Ich habe mir dieses Buch gekauft, nachdem Bundestagspräsident Norbert Lammert es in der Süddeutschen Zeitung positiv besprochen hat und ich in Berliner Zeitungen gelesen hatte, dass Franz Müntefering es wohlwollend der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Lob also von rechts wie von links, allerdings von zwei eher kantigen Politikertypen. Da muss der Autor vieles richtig oder alles falsch gemacht haben. Nach der durchweg unterhaltsamen und intelligenten Lektüre muss ich sagen: Der Autor hat das Lob verdient und zwar nicht weil er die geschundenden Politikerseelen streichelt, sondern weil er jenen Lesern, die den politischen Betrieb nur von ferne betrachten können, einen Blick hinter die Kulissen und ins Getriebe der Macht ermöglicht. Wie mühsam die Arbeit an Gesetzen und Verordnungen ist, hat Blome schon im schwerfälligen EU-Apparat als Korrespondent in Brüssel feststellen können und auch damals war es ihm gelungen, trockene, schwer durchschaubare Materie mit einem Sinn für das Wesentliche zu erklären. In Berlin gehört Blome zu den unabhängigen Journalisten, die keiner Partei richtig nahestehen. Das ist gar nicht so häufig. Was waber treibt ihn wohl solch eine, vom Genre her eher im angelsächsischen Raum geläufige Streitschrift zu schreiben? Ich glaube, es geht ihm darum zu zeigen, dass auch in Zeiten der vielen Krisen, die unsere Welt erlebt, die Demokratie immer noch die beste aller Möglichkeiten ist. Und dass die pauschalen Vorurteile gegen diejenigen, die im Maschinenraum der Macht rackern, ebenso unfair wie gefährlich sind - gerade in Zeiten, in denen die Populisten Aufwind haben und die ostdeutsche Jugend von rechten Rattenfängern abgefischt wird. Dem Buch jedenfalls wünsche ich viele Leser: an Stammtischen, in politischen Seminaren, bei den vielen Bürgern, die sich nicht engagieren, aber immer alles besser wissen und ganz besonders unter jungen Menschen, die sich reihenweise von dem System abwenden, das ihnen eine so bequeme Jugend ermöglicht hat.