Einige Monate, nach dem Art Garfunkels viertes Album veröffentlicht worden war, hatte der Mann mit der einzigartigen Stimme einen Riesenhit mit dem wunderschönen "Bright Eyes" aus dem Soundtrack des Zeichentrickfilms "Watership Down" ("Unten am Fluss"). Und so kam es, dass FATE FOR BREAKFAST in zwei verschiedenen Ausgaben auf den Markt kam: zunächst ohne und dann mit "Bright Eyes".
Mike Batts opulent arrangierte Glanznummer passte nicht wirklich zu der Gesamtstimmung des Albums, aber das war den meisten Leuten nicht nur egal, sondern förderte im Gegenteil den Verkauf der Platte vor allen Dingen in Deutschland ganz ungemein. Heute, auf den CD-Ausgaben, ist der Titel ganz selbstverständlich enthalten.
Von "Bright Eyes" abgesehen, ist FATE FOR BREAKFAST eine zweischneidige Angelegenheit. Das Album beginnt mit gleich vier perfekt gespielten und arrangierten, gleichwohl ziemlich belanglosen easy-listening-Stücken, bevor dann mit dem himmlisch-traurigen "Miss You Nights" (drei Jahre zuvor ein Hit für Cliff Richard) endlich der von seinen Fans so geliebte 'wahre' Artie seinen Zauber zu verströmen beginnt. "Finally Found a Reason" und "Beyond the Tears" halten das hohe Niveau, bevor es mit dem schrecklichen Schlager "Oh How Happy" und dem nur textlich beeindruckenden "When Someone Doesn't Want You" wieder bergab geht.
Ganz zum Schluss kommt dann aber noch das Highlight dieses Albums: "Take Me Away" lebt nicht nur von Garfunkels großartigem Gesang und einer wunderschönen Melodie, sondern geht mit seinen genialen Breaks und dem streckenweise bombastischen Arrangement weiter als alles, was Artie jemals zuvor gemacht hatte. Man könnte gar meinen, der Song sei von John Miles' Klassiker "Music" beeinflusst und von Alan Parsons produziert worden. Prog Rock, Art Rock? Jedenfalls einsame Klasse - und das alles in vier Minuten!
Das mehrfach erwähnte "Bright Eyes" abgezogen, brachte es dieses Album übrigens auf eine Spielzeit von gerade einmal gut 35 Minuten, was selbst zu Zeiten der guten alten Langspielplatte und vor Erfindung der Compact Disc als ausgemachte Frechheit galt.
FATE FOR BREAKFAST ... DOUBT FOR DESSERT ('Schicksal zum Frühstück ... Zweifel zum Nachtisch'), so der eigentliche Titel der Platte, reiht sich nahtlos ein in die Reihe jener Alben von Art Garfunkel, deren beste Songs wie für die Ewigkeit gemacht zu sein scheinen, die aber auch eine ganze Reihe von allenfalls netten Nichtigkeiten aufzubieten haben. Vier Sterne - mit dem erklärten Wohlwollen eines ewigen Art-Garfunkel-Anhängers.