Die meisten Frauen, so wie ich, können von einem solchen Garten wahrscheinlich nur träumen, denn wieviel hier blüht und gedeiht sucht seinesgleichen. In diesem hochwertigen Bildband werden 24 Frauen mit ihren grünen Oasen in Wort und Bild dargestellt. Die Texte stammen von Eva Kohlrusch, Kolumnistin der Zeitschrift BUNTE und selbst leidenschaftliche Gärtnerin, und die Fotos von dem Neuseeländer Gary Rogers. Es sind sowohl doppelseitige Großaufnahmen als auch Details, wie z.B. Blüten, im Buch enthalten.
Ein Garten kann bezaubern und entzücken angesichts farbenfroher Blütenpracht und harmonischer Farbkompositionen. Aber er verursacht auch Stunden über Stunden von Gartenarbeit beim Jäten, Hacken, Schneiden, Düngen, Mulchen, Mähen und Gießen. Für die 24 hier vorgestellten Frauen stellt ihr Garten eine Art Refugium - einen schöpferischen Rückzugsraum oder "Zimmer für sich allein" dar. Für Victoria Freifrau von dem Bussche beispielsweise, selbst Buchautorin, Schlossherrin und Gartengestalterin, war ihr Paradies ein Gemüsegarten mit kleinen Erdbeerfeld. Man findet ein Meer von blauem Rittersporn, pinkfarbenen Dahlien und rosa Rosen in ihrem Garten. Doch es muss nicht immer ein großer Garten sein, wie das Beispiel von Eva Demskis Frankurter Garten zeigt. Ihr jüngst erschienenes Buch heißt wohl nicht umsonst
Gartengeschichten. Von Eva Demski hat mir sehr gut gefallen
Mama Donau.
Selbst Planerin, hätte ich einen Plan, eine Übersicht oder eine Luftaufnahme des Gartens hilfreich gefunden, um Größe und Lage besser einschätzen zu können. Teilweise habe ich den Eindruck, es handelt sich um einen Schlosspark, wie z.B. bei Brigitte von Bochs Gartenbildern. Die Texte sind gefällig zu lesen mit Fokus auf die Frauen, weniger auf die Gärten gerichtet. Es geht hier eher um Stimmung und Bedeutung der Gärten für die Frauen, als um eine genaue Beschreibung derselben.
Die Autorin von
Suche impotenten Mann fürs Leben, Gaby Hauptmann, hat einen "Garten wie ein Schiff" am Bodensee. Auf den Fotos sieht man Balkon, Zugang zum Bootsanleger und eine lauschige Weinlaube. Die Fotos sind nicht immer aussagekräftig - teilweise hätte man das ein oder andere auch weggelassen können. Ingrid Noll wohnt in einem mit wilden Wein umrankten Haus und der hochgiftige Eisenhut fühlt sich bei der auflagenstärksten deutschen Krimiautorin am wohlsten. Ihr neues Buch
Ehrenwort erscheint im September.
Bei Ursula Schnitzke-Spijker aus Hessen leuchtet der Garten vor Farbenpracht: Kletterrosen, Pfingstrosen, Lobelien und Weidenröschen geben den Farbton an. Symmetrie und Üppigkeit machen ihren Garten aus. Wieder einen ganz anderen Charakter hat der Garten von Uschi Dämmrich Freifrau von Luttiz: weitläufig, mit "großem Atem" - ein Innenhof, ein Bachlauf, zwei Wasserbecken und steinerne Hunde am Eingang. Bei Claudia Wolfs "geliebter Wildnis" überwiegen die Farbtöne rosa und violett. Die Beispiele von Ann-Katrin Bauknecht und Liz Mohn wirken sehr mondän. Mir gefallen die urwüchsigen Gärten von Ilka Mahro, Frederike Frei oder Anke Kuhbier besser: da sieht man auch einmal eine Apfelkiste und gewissen Wildwuchs.
Nun sei zum Schluss die Frage gestellt: sind es die Frauen, die hier faszinieren oder nicht eher doch die Gärten? Ich hätte das Buch "24 Frauen und ihre faszinierenden Gärten" genannt.