Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was wäre wenn? - Ein düsterer Roman., 11. Dezember 2005
Robert Harris ist spätestens seit seinem Roman "Pompeji" auch dem deutschsprachigen Publikum ein Begriff. Seinen Aufstieg in die internationalen Bestsellerlisten schaffte der BBC-Journalist, bereits im Jahre 1992 mit dem hier zu besprechenden Roman "Vaterland". Basierend auf seinem fundierten Geschichtswissen (Kunststück hat er doch Geschichte studiert) spinnt er eine Idee: Was wäre gewesen hätte Deutschland den Krieg nicht verloren und Hitler wäre an der Macht geblieben?1964, der fünfundsiebzigste Geburtstag des Führers steht bevor und der erste Besuch des amerikanischen Präsidenten Kennedy ist angekündigt. Da wird die Leiche eines hochrangigen Nazischergen gefunden. Sturmbannführer März, seines Zeichens Mitglied der Berliner Kripo, übernimmt den Fall. März ist ein stiller Rebell gegen das System, er tritt nicht offen gegen das Regime auf, unterstützt es aber auch nicht. Kaum hat er mit der Untersuchung begonnen, wird er von SS-General "Globus" wieder ruhig gestellt, der den Fall an sich reißt. März will nichts davon wissen und verfolgt die Spuren weiter. Denn irgendwie scheint dieser SS-General in den Fall verwickelt zu sein. Globus holt zum Gegenschlag aus und verlangt die sofortige Einlieferung März' in ein KZ. Der oberste Chef der Reichspolizeibehörde schlägt noch ein paar Tage Gnadenfrist für März heraus und verlangt von März, ihm Globus ans Messer zu liefern, dann würde das Verfahren eingestellt werden. Also macht sich März daran den Hintergrund der Geschichte aufzudecken - hier steckt jedoch wesentlich mehr Politik dahinter, als für einen gewöhnlichen Bürger gut ist. Stichwort: Wannseekonferenz. Harris hat einen wirklich großartigen Roman erschaffen. Er schafft es eine Stimmung aufkommen zu lassen, die das Gefühl erweckt mitten in der Szenerie zu sein. Eine Mischung aus düsterer Endzeitstimmung und Größenwahn zieht sich durch das ganze Buch. Harris erschafft ein Umfeld das von Denunziation, Misstrauen und Unmenschlichkeit durchtränkt ist. Der Protagonist wird wunderbar charakterisiert, er hat eine Geschichte und er hat Tiefgang. Die Person ist absolut glaubwürdig und passt perfekt in die Szenerie. Ergänzt wird dieser hervorragende Stil, durch eine wahrlich große Sprache - wozu in diesem Fall nicht nur die gute Vorlage, sondern auch der wirklich gute Übersetzer beigetragen hat. Aus meiner Sicht kann ich dieses Werk uneingeschränkt empfehlen. Allerdings muss man auch darauf hinweisen, dass die geschilderte Szenerie wohl nicht jedermanns Sache ist.
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32 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Was hätte sein können, wenn..., 7. April 2007
Man malt sich die Welt lieber nicht allzu genau aus, in der Robert Harris seinen Krimi "Fatherland" ansiedelt: Hitler hat am Ende doch noch den Zweiten Weltkrieg gewonnen, das Deutsche Reich reicht bis zum Ural und in den Kaukasus, und die Teile Europas, die nicht von Deutschland besetzt sind, haben den Status von Satellitenstaaten. Nach Kriegsende wurden auch die unzähligen Beweise für den Holocaust vernichtet (nicht ganz allerdings, wie sich herausstellen soll), es existieren nur Gerüchte. Das Deutsche Reich ist ein Überwachungsstaat Orwell'scher Prägung. Ein Horrorszenario fürwahr, das man sich nicht vorstellen will. Und wenn das Grauen zum Alltag wird, arrangiert man sich eben mit dem Grauen, garniert es gar mit den biederen Requisiten des Spießertums. Schließlich gewöhnt sich der Mensch an alles... Diese Überlegung bildet die Atmosphäre, in der Robert Harris einen Krimi ansiedelt:
Im April 1964 stehen die Staatsakte zu Führers 70. Geburtstag vor der Tür, und ein Besuch des amerikanischen Präsidenten Joseph (!) Kennedy steht an -- eine weitere Demutsgeste des freien Auslands.
