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Fatherland (Taschenbuch)

von Robert Harris (Autor) "Thick cloud had pressed down on Berlin all night, and now it was lingering into what passed for the morning ..." (mehr)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Arrow; Auflage: New edition (27. April 1993)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 0061006629
  • ISBN-13: 978-0099263814
  • ASIN: 0099263815
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 10,9 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (85 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 2.384 in Englische Bücher (Die Bestseller Englische Bücher)

Produktbeschreibungen

From Publishers Weekly

An eerie, detailed alternate history serves as the backdrop for this otherwise conventional crime thriller. The setting is Berlin, 1964, some 20 years after the Third Reich's victory in WW II. Germany and the U.S., the world's two superpowers, find themselves in a cold war resulting from a nuclear stalemate; but U.S. President Joseph P. Kennedy is soon to visit Berlin for an historic summit meeting with Hitler, clearing the way for detente. Meanwhile, cynical police detective Xavier March investigates the drowning of Josef Buhler, former state secretary in the General Government. When the Gestapo takes over the case--ruling it suicide--March continues his investigation at the risk of his life, uncovering a deadly conspiracy at the highest levels of the Reich. With the help of American reporter Charlotte Maguire, he finds hard evidence of the wartime extermination of Europe's Jews, a secret that Buhler and his colleagues have been murdered to protect. Of course March and Maguire fall in love along the way. Harris ( Selling Hitler ) generates little suspense in this tale beyond his piecemeal rendering of the novel's unusual historical setting. The characters are flat and the plot largely predictable. And readers may well question the taste of using the Holocaust as the point of departure for a rather insubstantial, derivative thriller. 75,000 first printing; BOMC selection.
Copyright 1992 Reed Business Information, Inc. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

From Kirkus Reviews

There are no happy novels set in Berlin, but Harris (Selling Hitler, 1986, on the diaries forgery) has managed a novel that dances on Hitler's grave with amusing success. Naturally, the whole book is entirely depressing, depression being the keynote of Hitlerian fantasias; its leading tones were struck earlier by Orwell's 1984 and le Carr‚'s The Spy Who Came in from the Cold. Harris's novel is set in 1964--Germany has won WW II, and this is the weekend of Hitler's 75th birthday, with huge celebrations ready to blow. After defeating Russia, Germany has formed a European trading bloc with 12 Western nations; German is the second language in all schools; everyone drives German cars, watches German TV, and so on. Switzerland alone is neutral, afloat on the Wehrmacht's stalemate in its cold war with the US. Tying in with Hitler's birthday is the announcement that--to reinforce d‚tente between the two countries--US President Joseph P. Kennedy has been invited to Berlin. But that d‚tente is threatened by the murders of two retired high officials, and Xavier March, homicide investigator with the Berlin Kriminalpolizei, lands the job of tracking down the killers. March is divorced and disaffected, and his ten-year-old son hates him for not being a super-Nazi like himself. Just as March is getting ahead in the case, he is taken off it by Globus, a top pig in the Gestapo. But March is too far in to stop. And he's fallen in with the beautiful American journalist ``Charlie'' Maguire, a smart and feisty woman who's always ready to prick March's Nazi chauvinism. The big secret: March has stumbled on the great Nazi coverup of the gas chambers, with ghastly proofs of it hidden in a numbered Swiss account. Farsighted readers know that massive dystopian evil such as Winston Smith faced in 1984 can provide no happy end. But only a Schweinehund wouldn't like this springtime for Hitler, with its waltzes through the Holocaust to the tunes of Leh r's The Merry Widow. -- Copyright ©1992, Kirkus Associates, LP. All rights reserved. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Harris bricht ein Tabu, 11. Juli 2004
„Harris hatte sich für sein Buch eine wilde Geschichte ausgedacht: Die Deutschen hätten den Zweiten Weltkrieg gewonnen; Adolf Hitler immer noch an der Macht, feierte 1964 seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag", schrieb Ulrich Wickert in seinem letzten Buch „Die Zeichen unserer Zeit" über den Roman „Fatherland" von Robert Harris. Und wunderte sich, warum in Deutschland die Übersetzung und Druck eines Buches, das in 30 Sprachen übersetzt und zum internationalen Bestseller wurde, von fünfundzwanzig Verlagen abgelehnt wurde. Möglicherweise deshalb, weil das fiktive Land in Harris Kriminalroman so sehr und so schmerzhaft an das heutige Deutschland erinnert. Ein Verbrechen, das vertuscht wird weil es um politische Interessen geht, ein Meisterstück der politischen Medieninszenierung, der die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wirksam dämpft und von den Tatsachen ablenkt. Aber auch das schlechte Wetter, farblose Beamten, polnische Putzfrauen und Gärtner, Nachbar, Arbeitskollegen und sogar eigene Kinder, die im Dienste einer falsch begriffenen Bürgerpflicht andere denunzieren - betrifft das vielleicht heute nur eine vertrauliche Meldung an das Finanzamt.

