... schrieb schon die russische Ärztin und Leiterin der medizinischen Auswahlkommission für die sowjetischen Kosmonauten, Dr. Galina Schatalova in ihrem gleichnamigen Buch. Der hier vorliegende Film "Fast Food Nation" von Richard Linklater wirkt ein wenig wie die Verfilmung eines Gesprächs seiner "Before Sunrise" Figuren Celine und Jesse (dessen Darsteller Ethan Hawke hier auch dabei ist) über Dinge, die auf diesem Planeten schief laufen.
In diesem Fall geht es um die US-amerikanische Fleischindustrie im Süden der Vereinigten Staaten, die mit mexikanischen illegal eingewanderten Hilfskräften tonnenweise hochgradig mit Fäkalien belastete Burger produziert, die auf Arbeitssicherheit der Hilfskräfte ebenso keinen Wert legt, wie auf die artgerechte Haltung der Tiere. Es geht einfach nur um Profitmaximierung um jeden Preis.
Linklater zeigt dieses Dilemma aus drei verschiedenen Perspektiven: Zunächst die der illegalen Einwanderer aus Mexiko, wobei anhand eines in der Wüste verdurstenden jungen Mannes sichtbar wird, wie menschenverachtend das Schleuserbusiness hier wie anderswo funktioniert. Aber auch die Überlebenden sind keineswegs fein raus: Sexuelle Übergriffe durch Vorarbeiter Mike (passend skrupellos: Bobby Cannavale), Arbeitsunfälle, die dann auch noch den Arbeitern in die Schuhe geschoben werden (wie dem beide Beine verlierenden Raúl (erst naiv, später resigniert: Wilmer Valderrama) und unwürdige Arbeitsbedingungen wie sie vor allem im letzten Teil des Films in der Szene mit Sylvia (zutiefst berührend: Catalina Sandino Moreno, auch bekannt aus "Paris je t'aime" und "Maria voll der Gnaden") im Schlachthof, wo sie Gestank, Geschrei und Gemetzel unmittelbar miterlebt und in Tränen ausbricht.
Die zweite Perspektive ist die des Marketingchefs der Fast-Food-Kette "Mickey's" Don Henderson (realistisch angepasst verkörpert von Greg Kinnear aus "Besser geht's nicht" & "Little Miss Sunshine"), der die Qualität der Burger kontrollieren und die Ursachen für den hohen Anteil an Kolibakterien (O-Ton des Konzernchefs: "Scheiße in den Burgern") herausfinden und letztlich vertuschen soll, wobei ihm in Person von Harry (der Rolle entsprechend als arroganter Zyniker: Bruce Willis) und Rudy (Kris Kristofferson) klar wird, dass seine Firma die Zusammenhänge nicht nur kennt, sondern auch ursächlich dafür verantwortlich ist.
Die dritte Perspektive ist die der jungen Amber (Ashley Johnson aus "Was Frauen wollen"), die mit ihrer Mutter Cindy (mit dem Mut zur beschränkten Weltsicht: Patricia Arquette) ein finanziell begrenztes und unbewusstes Leben zwischen Job im örtlichen "Mickey's" und zu Hause eingenommenem Fertigessen aus der Mikrowelle führt, bis ihr Onkel Pete (Ethan Hawke ganz in Manier der "Before ..." Filme) ihr provozierend und liebevoll die Augen öffnet, so dass Amber den Job kündigt und sich einer Aktivistengruppe um Alice (gespielt von der kanadischen Sängerin Avril Lavigne) anschließt, die sich dessen bewusst werden, dass nach dem sogenannten "Patriot Act" in den USA eine Aktion gegen die örtliche Fleischfabrik ausreicht um als Terrorist für 10 Jahre eingesperrt zu werden.
Fazit: Nicht nur die Top-Besetzung macht den Film sehenswert, der auf unterhaltsame Weise Inhalt und Botschaft verbindet. Dass diese Haltung durchaus ernst gemeint ist, wird auch deutlich, wenn man sich die Website zum Film anschaut, auf der sogar Unterrichtsmaterial in Form eines 28-seitigen zum runterladen bereitstehenden Filmhefts zu finden ist.
Schließen möchte ich mit einem Zitat von Christian Rohde, Autor der NDR-Beiträge 'Ware Tier' (2006): '"Natürlich ist Biozeug teurer, aber ich esse auch weniger. Muss man jeden Tag Fleisch essen? Nein, das muss man nicht. Aber, wenn man das will, muss man akzeptieren, dass die Tiere nicht auf der Wiese leben, denn so viele Tiere, wie wir essen, können gar nicht auf Wiesen leben."