfen sich beide Angelegenheiten, und Charitos kommt auf die richtige Fährte...

Die Krimihandlung ist solide, logisch, und durchaus spannend. Aber nicht spektakulär oder herausragend. Was dem Roman seinen besonderen Charme verleiht ist ganz klar der politische Hintergrund.

Eindeutige Leseempfehlung!
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2010, Sommer in Athen. Die Finanzkrise legt Griechenland lahm. Urlaub auf den Inseln, am Strand ist für viele Städter nicht drin. Die Straßen sind verstopft, die Menschen demonstrieren wegen der Wirtschaftslage und wegen schmerzhafter Einschnitte in die Sozialsysteme oder sitzen resigniert vor dem Fernseher, der die Welt ins Haus bringt und gleichzeitig von ihr ablenkt. Eine Serie geköpfter Männer, alle aus dem Dunstkreis der Finanzwelt, hält die Polizei der Hauptstadt mit Kostas Charitos an der Spitze der Ermittler in Atem. Terrorismus, ein Rachefeldzug gegen das Kapital, allen voran gegen die Banken, eine persönliche Abrechnung? - die Wellen schaukeln hoch. Ausländer sind unter den Opfern, der Außenminister drängt auf rasche Aufklärung. Wie passen ehemalige Spitzensportler, deren Karrieren wegen Dopings ein jähes Ende fanden, Bettler, Plakatkleber und fremdländisches Dienstpersonal ins Bild? Charitos muss nachdenken und absolviert nebenbei einen Crashkurs in der Welt des globalen Finanzwesens: Mit Hedgefonds und Derivaten musste er sich bisher noch nie auseinandersetzen. Seine Kollegen plagen Zukunftsängste: Wie sollen sie bei gekürzten Bezügen ihre Kinder durch kostspielige, langjährige Ausbildungen bringen, wie ihre Baudarlehen und Konsumentenkredite abbezahlen? Sollen sie nun bis an ihr Lebensende arbeiten? Charitos einziges Kind hat sein Studium bereits abgeschlossen, auch promoviert, und gerade einen zielstrebigen Kardiologen geheiratet. Die Aussicht auf einen respektablen Job lässt jedoch auf sich warten. Wo gutbezahlte Arbeitsplätze rar sind, sind bestens vernetzte Seilschaften wichtiger als Spitzenabschlüsse. Adriani, Charitos Frau, wird durch den Selbstmord eines Nachbarn, der finanziell am Ende ist und den finalen Sturz aus dem Fenster wählt, nur kurz aus der Bahn geworfen. Mit beißendem Humor kommentiert sie die Welt um sich herum und ist weder durch Titel noch durch Kapriolen der Hochfinanz leicht zu beeindrucken. Charitos, der mehr schlechte als gute Tage in diesen Zeiten für sich verbuchen kann, teilt die lebenstüchtige Bodenständigkeit seiner Frau, lässt sich weder blenden noch ablenken und ist schon bald auf der richtigen Spur...

Griechenland, "Die Wiege Europas", war für uns Deutsche lange Zeit vor allem ein klischeebehaftetes Sommerurlaubsziel, dessen Vorzüge sich nun in den Augen nicht weniger Deutschen und anderer Europäer fast ausschließlich zu einem kostspieligen Ärgernis verwandelt haben. Markaris lässt das augenzwinkernd in den neuesten Fall für seinen Serienhelden Kostas Charitos einfließen und wer will, bekommt etliche Ansätze geboten, sich mit der globalen Finanzwelt abseits des weitverbreiteten Populismus und mit dem Alltag vieler Griechen, Menschen wie du und ich, zu beschäftigen. Interessant und horizonterweiternd ist der Blick des mit deutschen Befindlichkeiten und mit der deutschen Sprache und Kultur vertrauten griechischen Autors kosmopolitischen Zuschnitts allemal. Aus diesem Grund sei dieses Buch auch Lesern empfohlen, die mit Serienermittlern und /oder Kriminalromanen aus der Sicht polizeilicher Ermittlungsarbeit sonst wenig im Sinn haben. Passionierte Leser sind eher auf der Hut und laufen den Rattenfängern nicht so ohne weiteres hinterher; sie neigen dazu, sich ein eigenes Bild zu machen und nicht nur aus einer Quelle zu schöpfen. Vielleicht geht es Ihnen wie mir und es macht Sie auch zornig, wenn Ihre Tagszeitung Ihnen folgende Schlagzeile - ohne Anführungszeichen - "Portugal auf Ramschniveau" entgegenbrüllt. Ein Land mit all' seinen Menschen ausschließlich aufs Geld reduziert? Das ist mir zu billig. Petros Markaris sieht das wohl auch so.