Für Ulrich Wickert, hat Harris gegen deutsche Tabus verstoßen indem er aus Judenverfolgung einem „Unterhaltungsroman" gemacht und eine gesellschaftlich unvertretbare Möglichkeit in Erwägung gezogen hat, Hitler habe den Krieg gewonnen. Und deswegen würde Harris „Fatherland" auf solche Ablehnung in Deutschland stoßen. Allerdings, Tabus zu brechen erfordert einer offenen Auseinandersetzung mit den tabuisierten Themen; entscheidet man sich deshalb trotz der Vorwürfe und Kritik dafür, den Roman zu lesen, stellt man sehr schnell fest, dass es dem Harris gelungen ist eine sehr spannende und verwickelte Kriminalgeschichte zu entwickeln, die dem Leser bis zum Ende in Ungewissheit über den Ausgang hält und in der leider nicht alles glücklich endet. Amüsant ist nur die Tatsache, dass es dem Autor doch nicht gelungen ist - oder er hat es nicht mal versucht - die populären Klischees zu brechen. Die Retter der Welt sind am Ende doch die Amerikaner. Auch wenn die politischen Eliten Amerikas nicht gerade dem besten Bild im Roman abgeben und gute oder gar freundschaftliche Beziehungen zum Hitler pflegen, ist es doch die sprichwörtliche amerikanische Freiheit der Presse und die unermüdliche Suche nach der Wahrheit einer amerikanischen Journalistin, die am Ende siegt. Und das gab es doch schon so oft anderswo.

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Was hätte sein können, wenn..., 27. Mai 2006
Man malt sich die Welt lieber nicht allzu genau aus, in der Robert Harris seinen Krimi "Fatherland" ansiedelt: Hitler hat am Ende doch noch den Zweiten Weltkrieg gewonnen, das Deutsche Reich reicht bis zum Ural und in den Kaukasus, und die Teile Europas, die nicht von Deutschland besetzt sind, haben den Status von Satellitenstaaten. Nach Kriegsende wurden auch die unzähligen Beweise für den Holocaust vernichtet (nicht ganz allerdings, wie sich herausstellen soll), es existieren nur Gerüchte. Das Deutsche Reich ist ein Überwachungsstaat Orwell'scher Prägung. Ein Horrorszenario fürwahr, das man sich nicht vorstellen will. Und wenn das Grauen zum Alltag wird, arrangiert man sich eben mit dem Grauen, garniert es gar mit den biederen Requisiten des Spießertums. Schließlich gewöhnt sich der Mensch an alles... Diese Überlegung bildet die Atmosphäre, in der Robert Harris einen Krimi ansiedelt:
Im April 1964 stehen die Staatsakte zu Führers 70. Geburtstag vor der Tür, und ein Besuch des amerikanischen Präsidenten Joseph (!) Kennedy steht an -- eine weitere Demutsgeste des freien Auslands.
