Fateless" erzählt vom Leidensweg des 15-jährigen Jungen György Koves (Marcell Nagy), der in die Vernichtungsmaschinerie der Nazis gerät, durch Zufall überlebt, innerlich und äußerlich schwer gezeichnet schließlich ins Nachkriegs-Budapest zurückkehrt.
Zu Beginn des Films sind die Juden in Budapest nicht sonderlich beunruhigt, als einige Männer ins Arbeitslager abtransportiert werden. Auch Györgys Vater wird abgeholt, nachdem er ein letztes Mal seine Familie zusammenführt, um Abschied von seinen Angehörigen zu nehmen. Der Junge selber muss in einer Fabrik am Stadtrand arbeiten. Eines morgens werden er und viele weitere Juden auf dem Weg zur Arbeit, trotz gültiger Passierscheine, verhaftet. Das ist der Beginn einer schrecklichen Odyssee, die für György durch die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Zeitz führt.
Der ungarische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Imre Kertész hatte sich lange Zeit geweigert, einer Verfilmung seines Bestsellers Roman eines Schicksallosen" zuzustimmen. Als Kameramann Lajos Koltai sich das Holocaust-Drama für sein Spielfilmdebüt aussuchte, änderte Kertész seine Meinung und war sogar gewillt, das Drehbuch zu schreiben. Aus diesem Grund hat er die Geschichte mit autobiografischen Einzelheiten angereichert. Auch Kertész durchlitt als Jugendlicher die Qualen in Auschwitz und Birkenau und versuchte mit seinem Roman das nicht Verstehbare des eigenen Schicksals zu benennen. Weil der Autor auch die Schuld der Ungarn am Mord ungarischer Juden thematisiert, war Kertész im Heimatland lange Zeit nicht geschätzt.
Mit einem Budget von 10 Millionen Euro ist die ungarisch-deutsch-englische Koproduktion der bisher teuerste ungarische Film. Die digitale Nachbearbeitung generiert monochrome Bilder, die im Widerspruch zum Dargestellten ästhetisch angenehm wirken.
Koltais Bemühen um Authentizität, hervorgerufen durch die Fixierung auf ein Einzelschicksal, funktioniert Dank exzellenter Schauspielleistungen. So versucht György seiner verständnislosen Umwelt klarzumachen, dass das Lager keine Hölle ist. Der Unterschied ist", sagt er, die Hölle gibt es nicht, das Lager schon."
Fazit: Die beklemmende, nicht distanzierte Sicht auf den Holocaust unterscheidet sich von Filmen wie Schindlers Liste" und Der Pianist" gewollt deutlich. Mag Ennio Morricones Filmmusik für manche eine Spur zu pathetisch geraten sein und an dessen alte Western-Scores erinnern, mag man dem Film auch vorwerfen, er nehme eine zu naiv-kindliche Perspektive ein, so ist Lajos Koltais Versuch einer ganz anderen Umsetzung der Holocaust-Thematik wirklich gelungen.