Helga Kurz
16.Juli 2011
11 Kommentar53 von 58 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Februar 2013
Durch die internationalen Finanzspekulationen steht Griechenland - wie wir alle leidvoll erfahren haben - am Abgrund des Staatsbankrotts. Auf den wird auch gewettet. Ein unbekannter, auf Enthauptungen spezialisierter, Schwertkämpfer beginnt einen Rachefeldzug gegen die an der Pleite nicht ganz unbeteiligten Bankdirektoren, Börsenspekulanten und Schuldeneintreiber. Ein aktueller Roman am Beispiel europäischer Finanz- und Wirtschaftskrise, bei dem es dem Autor weniger um die Plausibilität der von Kommissar Charitos letztlich geklärten bizarren Mordtaten geht als um das Bild der Gesellschaft des wirtschaftlich arg gebeutelten Griechenlandes. Tadellos übersetzt, schnoddrig und flüssig.
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am 20. Juni 2012
ich habe dieses Buch geschenkt bekommen und vor zwei Tagen zu lesen begonnen. doch bereits nach dem 2. Kapitel war mir klar, dass hier nicht nur etwas mit den Krediten faul ist, sondern offenbar auch mit der Übersetzung - und so habe ich mir kurzerhand das Original besorgt (wozu lebt man in Athen?).

und was soll ich sagen? ich lese ein anderes Buch. sicher: die Handlung ist die gleiche, aber stilistisch hat das Eine mit dem Anderen absolut nichts zu tun.

ich bin zwar erst im 3. Kapitel, aber dennoch kann ich schon Beispiele liefern (Amazon akzeptiert keine grch. Buchstaben, daher Umschrift ins lateinische Alphabet):

so heißt es hier (S. 25):
«H epomenh mera tou gamou (wrtl.: der auf die Hochzeit folgende Tag) arxizei me delivery (beginnt mit delivery)»... wohl eine ironische Anspielung darauf, dass sich die Griechen gerne Essen u. dgl. nach Hause kommen lassen.
in der Übersetzung heißt es dagegen (S. 21):
«Am Tag nach der Hochzeit betätige ich mich als Süßwarenlieferant.»
sicher, das ist EINE Übersetzung, aber auch nicht mehr. abgesehen davon, dass ich "Süßwarenlieferant" in mehrerer Hinsicht als unglückliche Wahl erachte: weder ist es als Wort sehr gebräuchlich, noch ruft es Assoziationen hervor, die mit dem "delivery" im Original etwas zu tun hätten ("delivery" ist ein Junge auf dem Mofa, der die Pizza bringt - ein "Süßwarenlieferant" hat einen Kastenwagen und liefert en gros).

oder (S. 26):
«[...] otan se ligo (wenn in Kürze) 8a mou kourepsoun (sie mir [haar]schneiden) ton mis8o (das Gehalt) [...]». unübersehbar eine Anspielung auf den sogenannten "haircut" - den Schuldenerlass.
die "Übersetzung" dafür ist (S. 22):
«Und das mit schrumpfendem Gehalt.»
WOW! großartig! gelungen! so raffiniert! finden Sie nicht auch?