Und nun wird die Leiche eines hochrangigen SS-Veteranen gefunden. Sturmbannführer Xavier (!) March von der Berliner Kripo ermittelt, ein ehemals wohlgelittener Kriegsveteran, der aber bei der Obrigkeit nicht allzu hoch angesehen ist, denn er gehört beileibe nicht zu den hundertzwanzig-prozentigen Parteigängern. Bald bemerkt March Unstimmigkeiten und Merkwürdiges bei seinen Ermittlungen, stößt auf eigenartige Zufälle, kommt mit der Gestapo ins Gehege. Und er trifft auf die amerikanische Journalistin Charlotte Maguire, deren Recherchen seine eigenen Ermittlungen mehr als ergänzen. Ihr fürchterlicher Verdacht bestätigt sich, als sie die Belege für eine historische Tatsache zutage fördern, die heute zum Schulwissen gehören: Dokumente über die Wannsee-Konferenz, in der europaweit der millionenfache Mord an den Juden beschlossen wurde.
Harris hat hier eine Negativ-Utopie mit vorsichtig-optimistischem Schluss in Form eines Krimis geschrieben, und das gewagte Vorhaben ist ihm gelungen. Bedrückend das Nazi-Berlin, das er dem Leser präsentiert; ein Berlin nach den Plänen von Albert Speer, monumental, seelenlos, menschenverachtend. Die Menschen, die hier leben, wirken buchstäblich erdrückt von ihrer totalitären Welt -- erdrückt, aber nicht gesichtslos. Harris schafft es, vielen seiner Figuren ein unverkennbares Profil zu verleihen -- vielen, aber nicht allen. Manche, darunter leider auch Charlotte Maguire, sind etwas farblos geraten.
Auch historisch steht dieser Roman im Großen und Ganzen auf festem Boden, wenngleich Harris sich hier doch einige Schnitzer geleistet hat; dazu später.
Verblüffend gut getroffen hat der Autor die historischen Nazi-Größen aus dem In- und Ausland, die in "Fatherland" Wesentliches zur Handlung beitragen: Sei es der amerikanische Präsident Joseph Kennedy (der Vater von JFK), dessen antisemitische Haltung bekannt ist, oder der notorische Sadist Odilo Globocnik, und vor allem der Polizeichef Artur Nebe, hochintelligent und höchst zwielichtig. Ihre fiktiven Charaktere in Harris' Roman decken sich weitgehend mit dem Bild, das man sich anhand historischer Quellen von ihrem tatsächlichen Charakter machen kann.
Auch das präsumptive historische Umfeld hat Harris recht überzeugend konstruiert -- etwa den ständigen Widerstand osteuropäischer Partisanen gegen die Besatzer, der wirkungsvoller ist, als die deutsche Bevölkerung erfahren darf, oder die brachialen Umsiedlungsprogramme, mit denen das noch brachialer entvölkerte Osteuropa besiedelt werden soll. Auch, dass man sich im Ausland mit einer solch monströsen Regierung arrangiert hat, wirkt glaubhaft. Dennoch hat Harris an einigen Stellen in seiner Recherche geschlampt: Dass in einem endgültig konsolidierten europaweiten Nazireich die tschechische Automarke "Skoda" in tschechischer Schreibweise verbreitet sein könnte, kann nur einer annehmen, der außer Englisch keine Sprache beherrscht (für diese These spricht auch der Name des Ermittlers: Xavier March...), sodass ihm das nicht auffallen kann. Aber das ist der harmloseste Schnitzer. Schwerer wiegt, dass Harris der Versuchung nicht widerstehen konnte, den Leser durch Spielereien zu verblüffen: So gibt es auch in diesem imaginären Europa 1964 eine Europäische Gemeinschaft (vorzustellen als Vereinigung der Satellitenstaaten, die auf den Befehl aus Berlin warten). Das kann man vielleicht noch akzeptieren. Aber dass diese Nazi-geführte EG -- nun kommt's -- aus exakt 12 Staaten besteht, beweist, dass Harris seine eigene fiktive, hinten im Buch abgedruckte Europakarte nicht genau angeguckt hat. Es sind nämlich 13, aber damit wäre natürlich der Effekt dahin. Auch, dass Harris die deutsch-polnische Grenze von 1939 an die Oder-Neiße-Linie verlegt, zeugt nicht von stets akribischer Recherche. Tja -- und dann wundert man sich natürlich, woher die vielen Neusiedler im besetzten Osteuropa kommen sollen, und die 10 Millionen Berliner. So schnell kann sich die nationalsozialistische Familienpolitik ja doch nicht ausgewirkt haben.
