Fashion Pre-Sale Hier klicken BildBestseller Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More Samsung AddWash Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic GC FS16

Kundenrezensionen

3,5 von 5 Sternen234
3,5 von 5 Sternen
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 12. Februar 2013
Faserland ist ein Werk, bei dem man zwischen den Zeilen lesen und auf die leisen Töne achten muss, um es in seiner Vielschichtigkeit angemessen zu verstehen. Im ersten Moment ist jeder sicherlich irritiert von diesem namenlosen Ich-Erzähler, der arrogant und selbstgefällig durch Deutschland reist, säuft und raucht von Party zu Party; eine Welt, die nur aus Markenartikeln besteht. Wer das Werk nur auf dieser Ebene versteht, dem entgeht, dass in Faserland gerade die Flucht aus diesem snobistischen Milieu, in dem es keine echten Freundschaften gibt und die Menschen innerlich leer und einsam sind, dargestellt wird. Daher verbrennt der Ich-Erzähler ja auch die symbolträchtige Barbourjacke auf dem Frankfurter Flughafen. Ebenso im Gespräch mit seinem Freund Rollo, der kurz darauf mit Drogen vollgepumpt in einem See ertrinkt, ist dem Ich-Erzähler völlig klar, was echte Freundschaft wäre und er weiß, dass er selbst nicht fähig ist, ein solcher Freund zu sein. Insofern entpuppt sich die Reise des ich-Erzählers als Suche nach sich selbst und als Kritik an einem bestimmten Lebensstil; letztlich als Flucht.
Bei dieser Reise beschreibt der Ich-Erzähler wunderbar ironisch-sarkastisch Deutschland und seine Menschen: eine ehrliche und schön politisch unkorrekte Kritik: Faserland - Fatherland - Vaterland. Jedesmal, wenn ich mit einem ICE fahre, muss ich z.B. an die Textstelle denken, in der der Ich-Erzähler sich über den Ausdruck "Bordtreff" aufregt und sich überlegt, welche Designer mit bunten Brillen und Armani-Sakkos sich den blöden Begriff ausgedacht, dafür Millionen kassiert haben und jetzt Rotwein in der Toskana trinken!

Insofern halte ich Faserland wirklich für ein großartiges, vielschichtiges Werk und ich kann alle nur bitten, auch zwischen den Zeilen zu lesen und das Buch nicht voreilig wegzulegen!
0Kommentar|26 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Oktober 2013
„Faserland“ liest sich schnell und wird doch ermüdend, weil überhaupt nichts passiert, jedenfalls nichts wirklich Spannendes. Der Erzähler ist ein junger Mann, der quer durch Deutschland reist. Er trifft auf alte Bekannte, geht auf Partys, trinkt viel, und scheint sich auf einer Art Sinnsuche zu befinden. Die häufigsten Ausdrücke hier sind „ich meine“, „irgendwie“ und „ich kann das nicht genau beschreiben“. So entsteht leicht der Eindruck, der Roman sage überhaupt nichts aus. Ob er etwas aussagt, hängt ganz davon ab, wie man ihn liest.

Hier wird ein Lebensgefühl beschrieben, das nicht jeder nachvollziehen kann, beschrieben auf eine überheblich-respektlose Art, die provokant sein will und das auch schafft. Die Fülle an Kritiken und Sekundärliteratur zu diesem Roman scheint angesichts seines bescheidenen Umfangs und der saloppen Schreibweise seines Autors völlig überzogen und schraubt beim Leser die Erwartungen in die Höhe. So kommt es, dass die einen in „Faserland“ ein Meisterwerk der zeitgenössischen deutschen Literatur sehen, die anderen ein zu Unrecht gehyptes Sch…buch.

Deshalb ist es am besten, man liest den Roman selbst, bevor man irgendetwas über ihn liest. Viel Zeit erfordert das eh nicht. Es ist auch empfehlenswert, ihn nicht in einer Sitzung, sondern Stück für Stück zu lesen, um ihn wirken zu lassen. Vielleicht wirkt er gar nicht, dann sollte man ihn aus der Hand legen. Wahrscheinlicher ist aber, dass er wirkt und einen zum Nachdenken bringt, selbst wenn man ihn ganz schrecklich findet. Über das, was einem gegen den Strich geht, denkt man sowieso mehr nach als über das, was einem gefällt.

Es ist sehr einfach, „Faserland“ nicht zu mögen, was hauptsächlich am Erzähler liegt. Der ist nämlich unsympathisch, oft unsympathischer als die Leute, die er trifft, und die er selbst unsympathisch findet. Diese oberflächliche Kotzbrockenhaftigkeit verdeckt aber einen sensiblen, verlorenen Menschen, der seine Umwelt scharf beobachtet und gelegentlich an ihr zu zerbrechen droht. Eine Auflehnung findet nicht statt, der Erzähler bleibt irritierend passiv. Kracht gelingt es, ein diffuses Befinden einzufangen und auf den Punkt zu bringen, eine endgültige Aussage jedoch kategorisch zu verweigern. Das verleiht „Faserland“ eine eigentümliche Melancholie, manchmal auch Schönheit.