oder (ebenfalls S. 26):
«To aima nero de ginetai (wrtl.: Blut wird nicht zu Wasser) mou psi8yrizei o Sgouros (flüstert mir Sgouros zu)...»
"übersetzt" (S. 22):
«Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, flüstert mir Sgouros [...] zu»
warum hier nicht die deutsche Redewendung "Blut ist dicker als Wasser" (die meiner Meinung nach auch vom Kontext weit besser passen würde) verwendet wurde, ist mir schleierhaft.

weiteres Beispiel (S. 27):
«8a tous xalage (würde es sie verderben [die Rede ist von den Deutschen]), an apaitousan ki autoi (wenn auch sie fordern würden) enan dekato trito mis8o (ein 13. Gehalt), anti na kopsoun (anstatt zu beschneiden) ton diko mas dekato tetarto (unser 14.);»
die - fehlerhafte - Übersetzung dazu (S.23):
«Wäre es so schlimm, wenn auch sie ein vierzehntes Monatsgehalt einführen würden? Statt uns das dreizehnte zu beschneiden?»
abgesehen davon, dass hier «13.» und «14.» vertauscht sind, geht durch diesen Fehler wiederum die Ironie (Griechen haben 14 Gehälter, wo noch nicht mal alle Deutschen 13 haben) komplett verloren.

soweit meine Kritik: nach NUR DREI SEITEN kontrastiver Lektüre habe ich bereits DREI Gründe gefunden, warum ich diese "Übersetzung" für mangelhaft halte und besser weglege. ich bedauere die Zeitgenossen, die das nicht können, denn ganz generell habe ich das Gefühl, dass die deutsche Version ohne Rücksicht auf Verluste und dabei auch stark verkürzend einfach "herunterübersetzt" wurde... es fehlt ihr einfach der "Pepp", den sie im Original hat: hätte man den Text in Google Translate eingegeben, hätte auch nicht viel mehr schiefgehen können.

Ich hoffe, die "Übersetzerin" Michaela Prinzinger geht in Rente noch bevor Petros Markaris zu schreiben aufhört, damit das deutschsprachige Leserpublikum von diesem Mangel an Sprachgefühl und Leidenschaft für die künstlerisch anspruchsvolle Übersetzertätigkeit nicht weiter behelligt wird.

Zur Story an sich kann ich noch nichts sagen, melde mich aber bei Gelegenheit wieder.

Bild:[ ... ]
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44 Kommentare26 von 31 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. August 2012
In seinen bisherigen Kriminalromanen um den Athener Kommissar Kostas Charitos hat sich dessen Schöpfer, Petros Markaris, einer der bedeutendsten Autoren des gegenwärtigen Griechenlands, schon des Öfteren mit aktuellen und auch historischen politischen Fragen befasst. Diese Bücher haben Petros Markaris nicht nur einen Kultstatus unter einer gewissen Schicht der Krimileser verschafft, sondern auch das Bild Griechenlands bei ihnen geprägt. Ähnlich wie manche italienischen Autoren wie Camilleri ("Petros Markaris gefällt mit außerordentlich") und auch zuletzt immer stärker Gianrico Carofiglio, kritisiert Markaris mit viel Witz und hintergründigem Humor die Verhältnisse. Seine Analyse ist zuweilen scharf und beißend, und dennoch scheint er die griechischen Verhältnisse auch zu lieben und wirbt zwischendurch immer wieder um Verständnis beim Leser.

Schon lange vor dem Erscheinen seines neuen Romans haben zusammen mit dem Rezensenten auch viele andere Liebhaber seiner Bücher mit Spannung darauf gewartet, wie er nach seinen zahlreichen Interviews in deutschen Medien über die sozialen Spannungen in Griechenland nach dem "Ausbruch" der Finanzkrise dieses Thema in einem Kriminalroman bearbeiten würde. Denn dass er einbauen würde, war klar.