Andererseits hat Harris die für seinen Roman relevanten historischen Fakten sehr genau recherchiert, sodass ich die erwähnten (und noch einige andere) Schnitzer nicht überbewerten will.
"Fatherland" ist ein beklemmender Krimi, und die Beklemmung (ein schwaches Wort hier) rührt nicht nur von der ungeheuerlichen Prämisse her, sondern fast noch mehr von der beklemmenden, überzeugend konstruierten Atmosphäre.
Beklemmend ist aber auch die Wahl des Sujets -- darf man aus dem Holocaust ein Krimi-Thema machen? Millionenfacher Mord als Sujet für Unterhaltungsliteratur? Wenn ich beim Lesen den Eindruck gehabt hätte, Harris habe eine beliebige Krimihandlung durch möglichst spektakuläre Versatzstücke aufpeppen wollen, dann würde ich diese Frage verneinen. Aber das kann man ihm nicht vorwerfen, und meinem Eindruck nach verharmlost er die Nazi-Diktatur auch nicht. Eher könnte ich mir vorstellen, dass aufgrund dieses Romans sich der ein oder andere Leser eingehender mit der deutschen Vergangenheit befasst, der das sonst nie getan hätte.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Was hätte sein können, wenn..., 10. Mai 2006
Man malt sich die Welt lieber nicht allzu genau aus, in der Robert Harris seinen Krimi "Fatherland" ansiedelt: Hitler hat am Ende doch noch den Zweiten Weltkrieg gewonnen, das Deutsche Reich reicht bis zum Ural und in den Kaukasus, und die Teile Europas, die nicht von Deutschland besetzt sind, haben den Status von Satellitenstaaten. Nach Kriegsende wurden auch die unzähligen Beweise für den Holocaust vernichtet (nicht ganz allerdings, wie sich herausstellen soll), es existieren nur Gerüchte. Das Deutsche Reich ist ein Überwachungsstaat Orwell'scher Prägung. Ein Horrorszenario fürwahr, das man sich nicht vorstellen will. Und wenn das Grauen zum Alltag wird, arrangiert man sich eben mit dem Grauen, garniert es gar mit den biederen Requisiten des Spießertums. Schließlich gewöhnt sich der Mensch an alles... Diese Überlegung bildet die Atmosphäre, in der Robert Harris einen Krimi ansiedelt:
Im April 1964 stehen die Staatsakte zu Führers 70. Geburtstag vor der Tür, und ein Besuch des amerikanischen Präsidenten Joseph (!) Kennedy steht an -- eine weitere Demutsgeste des freien Auslands.
Und nun wird die Leiche eines hochrangigen SS-Veteranen gefunden. Sturmbannführer Xavier (!) March von der Berliner Kripo ermittelt, ein ehemals wohlgelittener Kriegsveteran, der aber bei der Obrigkeit nicht allzu hoch angesehen ist, denn er gehört beileibe nicht zu den hundertzwanzig-prozentigen Parteigängern. Bald bemerkt March Unstimmigkeiten und Merkwürdiges bei seinen Ermittlungen, stößt auf eigenartige Zufälle, kommt mit der Gestapo ins Gehege. Und er trifft auf die amerikanische Journalistin Charlotte Maguire, deren Recherchen seine eigenen Ermittlungen mehr als ergänzen. Ihr fürchterlicher Verdacht bestätigt sich, als sie die Belege für eine historische Tatsache zutage fördern, die heute zum Schulwissen gehören: Dokumente über die Wannsee-Konferenz, in der europaweit der millionenfache Mord an den Juden beschlossen wurde.
Harris hat hier eine Negativ-Utopie mit vorsichtig-optimistischem Schluss in Form eines Krimis geschrieben, und das gewagte Vorhaben ist ihm gelungen. Bedrückend das Nazi-Berlin, das er dem Leser präsentiert; ein Berlin nach den Plänen von Albert Speer, monumental, seelenlos, menschenverachtend. Die Menschen, die hier leben, wirken buchstäblich erdrückt von ihrer totalitären Welt -- erdrückt, aber nicht gesichtslos. Harris schafft es, vielen seiner Figuren ein unverkennbares Profil zu verleihen -- vielen, aber nicht allen. Manche, darunter leider auch Charlotte Maguire, sind etwas farblos geraten.
