Dieser Film ist anspruchsvoller als es auf den ersten Blick erscheint. Zuerst ein netter Anfang: ein Paar im Urlaub, ein Ausflug in die Dünen. Ein Schlüsselmoment ist, als die junge Frau fragt, ob dies nun ein Abenteuer war. Was ist denn ein Abenteuer? Abenteuer erlebt man wohl kaum in der Sicherheit eines klimatisierten Hotels (oder in der Sicherheit eines Lebens in einer Blase). Im Abenteuer schwingt automatisch auch ein gewisses Wagnis mit. Plötzlich ist es da, das Leben. Unmittelbar und unberechenbar. Der junge Mann scheint mir nicht der Abenteuer-Typ zu sein. Seine Freundin möchte aber mehr. Dann taucht es ja auch plötzlich auf, das Abenteuer. In Form eines undurchsichtigen, unberechenbaren Fremden, faszinierend und abstoßend zugleich. Die Figuren in diesem Film sind für mich mehr Symbole der menschlichen Psyche im großen Lebensspiel mit all seinen Abgründen, Verlockungen und Verstockungen. Ich verstehe die Situation der jungen Leute als Initiation, und als Konflikt, der in ihnen selbst abläuft. War das schon alles? Studium, Job, normales Leben, langweilig? Sollte man der Faszination des Unbekannten nachgeben? Und dann doch auch wieder die Angst vor dem eigenen Mut. Die Angst, von diesem endlosen Schlund verschlungen zu werden. Und ist am Ende doch alles nur eine Fata Morgana gewesen? Eine Reise im eigenen Kopf? Ist der Fremde echt? Oder nur ein Produkt der Ängste, gepaart mit Sehnsüchten? Wo hört die Wirklichkeit auf und wo fängt der Traum an? Wissen wir das eigentlich so genau? Ist das überhaupt wichtig?
Ein doppelbödiger Film also. Damit er seine Wirkung entfalten kann, verlangt er vom Zuschauer ein Loslassen der bekannten Abenteuer-Klischees. Dann aber öffnet er ein unbekannte und fremde Weite, voller Abgründe, aber auch voller Schönheit und Stille.