Und, um es vorweg zu sagen: es ist ihm hervorragend gelungen. Zu Beginn des wie immer spannenden neuen Buches heiratet Kostas' Tochter Katerina, promovierte Juristin ohne Job ihren Arzt Fanis, mit dem sie schon einige Jahre zusammen lebt. Und noch eine Neuerung hat es gegeben seit dem letzten Fall: Kostas Charitos hat seinen alten Fiat Mirafori verschrotten lassen und sich einen neuen Wagen gekauft, natürlich auf Kredit.

Trotz der nicht geringen Kosten für Auto und Hochzeit kommen Kostas und seine Frau Adriani mit seinem Gehalt ganz gut hin, und obwohl sie selbst nicht wissen, wie lange sie ihre Raten noch zahlen können, kommentiert er immer wieder bissig und sarkastisch die sich durch das ganze Buch hinziehenden Kommentare seiner Kollegen, die sich darüber aufregen, dass sie im Zuge der in ihren Augen von Deutschland und anderen Ländern der EU durchgedrückten Sparmaßnahmen nun keine 14-15 Monatsgehälter mehr bekommen und nicht schon weit vor ihrem 60. Lebensjahr in Rente gehen können.

Man kann den ganzen Roman lesen als ein aktuelles Soziogramm der griechischen Gesellschaft und ihrem Umgang mit dem Ende ihres jahrzehntelangen Lebens auf Pump.

Kaum sind die Hochzeitsfeierlichkeiten abgeschlossen, werden innerhalb von wenigen Tagen zwei Banker auf grausame Art umgebracht. Der Mörder hat sie aus nächster Nähe mit einem Schwert geköpft und auf ihre Kleidung einen Zettel geheftet, auf dem ein großes D prangt. Insbesondere die Medien, aber auch Teile des Polizeiapparats schließen einen Terroranschlag nicht aus. Man vermutet natürlich Zusammenhänge mit der aktuellen Krise und dem sich in der Bevölkerung immer weiter zuspitzenden Hass auf die Banken, denen man die Schuld an der ganzen Misere gibt, so als hätten die Bürger nicht jeden einzelnen ihrer "faulen Kredite" selbst und bei vollem Bewusstsein unterzeichnet.

Dann ist über Nacht die Stadt mit Plakaten voll geklebt, auf denen die Bürger aufgefordert werden, keine einzige Rate mehr zu bedienen. Und dann geschehen noch weitere Morde, wieder Enthauptungen. Die Stimmung im Polizeiapparat ist hypernervös, andauernd muss Kostas zusammen mit seinem Chef zum Minister, den sie auch irgendwann davon überzeugen können, dass alle Indizien gegen ein terroristisches Motiv sprechen und der Täter woanders zu suchen ist.

Die Zusammenhänge, die Petros Markaris in diesem Buch herstellt und die letzten Endes zur Aufklärung der Mordfälle führen, sind genial konstruiert und lange für den Leser überhaupt nicht offensichtlich, was das Buch zu einem echten pageturner macht. Ein Buch, ein Roman, dem es mit einer fiktiven Handlung wieder einmal gelingt, die aktuellen griechischen Gesellschaftskonflikte transparent zu machen und sich hervorragend in die Mentalität der Griechen einfühlt. Bei allem Spott, den Markaris zeitweilig übrig hat, bei aller Ironie, die er sprachlich brillant einstreut, ist er aber nie larmoyant oder gar besserwisserisch. Er beschreibt die harte Realität der Griechen mit scharfer und spitzer Feder, aber nie ohne eine stille Solidarität mit ihnen und ihrer Lebensweise.