Und nun wird die Leiche eines hochrangigen SS-Veteranen gefunden. Sturmbannführer Xavier (nicht: Xaver) March von der Berliner Kripo ermittelt, ein ehemals wohlgelittener Kriegsveteran, der aber bei der Obrigkeit nicht allzu hoch angesehen ist, denn er gehört beileibe nicht zu den hundertzwanzig-prozentigen Parteigängern. Bald bemerkt March Unstimmigkeiten und Merkwürdiges bei seinen Ermittlungen, stößt auf eigenartige Zufälle, kommt mit der Gestapo ins Gehege. Und er trifft auf die amerikanische Journalistin Charlotte Maguire, deren Recherchen seine eigenen Ermittlungen mehr als ergänzen. Ihr fürchterlicher Verdacht bestätigt sich, als sie die Belege für eine historische Tatsache zutage fördern, die heute zum Schulwissen gehören: Dokumente über die Wannsee-Konferenz, in der europaweit der millionenfache Mord an den Juden beschlossen wurde.
Harris hat hier eine Negativ-Utopie mit vorsichtig-optimistischem Schluss in Form eines Krimis geschrieben, und das gewagte Vorhaben ist ihm gelungen. Bedrückend das Nazi-Berlin, das er dem Leser präsentiert; ein Berlin nach den Plänen von Albert Speer, monumental, seelenlos, menschenverachtend. Die Menschen, die hier leben, wirken buchstäblich erdrückt von ihrer totalitären Welt -- erdrückt, aber nicht gesichtslos. Harris schafft es, vielen seiner Figuren ein unverkennbares Profil zu verleihen -- vielen, aber nicht allen. Manche, darunter leider auch Charlotte Maguire, sind etwas farblos geraten.
Auch historisch steht dieser Roman im Großen und Ganzen auf festem Boden, wenngleich Harris sich hier doch einige Schnitzer geleistet hat; dazu später.
Verblüffend gut getroffen hat der Autor die historischen Nazi-Größen aus dem In- und Ausland, die in "Fatherland" Wesentliches zur Handlung beitragen: Sei es der amerikanische Präsident Joseph Kennedy (der Vater von JFK), dessen antisemitische Haltung bekannt ist, oder der notorische Sadist Odilo Globocnik, und vor allem der Polizeichef Artur Nebe, hochintelligent und höchst zwielichtig. Ihre fiktiven Charaktere in Harris' Roman decken sich weitgehend mit dem Bild, das man sich anhand historischer Quellen von ihrem tatsächlichen Charakter machen kann.
Auch das präsumptive historische Umfeld hat Harris recht überzeugend konstruiert -- etwa den ständigen Widerstand osteuropäischer Partisanen gegen die Besatzer, der wirkungsvoller ist, als die deutsche Bevölkerung erfahren darf, oder die brachialen Umsiedlungsprogramme, mit denen das noch brachialer entvölkerte Osteuropa besiedelt werden soll. Auch, dass man sich im Ausland mit einer solch monströsen Regierung arrangiert hat, wirkt glaubhaft. Dennoch hat Harris an einigen Stellen in seiner Recherche geschlampt: Dass in einem endgültig konsolidierten europaweiten Nazireich die tschechische Automarke "Skoda" in tschechischer Schreibweise verbreitet sein könnte, kann nur einer annehmen, der außer Englisch keine Sprache beherrscht (für diese These spricht auch der Name des Ermittlers: Xavier March...), sodass ihm das nicht auffallen kann. Aber das ist der harmloseste Schnitzer. Schwerer wiegt, dass Harris der Versuchung nicht widerstehen konnte, den Leser durch Spielereien zu verblüffen: So gibt es auch in diesem imaginären Europa 1964 eine Europäische Gemeinschaft (vorzustellen als Vereinigung der Satellitenstaaten, die auf den Befehl aus Berlin warten). Das kann man vielleicht noch akzeptieren. Aber dass diese Nazi-geführte EG -- nun kommt's -- aus exakt 12 Staaten besteht, beweist, dass Harris seine eigene fiktive, hinten im Buch abgedruckte Europakarte nicht genau angeguckt hat. Es sind nämlich 13, aber damit wäre natürlich der Effekt dahin. Auch, dass Harris die deutsch-polnische Grenze von 1939 an die Oder-Neiße-Linie verlegt, zeugt nicht von stets akribischer Recherche. Tja -- und dann wundert man sich natürlich, woher die vielen Neusiedler im besetzten Osteuropa kommen sollen, und die 10 Millionen Berliner. So schnell kann sich die nationalsozialistische Familienpolitik ja doch nicht ausgewirkt haben.
