Laufen? Gar einen Marathon ?? Nein! Bisher jedenfalls nicht. Um zu laufen, muß ich einem Ball hinterjagen können (ja ja, der Hund und die Wurst...). Und doch: "Faszination Marathon" hat mich gepackt.
Zunächst: Es ist ein großartiges Bilderbuch. Die Auswahl und die Anordnung der Photographien sind derart geschickt, daß der Betrachter über die Aufnahmen (z.T. schwarz-weiß, z.T. farbenprächtig) in den Text hineingezogen wird.
Die Laufikone Kathrine Switzer, die sich große Verdienste um die Zulassung der Frauen zum Marathon erwarb und die selbst 1974 den New-York-Marathon gewann, hat in ihrem Ehemann Roger Robinson, Weltklasseläufer und emeritierter Professor, einen kongenialen Co-Autor, der v.a. für die in diesem Metier ungewöhnlich elegante Textsprache verantwortlich zeichnet.
In 26 Kapiteln wird der Leser von den Anfängen in der Antike bis ins Ziel eines Marathonlaufes geführt, wobei er keine Gefahr läuft, außer Atem zu geraten. So mancher Leser wird sein Wissen ergänzen können oder auch revidieren müssen. Beispiele: Den berühmten Lauf von Marathon nach Athen mit der Siegesnachricht im Krieg gegen die Perser und dem Tod des erschöpften Läufers - eine Erfindung von Plutarch. Die Distanz? 42,195 Meter (seit 1909) ist ebenso willkürlich wie die 18 Löcher oder 14 Schläger im Golf. Jetzt weiß ich auch, was es bedeutet, "an die Wand zu laufen" oder warum die äthiopischen und kenianischen Langstreckenläufer aus der ostafrikanischen Region Rift Valley so unglaublich erfolgreich sind...
"Einen Marathon zu beenden heißt, ein Stückchen Unsterblichkeit zu erlangen" - nun ja... Jedenfalls: ein hervorragendes Werk, das mit dem Wust der auf dem Sportbuchmarkt zahlreich vertretenen, oft fast unlesbaren Laufbücher nichts gemein hat.