Ein brillanter Roman aus einer der besten Krimireihen auf dem Markt, von der man gerne noch weitere Bände lesen wird.
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am 2. August 2011
In seinen bisherigen Kriminalromanen um den Athener Kommissar Kostas Charitos hat sich dessen Schöpfer, Petros Markaris, einer der bedeutendsten Autoren des gegenwärtigen Griechenlands, schon des Öfteren mit aktuellen und auch historischen politischen Fragen befasst. Diese Bücher haben Petros Markaris nicht nur einen Kultstatus unter einer gewissen Schicht der Krimileser verschafft, sondern auch das Bild Griechenlands bei ihnen geprägt. Ähnlich wie manche italienischen Autoren wie Camilleri ("Petros Markaris gefällt mit außerordentlich") und auch zuletzt immer stärker Gianrico Carofiglio, kritisiert Markaris mit viel Witz und hintergründigem Humor die Verhältnisse. Seine Analyse ist zuweilen scharf und beißend, und dennoch scheint er die griechischen Verhältnisse auch zu lieben und wirbt zwischendurch immer wieder um Verständnis beim Leser.

Schon lange vor dem Erscheinen seines neuen Romans haben zusammen mit dem Rezensenten auch viele andere Liebhaber seiner Bücher mit Spannung darauf gewartet, wie er nach seinen zahlreichen Interviews in deutschen Medien über die sozialen Spannungen in Griechenland nach dem "Ausbruch" der Finanzkrise dieses Thema in einem Kriminalroman bearbeiten würde. Denn dass er einbauen würde, war klar.

Und, um es vorweg zu sagen: es ist ihm hervorragend gelungen. Zu Beginn des wie immer spannenden neuen Buches heiratet Kostas' Tochter Katerina, promovierte Juristin ohne Job ihren Arzt Fanis, mit dem sie schon einige Jahre zusammen lebt. Und noch eine Neuerung hat es gegeben seit dem letzten Fall: Kostas Charitos hat seinen alten Fiat Mirafori verschrotten lassen und sich einen neuen Wagen gekauft, natürlich auf Kredit.

Trotz der nicht geringen Kosten für Auto und Hochzeit kommen Kostas und seine Frau Adriani mit seinem Gehalt ganz gut hin, und obwohl sie selbst nicht wissen, wie lange sie ihre Raten noch zahlen können, kommentiert er immer wieder bissig und sarkastisch die sich durch das ganze Buch hinziehenden Kommentare seiner Kollegen, die sich darüber aufregen, dass sie im Zuge der in ihren Augen von Deutschland und anderen Ländern der EU durchgedrückten Sparmaßnahmen nun keine 14-15 Monatsgehälter mehr bekommen und nicht schon weit vor ihrem 60. Lebensjahr in Rente gehen können.

Man kann den ganzen Roman lesen als ein aktuelles Soziogramm der griechischen Gesellschaft und ihrem Umgang mit dem Ende ihres jahrzehntelangen Lebens auf Pump.

Kaum sind die Hochzeitsfeierlichkeiten abgeschlossen, werden innerhalb von wenigen Tagen zwei Banker auf grausame Art umgebracht. Der Mörder hat sie aus nächster Nähe mit einem Schwert geköpft und auf ihre Kleidung einen Zettel geheftet, auf dem ein großes D prangt. Insbesondere die Medien, aber auch Teile des Polizeiapparats schließen einen Terroranschlag nicht aus. Man vermutet natürlich Zusammenhänge mit der aktuellen Krise und dem sich in der Bevölkerung immer weiter zuspitzenden Hass auf die Banken, denen man die Schuld an der ganzen Misere gibt, so als hätten die Bürger nicht jeden einzelnen ihrer "faulen Kredite" selbst und bei vollem Bewusstsein unterzeichnet.

Dann ist über Nacht die Stadt mit Plakaten voll geklebt, auf denen die Bürger aufgefordert werden, keine einzige Rate mehr zu bedienen. Und dann geschehen noch weitere Morde, wieder Enthauptungen. Die Stimmung im Polizeiapparat ist hypernervös, andauernd muss Kostas zusammen mit seinem Chef zum Minister, den sie auch irgendwann davon überzeugen können, dass alle Indizien gegen ein terroristisches Motiv sprechen und der Täter woanders zu suchen ist.