Andererseits hat Harris die für seinen Roman relevanten historischen Fakten sehr genau recherchiert, sodass ich die erwähnten (und noch einige andere) Schnitzer nicht überbewerten will.
"Fatherland" ist ein beklemmender Krimi, und die Beklemmung (ein schwaches Wort hier) rührt nicht nur von der ungeheuerlichen Prämisse her, sondern fast noch mehr von der beklemmenden, überzeugend konstruierten Atmosphäre.
Beklemmend ist aber auch die Wahl des Sujets -- darf man aus dem Holocaust ein Krimi-Thema machen? Millionenfacher Mord als Sujet für Unterhaltungsliteratur? Wenn ich beim Lesen den Eindruck gehabt hätte, Harris habe eine beliebige Krimihandlung durch möglichst spektakuläre Versatzstücke aufpeppen wollen, dann würde ich diese Frage verneinen. Aber das kann man ihm nicht vorwerfen, und meinem Eindruck nach verharmlost er die Nazi-Diktatur auch nicht. Eher könnte ich mir vorstellen, dass aufgrund dieses Romans sich der ein oder andere Leser eingehender mit der deutschen Vergangenheit befasst, der das sonst nie getan hätte.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Fatherland, 26. Januar 2002
Thank God it's only fiction! This has benn my first and my last thought reading through the novel "Fatherland" by Robert Harris. This gripping, exciting and especially shocking story that is claimed to be alternate history because it is based on a past, which differs from ours because of a certain turn. Reading this novel, the reader has to face a powerful regime, reigned by Hitler after winning the Second World War. Only to imagine that the offspring of Hitler could still govern and oppress Germany frightens me, but Harris intensifies this feeling by integrating the question what might have happened if Germany has not been defeated into a well - plotted, well - written and believable fictive story. Believable, because the author creates this invented invented, very realistically seeming world and society before the reader's inner eye by describing every detail and avoidíng any incoherence which prevents the reader to immerse into this fictional world. While reading the novel, the reader is faced with the effects on the people in general, who are oppressed by the power of the NAzi regime, forced to live the way the Nazis stipulate it, always in the danger of being eavesdropped and with the feeling that you cannot trust everybody in this world of order and obedience. In addition to this, Harris manages it to depict the contemporary moral by showing every person hoping to please the regime, even if he has to betray his best friend as it is in the relationship between the protagonist Xavier March, an SS - Sturmbannführer with the Kripo of Berlin, and his companion Max Jaeger who turns out to be his enemy. Furthermore, Harris does not confine the plot to a description of the society in general but he also focuses the individual destiny of one man, doubting the regime and therefore being despised and threatened, by narrating a suspenseful and thrilling detective story. That is another reason why you have to keep on reading without any breaks. By creating this principal character, the reader is able to rip into tthe story, orienting on this man, falling in love, suffering because of the distance which is kept between him and his son, who lives with his mother, and trying to give his life a sense by unmasking the cruelty of the regime. All in all, I can say that the novel "Fatherland" is very gripping to read and alway indicating the questions: What would I have done if I was Xavier March? "Fatherland" is, although its plot is not based on the most witty idea, creating a new "German Reich" absolutely worth reading!!!
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