"Fat Man Boogie" von 1981 war mehr als der Untertitel "A Tribute To Swing" andeutete. Nicht eine weitere Re-Kreation der alten Swing-Ära Hits, sondern etwas Neues, wie man es von Peter Herbolzheimer erwarten durfte. Es war auch etwas Neues in der Entwicklung der Rhythm Combination & Brass: zum erstenmal gab es eine reguläre Reed Section (trotzdem wurde die Band nicht in "Rhythm Combination & Brass & Reeds" umgetauft), und wo früher meist kräftige rockige Rhythmen, E-Gitarren und auch schon mal eine Sitar die Musik beherrscht hatten, gab man sich auf diesem Album ganz klassisch.
Man nahm 8 der besten Big Band Titel der 40er Jahre, ergänzt durch zwei Eigenkompositionen von Peter Herbolzheimer und Rob Pronk, und interpretierte den Big Band Sound neu: Nie hielt man sich sklavisch an die Vorbilder, sondern kombinierte Versatzstücke, variierte Bekanntes mit Unerwartetem, setzte Bausteine neu zusammen: Schon am Beginn von "Air Mail Special" wird z.B. das Thema unter Zuhilfenahme von Klarinetten neu interpretiert, im "One O'Clock Jump" zitiert man "Everyday", Count Basie's Hit aus den 50ern, auf "Opus One" spielen die Saxophone als Zitat "Cherokee" etc. etc. Peter Herbolzheimer's "New York Special" auf der anderen Seite ist im Stil Neal Hefti's bester Arrangements für die Basie-Band, auch darf das "pling-pling-pling" der Schlußakkorde beim "One O'Clock Jump" nicht fehlen. Am originalgetreuesten ist noch "Tuxedo Junction", aber das klang auch von Glenn Miller schon so wie bei Erskine Hawkins. Und natürlich Billy May's "Fat Man Boogie", mit original gleitenden Saxophonen, ein selbstironisches Portrait des Leiters der RC&B.
Am genialsten finde ich die Idee, den "Four Brothers"-Sound der 2nd Herd auf die Posaunen zu übertragen, so geschehen bei "Early Autumn" und "Four Brothers": Das passt so gut, als wäre es immer schon so gewesen, warum da vorher noch keiner drauf gekommen war, ist mir ein Rätsel.
Arrangeure dieses außergewöhnlichen Albums (das auch ein bescheidener kommerzieller Erfolg war und anschließend einige ähnliche Alben nach sich zog) waren neben Peter Herbolzheimer vor allem Jerry van Rooyen und Rob Pronk. Die Band war hochkarätig besetzt, Solisten waren Jiggs Whigham, Ferdinand Povel, Ack van Rooyen, Heinz von Herrmann, Rob Franken, Bart van Lier, Allan Botschinsky und Karl Drewo.
Long Live the Fat Man!
P.S. Ein trauriges Postscriptum: Am 27.03.2010, am Tag, an dem ich diese Rezension eingestellt habe, starb Peter Herbolzheimer im Alter von 74 Jahren in Köln. Ein großer Verlust.