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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
42 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kopflos in Athen,
Von Helga Kurz "Helga Kurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Faule Kredite: Ein Fall für Kostas Charitos (Gebundene Ausgabe)
2010, Sommer in Athen. Die Finanzkrise legt Griechenland lahm. Urlaub auf den Inseln, am Strand ist für viele Städter nicht drin. Die Straßen sind verstopft, die Menschen demonstrieren wegen der Wirtschaftslage und wegen schmerzhafter Einschnitte in die Sozialsysteme oder sitzen resigniert vor dem Fernseher, der die Welt ins Haus bringt und gleichzeitig von ihr ablenkt. Eine Serie geköpfter Männer, alle aus dem Dunstkreis der Finanzwelt, hält die Polizei der Hauptstadt mit Kostas Charitos an der Spitze der Ermittler in Atem. Terrorismus, ein Rachefeldzug gegen das Kapital, allen voran gegen die Banken, eine persönliche Abrechnung? - die Wellen schaukeln hoch. Ausländer sind unter den Opfern, der Außenminister drängt auf rasche Aufklärung. Wie passen ehemalige Spitzensportler, deren Karrieren wegen Dopings ein jähes Ende fanden, Bettler, Plakatkleber und fremdländisches Dienstpersonal ins Bild? Charitos muss nachdenken und absolviert nebenbei einen Crashkurs in der Welt des globalen Finanzwesens: Mit Hedgefonds und Derivaten musste er sich bisher noch nie auseinandersetzen. Seine Kollegen plagen Zukunftsängste: Wie sollen sie bei gekürzten Bezügen ihre Kinder durch kostspielige, langjährige Ausbildungen bringen, wie ihre Baudarlehen und Konsumentenkredite abbezahlen? Sollen sie nun bis an ihr Lebensende arbeiten? Charitos einziges Kind hat sein Studium bereits abgeschlossen, auch promoviert, und gerade einen zielstrebigen Kardiologen geheiratet. Die Aussicht auf einen respektablen Job lässt jedoch auf sich warten. Wo gutbezahlte Arbeitsplätze rar sind, sind bestens vernetzte Seilschaften wichtiger als Spitzenabschlüsse. Adriani, Charitos Frau, wird durch den Selbstmord eines Nachbarn, der finanziell am Ende ist und den finalen Sturz aus dem Fenster wählt, nur kurz aus der Bahn geworfen. Mit beißendem Humor kommentiert sie die Welt um sich herum und ist weder durch Titel noch durch Kapriolen der Hochfinanz leicht zu beeindrucken. Charitos, der mehr schlechte als gute Tage in diesen Zeiten für sich verbuchen kann, teilt die lebenstüchtige Bodenständigkeit seiner Frau, lässt sich weder blenden noch ablenken und ist schon bald auf der richtigen Spur...Griechenland, "Die Wiege Europas", war für uns Deutsche lange Zeit vor allem ein klischeebehaftetes Sommerurlaubsziel, dessen Vorzüge sich nun in den Augen nicht weniger Deutschen und anderer Europäer fast ausschließlich zu einem kostspieligen Ärgernis verwandelt haben. Markaris lässt das augenzwinkernd in den neuesten Fall für seinen Serienhelden Kostas Charitos einfließen und wer will, bekommt etliche Ansätze geboten, sich mit der globalen Finanzwelt abseits des weitverbreiteten Populismus und mit dem Alltag vieler Griechen, Menschen wie du und ich, zu beschäftigen. Interessant und horizonterweiternd ist der Blick des mit deutschen Befindlichkeiten und mit der deutschen Sprache und Kultur vertrauten griechischen Autors kosmopolitischen Zuschnitts allemal. Aus diesem Grund sei dieses Buch auch Lesern empfohlen, die mit Serienermittlern und /oder Kriminalromanen aus der Sicht polizeilicher Ermittlungsarbeit sonst wenig im