Ich möchte mal wissen, wie dieses Buch entstanden ist. Da wird sich jemand beim Verlag gedacht haben: "Oh, den Daniel Fehring, den kennen die Leute ja wohl aus dem Fernsehen. Das werden die Leute kaufen!" Anders kann ich mir nicht erklären, wie dieses Werk überhaupt in den Druck gehen konnte. Und nein, mir war die Person Daniel Fehring vorher nicht bekannt. Dafür weiß ich jetzt aber mehr über Herrn Fehring als mir lieb ist. Doch dazu gleich mehr.
Das der Preis mit 29,90 für 208 Seiten (laut Verlag) recht sportlich ist, war mir vor dem Kauf bereits klar. Lässt man die Werbung am Ende weg, sind es nur noch 197 Seiten. Und das erste Kapitel beginnt erst auf Seite 12. Na gut, damit kann ich ja noch leben, wenn der Inhalt stimmen würde. Tut er aber nicht.
Das fängt im Vorwort an, wo der Autor schreibt: "[...] der autobiografische Teil, der zugegebenermaßen recht umfangreich ausgefallen ist, war für mich eine Therapie [...]". Bitte was? Andere Menschen zahlen Geld für eine Therapie. Denn der autobiografische Teil ist mit 35 Seiten durchaus nicht unerheblich bei diesem dünnen Buch. Aber eigentlich wollte ich was über Forex lesen, denn deswegen habe ich dieses Buch gekauft. Aber da wurde ich enttäuscht. Bundeswehrzeit, Fallschirmspringen, Scheidung, Golfen. Alles da. Aber: es interessiert mich nicht! Hätte der Titel oder zumindest der Klappentext einen Hinweis darauf geliefert, dass sich der Autor selbst darstellen möchte, wäre das ja unter Umständen noch okay gewesen. Dem ist aber nicht so. Statt dessen, wird da vollmundig unter anderem zwei komplette Handelssysteme angepriesen. Dass das eine Handelssystem auf 4 mageren Seiten abgehandelt wird, fand ich persönlich ein bißchen zu wenig.
Das sind für mich die größten Kritikpunkte. Dann gibt es aber noch eine Reihe weiterer Kleinigkeiten:
- ein extrem flapsiger Schreibstil. Der verwendete "Kumpelstil" hat meines Erachtens nach nichts in Fachbüchern verloren.
- Subjektivität. Sicherlich ist es schwer, komplette Objektivität zu wahren. Aber die Verbitterung des Autors ist zwischen den Zeilen deutlich herauszulesen. Sei es, wenn er sich darüber auslässt, dass früher alles besser war, als es noch keine Derivate gab und "nicht jeder Schrott" gehandelt werden konnte oder auch über die Politik und die Finanzbranche im Allgemeinen.
- kein Index. Ob man bei dem kurzen Buch einen benötigt, sei mal dahingestellt. Aber ein Fachbuch ohne Index? Vielleicht hätte man da den einen oder anderen irrelevanten Lückenfüller weglassen können.
- pauschalisierende Aussagen. "Sollten Sie [...] glauben, mit unter 1000 Euro im Monat klarkommen zu können, sage ich Ihnen: Das funktioniert nicht." Na, dann ist es ja gut, dass jeder in unserer Gesellschaft mehr als 1000 Euro im Monat zur Verfügung hat. Auch die Aussagen, dass man mindestens 5000 Euro einsetzen muss, um Hobbymäßig Forex zu handeln, konnte ich nicht nachvollziehen.
- das Kapitel über automatische Handelssystem nennt nicht ein einziges namentliches Beispiel! Dafür aber ganz viele Warnungen, dass die meisten Handelssyteme Schund sind und nur ganz wenige ihr Geld wert sind.
In meinen Augen gibt es noch ein paar mehr Punkte, die ich ärgerlich finde, aber gibt es auch was Gutes? Ja, gibt es. Der Teil, wo sich der Autor dann doch mit dem eigentlichen Thema beschäftigt, ist durchaus lesenswert. Nur war mir das insgesamt zu wenig.
Was bleibt ist ein ganz schaler Nachgeschmack und der Wunsch, diesem Buch nur einen Stern für seinen Gesamteindruck zu geben. Da aber ein Viertel des Buches gar nicht schlecht ist (dem Teil würde ich 4 Sterne geben), gibt es von mir 2 Sterne insgesamt.