"Ich habe heute viele Briefe bekommen, deinen lese ich als letzten. Ich hoffe, er enthält das, worauf ich warte." Lungenkrank im Sanatorium und noch verliebt in einen Mann, dessen Verhalten sie ängstigt, mit Furcht um das Ende ihrer Liebe. Und dieser Brief, den sie als letztes liest, beginnt: "Ich heirate, ... unsere Freundschaft bleibt." Das Buch beginnt hier, als einzigartiger Brief an ihren Geliebten, nicht anklagend, feststellend und klar versucht sie ihre Position zu finden und zu definieren. So erkennt sie, dass der Wunsch, "nicht enttäuschen wollen", nur einer Unehrlichkeit entspringt, "du willst mir nicht zeigen wer du bist!". Ihre persönliche Diskussion um das Für und Wider dieser Beziehung ist geprägt von deutlicher Sachlichkeit, gepaart nicht widersprüchlich mit hindurchströmender Liebe und den sich daraus ergebenden Wünschen. Aber es bleibt: "soll ich an dir oder an der Liebe zweifeln?" Und den Verdacht, den sie ihm zuspricht, er fühle sich nur mittelmäßig, verdrängt sie. Ihr war immer am liebsten was von ihm kam.
Dieser Brief ist der Versuch eines Verstehen wollens einer nicht umkehrbaren Situation. Er ist der deutliche Vergleich zwischen Liebe und Freundschaft und er ist die Entlarvung männlicher Sichtweisen bei Freundschaft durch die Sachlogik dieser Frau.
"Der Rest Hoffnung, eine bereits vergangene Illusion wieder zu finden, ist töricht. Denn nichts beginnt von vorn." Und so bleibt sie bei der Trennung für sich, dem nicht wieder sehen wollen, solange ein Rest Liebe sie bewegt. Hier sieht man das Paradoxe, dass sie umgibt. Klarheit reicht für den Augenblick und wechselt. Der Taumel in den Gefühlen bewegt den Leser gleich mit.
Es ist schade, dass dieses das einzige Buch von Sauvageot ist. Sie starb an ihrer Krankheit in dem Wissen, das ein nicht abgeschickter Brief den Adressaten erreicht.
Posthum und damit unumstößlich sind ihre Gedanken an den Geliebten, - für immer ohne Antwort blieben seine / bleiben des Lesers mögliche Fragen.