Immer wenn die Musiker von OPETH oder KATATONIA in schnöde Langeweile verfallen, oder ihnen die Musik ihrer Hauptbands zu feingeistig wird, dann erwecken sie in stetiger Regelmäßigkeit das Death Metal-"Projekt" BLOODBATH zu neuem Leben. Hier darf dann wieder nach Herzenslust gegrunzt, geknüppelt, geröchelt, geholzt und mal ganz nebenbei der nächste ungestüme Elchtod-Meilenstein aus den Angeln gehoben werden. Und wie auch seine Vorgänger "Nighmares made flesh" und "Ressurection through carnage" (Klassiker!) so ist auch die neue BLOODBATH-Scheibe "The fathomless mastery" ein roher, ungehobelter Hassbatzen geworden. Man merkt den Herren Akerfeldt, Nystrom & Co. tatsächlich an, wie viel Herzblut und Spielfreude in die neuen 11 Songs geflossen ist. BLOODBATH ist für die Musiker anscheinend wie ein Ventil, durch das alle aufgestauten Energien - die bei OPETH und KATATONIA heutzutage immer seltener "rausdürfen" - abgelassen werden können.
Was erwartet der Hörer nun also von "The fathomless mastery" ? Ist doch klar...eine urtypische Elchtod-Scheibe im Stile von ENTOMBED, DISMEMBER oder den alten Urvätern CARNAGE und NIHILIST. Und prinzipiell hat der Hörer damit sogar recht. Überraschenderweise haben BLOODBATH ihren musikalischen Horizont jedoch um einige Nuancen erweitert, die man eigentlich nicht erwarten konnte. So fällt ein Großteil der Tracks ungewöhnlich technisch und vertrackt aus. Einige Stakkato-Riffs und wirre Melodie-Passagen erwecken z.B. eindeutige MESHUGGAH-Parallelen, was Songs wie "Slaughtering the will to live" , "Iesous" oder "Treasonous" aber richtig gut zu Gesicht steht. Schädelspalter wie das göttliche "Drink from the cup of heresy" , "Mock the cross" oder der garstige Mega-Opener "At the behest of their death" haben dafür eine eindeutige MORBID ANGEL-Schlagseite, was ebenfalls als Überraschung zu Buche schlägt. Und auch "Earthrot" und der hundsgemeine Rausschmeißer "Wretched human mirror" haben auch nur im weitesten Sinne etwas mit "easy listerning" zu tun. Also wer hier ein gradliniges Elchtod-Scheibchen im Stile von "Left hand path" (ENTOMBED) oder "Where no life dwells" (UNLEASHED) erwartet hat, könnte beim ersten Hördurchlauf durchaus seine Probleme mit dem neuen BLOODBATH-Album haben. Aber wie so oft im Leben, so zahlt sich auch bei "The fathomless mastery" die Geduld eindeutig aus. Man brauch zwar stellenweise schon etwas länger, um sich an die neuen Song-Strukturen zu gewöhnen. Danach entpuppt sich dieser tolle 11-Tracker jedoch als absoluter Volltreffer, den man sooo schnell nicht wieder aus dem CD-Schacht nimmt. Übrigens, am Ende des Songs "Hades rising" haben BLOODBATH die mit Abstand (!!!) geilste Metal-Harmonie des Jahres versteckt, die mich auch beim 20. Durchlauf beinahe zu Tränen rührt. "The fathomless mastery" ist wirklich eine tolle Scheibe geworden, die zudem durch ein richtig morbides und unheilvolles Artwork versehen wurde, welches schlichtweg "der Hingucker" ist. Eines werde ich allerdings nie begreifen: Warum in Dreiteufelsnamen lassen sich alle Musiker mittlerweile nur noch mit Sonnenbrille auf den Bandfotos ablichten ???