Also, warum sich hier zwei Rezensionen zu "Die Reise nach Petuschki" tummeln, kann ich mir nicht erklären, da werden die Amazonen a bissl was z'sammengewürfelt hobn... Damit sich der geneigte Interessent etwas unter dem Buch "Fast wia im richtigen Leben" vorstellen kann, fühlte ich mich nun bemüßigt, über eben dieses zu renzensieren...
Wer die Fernsehserie "Fast wia im richtigen Leben" kennt, dem brauch ich nix zu sogn: Viele Geschichten wurden in Drehbuchformat niedergeschrieben, u.a. "Warten auf Dillinger", "Ausgehvorbereitungen", "Diese unsere Welt", "Im Amt", "Ein Sanierer", "Der Humorist beim Finanzamt", "Der Freitagabendzug" und "Die Bunkerführung". Besonders bei Letzterem ist mir eine kleine Kürzung aufgefallen, denn im Buch fehlt irgendwie das Nagetier, das es "z'ammenghaut hat". ;-) Es sind freilich nicht alle Geschichten aus der Serie niedergeschrieben worden, dafür wären 187 Seiten auch zu kurz. Unbekannt dagegen kamen mir im Rahmen der Kultserie z.B. "Im Kaufhauslift" und "Eddi Finger oder Advent" vor - die waren zumindest für mich neu.
Standesgemäß sind die Geschichten natürlich im bayerischen Dialekt zu lesen - ich als waschechter Preuße brauchte zwar meine Eingewöhnungszeit, aber da ich eben die Serie schon kenne und dem Bayrischen aus Sympathie a bissl mächtig bin, störte es mich nicht im Lesefluss - im Gegenteil: ich entdeckte völlig neue Nuancen und musste im Zusammenspiel mit den mir im Gedächtnis haftenden Bildern fast unentwegt Schmunzeln... :D
Für diejenigen, die die Serie nicht gesehen haben: Ja, der Sprachstil ist gewöhnungsbedürftig! Dennoch ist Polt eine Entdeckunsgreise der Sprache südlich des Weißwurstäquators wert, denn derartig pointiert hat es meiner Meinung nach selten ein Kabarettist geschafft, den Alltag in Deutschland widerzuspiegeln! Auch wenn "Fast wia im richtigen Leben" schon einige Jahre auf dem Buckel hat, sind die "alltäglichen Geschichten" fast schon beängstigend real. Polt hält uns den Spiegel vor's Gesicht: Es geht um Angst vor Atomkraft, Reaktorunfällen, "Bewaffnung" eines Ehepaars, bevor es todesmutig nachts um 23 Uhr den Heimweg durch die Innenstadt antritt, Gastarbeiter und Beamtentum - das alles aber derart bissig, daß einem das ein oder andere Mal das Lachen im Halse steckenbleibt. Ergo: Polt macht verdammt viel Spaß!