Sinn haben. Passionierte Leser sind eher auf der Hut und laufen den Rattenfängern nicht so ohne weiteres hinterher; sie neigen dazu, sich ein eigenes Bild zu machen und nicht nur aus einer Quelle zu schöpfen. Vielleicht geht es Ihnen wie mir und es macht Sie auch zornig, wenn Ihre Tagszeitung Ihnen folgende Schlagzeile - ohne Anführungszeichen - "Portugal auf Ramschniveau" entgegenbrüllt. Ein Land mit all' seinen Menschen ausschließlich aufs Geld reduziert? Das ist mir zu billig. Petros Markaris sieht das wohl auch so. Helga Kurz 16.Juli 2011 Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Brunettis griechischer Abklatsch auf den Spuren der griechischen Finanzkrise,
Von
Rezension bezieht sich auf: Faule Kredite: Ein Fall für Kostas Charitos (Gebundene Ausgabe)
In Athen herrscht der Ausnahmezustand: Eine Demonstation jagd die nächste, täglich erfährt Kostas Charitos, Mordermittler der Athener Polizei, von neuen Einsparprogrammen der griechischen Regierung, die auch vor seinem Weihnachtsgeld und seinen Rentenansprüchen nicht halt machen. Als zwei Bänker von einem unbekannten Täter enthauptet werden und wenig später in Athen zahlreiche Aufrufe zum Banken-Boykott auftauchen, scheint die Bankenkrise auch Charitos Berufsalltag erreicht zu haben. Charitos glaubt nicht an eine neue Terrorgruppe, doch Vorgesetzte und Politiker fordern schnelle und sichtbare Erfolge. Charitos vermutet den Täter in einer anderen Richtung und schon bald geben ihm die Entwicklungen recht.Vieles erinnert mich in "Faule Kredite", dem ersten (und letzten) Kostas Charitos Krimi, den ich gelesen habe, an Donna Leons Commissario Brunetti: Das Wechselspiel zwischen Charitos und seinem Vorgesetzten, dessen attraktive und kluge Vorzimmerdame, die detaillierten Beschreibungen, wenn sich Charitos durch seine Heimatstadt Athen bewegt, und die eingestreuten Details zu Charitos Familienleben in ständiger Sorge um die Zukunft der eigenen Tochter. Der augenscheinlichste Unterschied zu den Donna Leon Krimis ist die Erzählperspektive. Bei Markaris erzählt Charitos selber, in der Ich-Perspektive, kein allwissender Erzähler hält die Fäden in der Hand. Leider funktioniert "Faule Kredite" nach einer der simpelsten Maximen der Krimiliteratur: Diejenige Figur, die von Beginn der Erzählung an immer wieder in kleinen Auftritten erscheint und auf den ersten Blick so gar nichts mit dem Geschehen zu tun zu haben scheint, ist am Ende der Täter. So werden erfahrene Krimileser lange vor Charitos die Mordserie aufgeklärt haben, während Charitos noch durch den alltäglichen Athener Stau von einem Verdächtigen zum nächsten fährt. Zur Auflösung bedarf es dann einiger mit sehr grobem Werkzeug gezimmerter Zusammenhänge, denn Tat und Motif passen nicht wirklich zusammen. Im Klappentext heißt es zum politischen Umfeld dieser Kriminalerzählung: "Petros Markaris beschreibt die harte Realität, mit der die Griechen heute konfrontiert sind, ganz ohne Larmoyanz ...". Dieses Statement geht an der Realität von "Faule Kredite" leider völlig vorbei. Ganz im Gegenteil läßt Markaris seine Romanfiguren permanent über die griechischen Sparmaßnahmen klagen. Als deutschem Steuerzahler fällt es mir dabei sehr schwer, die Tragik darin zu erkennen, wenn griechische Polizisten zukünftig nicht mehr mit 55 (!), sondern mit 60 Jahren in Rente gehen werden. Für Charitos Kollegen ist diese Maßnahme aber der Abgesang auf das christliche Abendland. Zugleich gibt sich Charitos (bzw. Markaris) mit einer äußerst oberflächlichen Beschreibung finanzwirtschaftlicher Zusammenhänge zufrieden, die zwar ausreichen um den Mord an einem Hedgefond-Manager in Szene zu setzen, aber schon beim Versuch, eine Verbindung zwischen zahlungsunfähigen griechischen Geschäftsleuten und der Arbeit internationaler Rating-Agenturen zu ziehen, verharrt Markaris/Charitos in populistisch-gefärbten Phrasen. Geradezu dümmlich wird "Faule Kredite" dann, wenn Markaris das schwierige griechisch-europäische Verhältnis in der aktuellen Krise thematisiert: "Das Gute an den Europäern ist, dass sie mit den Entschuldigungen immer schnell bei der Hand sind, ob es sich nun um Beleidigung oder um Völkermord handelt." (S. 368) Dieser Satz ist politisch und historisch dermaßen dämlich, dass es schon erstaunlich ist, dass er es unbeschadet über den Schreibtisch eines Lektors geschafft hat. Ein Kleinigkeit ist mir noch im Umschlagtext ins Auge gestochen. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass die deutsche Ausgabe in Zusammenarbeit mit dem Autor erneut durchgesehen wurde. Was hat das zu bedeuten? Auffällig ist, dass zwar kräftig auf die Europäer geschimpft wird, die deutschen aber als explizite Adressaten nirgendwo erwähnt werden. Wer die tatsächliche Situation in Athen verfolgt hat, weiß, dass gerade die Deutschen (und ihre Kanzlerin) als Inbegriff der EU von den Demonstranten attakiert worden sind. Wurde "Faule Kredite" etwa für den deutschen Markt verkaufsfördernd entschärft? Ist im Original tatsächlich ein holländischer Diplomat der Inbegriff zentraleuropäischer Arroganz oder wurde für die deutsche Version der deutsche Amtsträger flugs durch seinen Nachbarn ersetzt? Vielleicht hat jemand das griechische Original von "Faule Kredite" gelesen und könnte einen entsprechenden Kommentar hinterlassen. Insgesamt ist "Faule Kredite" in meinen Augen bestenfalls ein durchschnittlicher Krimi, der zwar vielversprechend beginnt, dann aber vom Autor überkonstruiert zur Auflösung geführt wird. Insgesamt wenig originell, politisch auf Boulevardniveau, daher nur zwei Sterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein Krimi mit einem aktuellen Hintergrund,
Von
Rezension bezieht sich auf: Faule Kredite: Ein Fall für Kostas Charitos (Gebundene Ausgabe)
Petros Markaris hat in seinem Buch "Faule Kredite" nicht einfach nur einen Krimi mit seinem Kommissar Kostas Charitos geschrieben, sondern auch ein Buch zur aktuellen Griechenlandkrise. Vor dem Hintergrund der drohenden Staatspleite geschehen vier Morde, alle Opfer! hatten etwas mit Banken oder dem Kreditwesen zu tun. War es ein Terroranschlag, eine persönliche Abrechnung oder ein Zufall? Diese Fragen stellen sich die Ermittler, die durch die aktuellen Geschehnisse der Banken-, Staats- und Finanzkrise und den daraus resultierenden Spannungen, keine leichte Aufgabe haben, diese Fälle zu lösen. Neben den ganz persönlichen Alltagssorgen der Griechen, Lohnabstriche bei den Gehältern (betrifft auch die Polizei) und den Renten, heraufgesetztes Renteneintrittsalter, den Demonstationen u.a. kommt der Witz und Humor der Protagonisten trotzdem nicht zu kurz. Ein gelungenes Buch, dass die Balance zwischen Krimi und Analyse der Krise gekonnt einhält und nie langweilig oder langatmig werden läßt. Es ist einfach ein Buch aus einem Guß. Schön und nett zu lesen. Genau das Richtige für winterliche Abende!
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