Auch historisch steht dieser Roman im Großen und Ganzen auf festem Boden, wenngleich Harris sich hier doch einige Schnitzer geleistet hat; dazu später.
Verblüffend gut getroffen hat der Autor die historischen Nazi-Größen aus dem In- und Ausland, die in "Fatherland" Wesentliches zur Handlung beitragen: Sei es der amerikanische Präsident Joseph Kennedy (der Vater von JFK), dessen antisemitische Haltung bekannt ist, oder der notorische Sadist Odilo Globocnik, und vor allem der Polizeichef Artur Nebe, hochintelligent und höchst zwielichtig. Ihre fiktiven Charaktere in Harris' Roman decken sich weitgehend mit dem Bild, das man sich anhand historischer Quellen von ihrem tatsächlichen Charakter machen kann.
Auch das präsumptive historische Umfeld hat Harris recht überzeugend konstruiert -- etwa den ständigen Widerstand osteuropäischer Partisanen gegen die Besatzer, der wirkungsvoller ist, als die deutsche Bevölkerung erfahren darf, oder die brachialen Umsiedlungsprogramme, mit denen das noch brachialer entvölkerte Osteuropa besiedelt werden soll. Auch, dass man sich im Ausland mit einer solch monströsen Regierung arrangiert hat, wirkt glaubhaft. Dennoch hat Harris an einigen Stellen in seiner Recherche geschlampt: Dass in einem endgültig konsolidierten europaweiten Nazireich die tschechische Automarke "Skoda" in tschechischer Schreibweise verbreitet sein könnte, kann nur einer annehmen, der außer Englisch keine Sprache beherrscht (für diese These spricht auch der Name des Ermittlers: Xavier March...), sodass ihm das nicht auffallen kann. Aber das ist der harmloseste Schnitzer. Schwerer wiegt, dass Harris der Versuchung nicht widerstehen konnte, den Leser durch Spielereien zu verblüffen: So gibt es auch in diesem imaginären Europa 1964 eine Europäische Gemeinschaft (vorzustellen als Vereinigung der Satellitenstaaten, die auf den Befehl aus Berlin warten). Das kann man vielleicht noch akzeptieren. Aber dass diese Nazi-geführte EG -- nun kommt's -- aus exakt 12 Staaten besteht, beweist, dass Harris seine eigene fiktive, hinten im Buch abgedruckte Europakarte nicht genau angeguckt hat. Es sind nämlich 13, aber damit wäre natürlich der Effekt dahin. Auch, dass Harris die deutsch-polnische Grenze von 1939 an die Oder-Neiße-Linie verlegt, zeugt nicht von stets akribischer Recherche. Tja -- und dann wundert man sich natürlich, woher die vielen Neusiedler im besetzten Osteuropa kommen sollen, und die 10 Millionen Berliner. So schnell kann sich die nationalsozialistische Familienpolitik ja doch nicht ausgewirkt haben.
Andererseits hat Harris die für seinen Roman relevanten historischen Fakten sehr genau recherchiert, sodass ich die erwähnten (und noch einige andere) Schnitzer nicht überbewerten will.
"Fatherland" ist ein beklemmender Krimi, und die Beklemmung (ein schwaches Wort hier) rührt nicht nur von der ungeheuerlichen Prämisse her, sondern fast noch mehr von der beklemmenden, überzeugend konstruierten Atmosphäre.
Beklemmend ist aber auch die Wahl des Sujets -- darf man aus dem Holocaust ein Krimi-Thema machen? Millionenfacher Mord als Sujet für Unterhaltungsliteratur? Wenn ich beim Lesen den Eindruck gehabt hätte, Harris habe eine beliebige Krimihandlung durch möglichst spektakuläre Versatzstücke aufpeppen wollen, dann würde ich diese Frage verneinen. Aber das kann man ihm nicht vorwerfen, und meinem Eindruck nach verharmlost er die Nazi-Diktatur auch nicht. Eher könnte ich mir vorstellen, dass aufgrund dieses Romans sich der ein oder andere Leser eingehender mit der deutschen Vergangenheit befasst, der das sonst nie getan hätte.
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