Die Zusammenhänge, die Petros Markaris in diesem Buch herstellt und die letzten Endes zur Aufklärung der Mordfälle führen, sind genial konstruiert und lange für den Leser überhaupt nicht offensichtlich, was das Buch zu einem echten pageturner macht. Ein Buch, ein Roman, dem es mit einer fiktiven Handlung wieder einmal gelingt, die aktuellen griechischen Gesellschaftskonflikte transparent zu machen und sich hervorragend in die Mentalität der Griechen einfühlt. Bei allem Spott, den Markaris zeitweilig übrig hat, bei aller Ironie, die er sprachlich brillant einstreut, ist er aber nie larmoyant oder gar besserwisserisch. Er beschreibt die harte Realität der Griechen mit scharfer und spitzer Feder, aber nie ohne eine stille Solidarität mit ihnen und ihrer Lebensweise.

Ein brillanter Roman aus einer der besten Krimireihen auf dem Markt, von der man gerne noch weitere Bände lesen wird.
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am 14. Januar 2013
Mein erster Roman von Markaris. Die vorkommenden Charaktere sowie der Schauplatz Athen sind extrem lebendig. Neben dem unterhaltsamen Kriminalfall bekommt der Leser ein Bild Griechenlands in der Schuldenkrise auf all seinen Ebenen, von veränderten alltäglichen Haushaltseinkäufen bis zu diplomatischen Geplänkel unter hohen Beamten. Sehr amüsant! Markaris Vergleiche zwischen FInanzkonstrukten und Doping ist genial, lehrreich und verständlich auch seine Erklärungen dazu.
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TOP 500 REZENSENTam 23. Oktober 2011
Petros Markaris legt hier wohl seinen 9. Krimi vor, der zwar aus meiner Sicht lange nicht so viele Rezensionen wie andere Krimiautoren erhält, aber eine etablierte Fan-Gemeinde zu bedienen scheint und darin erfolgreich ist. Vor dem Hintergrund der Verschuldung Griechenlands, werden 4 Männer aus der Finanzbranche regelrecht abgeschlachtet, in dem sie enthauptet werden. Kostas Charitos, Chef der Athener Mordkommission, tappt für lange Zeit im Dunkeln, für den Leser sind es gut 300 Seiten (!), bis Markaris endlich langsam konkret wird. Eine subtile Art des Krimis, die wohl eher für anspruchsvollere Krimileser konzipiert und angelegt ist, und sich "Trilogie der Krise" nennt, "Faule Kredite" stellt dazu den Startschuss dar. Wirklich begeistern und überzeugen, konnte mich dieser Autor, trotz aktueller politischer und finanzieller Krisen-Situation Griechenlands bei weitem nicht.

Einen Roman zu lesen, angesichts einer aktuellen Verschuldungsmisere, hat schon eine besondere Note, hat sich seit Erscheinen des Romans eher noch zugespitzt, und stellt somit wohl für Leser als auch Autor eine besondere Lese / Schreiberfahrung dar, da keinerlei Distanz zu diesem Thema gegenwärtig besteht, im Gegenteil. Auch wenn dieses Buch von einem griechischen Autor geschrieben wurde, geht es bei weitem noch lange nicht auf die tieferen Hintergründe der Krise Griechenlands ein, wer das erwartet, dürfte enttäuscht werden. Durch ihre ständige Präsenz jedoch, einen ganz eigenen Charakter und Atmosphäre durchzieht, die zusätzlich durch aktuelle Meldungen in den realen täglichen Medien eine gewisse bedrückende und ungewisse Realität vor Augen hält. Für diesen Roman jedoch, scheint sie wohl eine gute Hintergrund-Kulisse zu sein, weil der eigentliche Plot, um die Aufklärung von vier Morden handelt.

Von wirklicher Spannung habe ich über die ersten 300 Seiten wenig gespürt. Des Hingehalten und müdewerdens, brauchte ich dann doch Durchhaltevermögen. Auch, wenn die Menschen sich Sorgen machen über Rentenaltererhöhung, Renten oder Lohnkürzungen, ist Kommissar Charitos mit der Aufklärung von 4 Morden beschäftigt. Die Behörden und Medien wanken zwischen der Vermutung, dass es ich um eine terroristische Aktivität oder einer Mordserie handelt. Daneben tauchen bankensabotierende Parolen in Zeitungen, oder auf beklebten Schaufenstern als Plakate oder Klebeetiketten auf, aufgenommene Kredite nicht zurück zu bezahlen. Markaris verwendet ganze 314 von 397 Seiten dazu auf, heraus zu finden, wie die Aktionen der Bankensabotage und der verübten Morde im Zusammenhang stehen. Ich fand das weder wirklich spannend, noch wirklich brillant geschrieben. Markaris entlockt dabei so manchen Schmunzler, gut geschrieben ja, aber keinesfalls überragend. Über lange Strecken, dümpelt dieser Roman einfach nur so dahin...ein wirklich langweiliger Krimi, wo ich mich frage, ob er überhaupt zu diesem Genre zuzuordnen ist..

Fazit: Eine hinhaltende Lektüre, die vom Leser Durchhaltevermögen verlangt und mit Spannung bis auf Seite 314 sparsam umgeht. Eine Geschichte eines kompetenten Kommissars, die ihn in die Vergangenheit von Leichtathletik-Sportlern und dem damit verbundenen Doping führen wird. Dass hier Hochleistungs- und Karriere-Sportler des Dopings überführt wurden und dann noch als "Opfer" ihrer Situation dargestellt werden, grenzt für mich dann doch an eine gewisse "Realitätsferne", spätestens hier bekomme ich dann doch ein Problem mit der Glaubwürdigkeit dieses Romans, der für mich auch noch an anderen Stellen unglaubwürdig oder zumindest nicht ganz realistisch ist. Sportler, die gutgläubig "Vitaminpräparate" schlucken, ohne zu wissen was sie nehmen? Grosse Geldbeträge die überwiesen werden, und die von den Begünstigten nicht hinterfragt werden?? Ein Roman zwischen Karrieresucht und dem Scheitern im Leben, die nicht selten im Zusammenhang mit Banken und der Finanzwelt in Verbindung steht. Ein gutgeschriebener Kriminalroman, der nur mittelfristig zu überzeugen vermag. Wenigstens lüftet Markaris in den letzten 86 Seiten, sein Geheimnis, so dass man wenigstens gegen Schluss noch zufrieden gestellt wird...eine wirkliche Begeisterung, wollte bei mir nicht aufkommen, oder gar ein Interesse am Folge-Band der Trilogie zu wecken..
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am 26. Dezember 2012
Wieder genau das, was man bekommen will, wenn man sich einen Charitos - Krimi kauft. Viel Griechenland, viel Athen, viel alltägliches Gekabbel zwischen den Eheleuten Charitos. Und ein Kommissar, der seinen Weg verfolgt, auch wenn er ab und zu tricksen muss, um sein Vorgehen mit den ihn eingrenzenden Vorschriften in Einklang zu bringen, dabei aber jederzeit moralisch unangreifbar bleibt.
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am 8. Dezember 2012
Wieder ein durchaus empfehlenswerter "Markaris". Allerdings fiel mir wieder auf, dass der Autor offensichtlich eine Vorliebe hat für die ausführliche Beschreibung der Straßen- bzw. Verkehrsverhältnisse in Athen. Für den Nicht-Athen-Kenner ist ein Stadtplan zum besseren Verständnis ganz empfehlendswert.
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