Aber das ist nur eine von vielen Lesarten. Dass „Faserland“ mit gerade mal 160 Seiten und einer scheinbaren Nicht-Aussage so unterschiedliche Reaktionen hervorruft, macht den Roman allemal lesenswert. Ob er auch gut ist, mag dann jeder für sich entscheiden. Mir hat er gefallen.
11 Kommentar|9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. August 2014
Es ist wirklich nicht erstaunlich, warum dieser Roman, „Faserland“, bei seinem Erscheinen 1995 auf ein geteiltes, in der Tendenz negatives Echo stieß. Da kommt dieser junge Christian Kracht, aus offenbar wohlhabendem Hause stammend und ist für den in Eindeutigkeit verliebten deutschen Literaturbetrieb eine einzige Irritation. Konventionelles Autorengehabe verweigert er ebenso wie konsistente und daher leicht verdauliche Selbstauskünfte in Interviews. Er provoziert. Und zwar zuallererst durch seinen Erstlingsroman, in dem er einen Endzwanziger durch ein wohlstandskaputtes, tatsächlich widerwärtiges Deutschland bis hinunter in die Schweiz reisen lässt. Hilflos attributierte man den Roman mit Oberflächlichkeiten wie „Schnöseltum“, „Markenfetischismus“ oder, allen Ernstes, „nicht gesellschaftskritisch“. Vor allem aber eins war der Roman angeblich, damals, 1995: „Pop-Literatur“.
Nun gibt es bei Christian Kracht keine Zufälle. So zupft er sich etwa für jeden Fernsehauftritt säuberlich den rechten Hemdkragen in Unordnung. Und wenn auf dem Klappenumschlag der gebundenen Ausgabe zu lesen ist „Als Geburt der Popliteratur in Deutschland wurde Krachts schnoddrig-verzweifeltes Debüt bezeichnet. Es war nicht ihre Geburt, es war ihre Hinrichtung“, dann nur, weil der Autor es so wünschte. Vielleicht wünschte er es, weil es wahr ist. Und vielleicht auch, weil es belegt, dass Christian Kracht den auf ihn folgenden Pop-Literaten intellektuell schon enteilt war, als diese gerade mal zur Startlinie schritten. Dass Kollegen wie Kritiker dies nicht bemerkten, hängt mit einer spezifischen Qualität aller Bücher Christian Krachts zusammen: An ihrer Oberfläche sind sie Unterhaltungsliteratur, und zwar im Wortsinne. Sie unterhalten. Doch je tiefer man gräbt und bohrt, desto brüchiger werden alle Gewissheiten, die man über Text und Autor zu haben meint.

Schulliteratur
„Faserland“ hat eine geradezu einmalige Rezeptionsgeschichte erfahren: Vom Totalverriss zur Abiturlektüre. Und das in wenigen Jahren. Vielleicht wurde die grandiose Rollenprosa von „Faserland“ erst registriert, als Christian Kracht mit „1979“ bewies, das vielleicht eleganteste Deutsch unserer Gegenwartsliteratur zu schreiben. Und vielleicht musste es eben Jahre dauern, bis die Rezeption dieses Buches – ganz so, als wäre es mit einem Zeitzünder versehen – nicht mehr dessen Oberflächlichkeit bemängelte, sondern sich an dessen, potenziell endloser, Vielschichtigkeit die Zähne ausbiss. Das beginnt schon beim Titel. Er enthält Anklänge an den Roman „Fatherland“. Ebenso kann man an die Fasern der distinguierenden Kleidungsstücke denken. Das Wort „faseln“ liegt nahe. Und was heißt das eigentlich, wenn eine ganze Gesellschaft „zerfasert“?
Man möchte auf viele Aspekte eingehen. Sei es die Konstruktion des unzuverlässigen, sich in Widersprüche verwickelnden Ich-Erzählers. Das verwinkelte Verwirrspiel aus Hoch- und Popkultur, das sich schon in den vorangestellten Zitaten spiegelt. Die Sexualität des Ich-Erzählers. Die verdrängte Nazi-Vergangenheit, die fortwährend in die Gegenwart sticht wie der Dolch Görings. Oder die bereits in diesem Buch versammelten Leitmotive der späteren Bücher Krachts: Die Reise; die Abstinenz von oder die Suche nach Autoritäten; das Motiv des Verschwindens, oder (und dazu gibt es bei „Faserland“ wahrlich Grund) um es mit Thomas Mann zu sagen: Das der Welt abhanden kommen.
Wichtiger aber erscheint mir, auf zwei Aspekete einzugehen, die für meinen bescheidenen Literaturverstand in „Faserland“ aufkommen und als Konstanten das Werk Christian Krachts durchziehen, weil er sie – und das will etwas heißen bei ihm – noch nicht relativiert hat: Die Ambivalenz als Prinzip und das Motiv der scheiternden Moderne.

Ambivalenz
Im Buch taucht Wim Wenders mit dem Film „Der Himmel über Berlin“ auf. Der Ich-Erzähler findet den Regisseur ziemlich unerträglich – und die Eröffnungsszene seiner filmischen Großtat erinnert ihn an Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“. Und so fragt er den Maestro, ob er „sich das bei Riefenstahl abgeguckt hat, oder ob er das irgendwie ironisch meint.“ Es ist geradezu gespenstisch, dass im Zuge des Literaturskandals um „Imperium“ exakt diese Frage an Christian Kracht gestellt wurde: Wenn der Autor mit Deutschtum, Kolonialismus oder Nazi-Sekten kokettiert, meint er das dann ernst oder ironisch?
Und wie ist das, wenn er in „Faserland“ SPD-Nazis, Betriebsräte, politisch engagierte Frauen, Taxifahrer, Werbefuzzis, Rentner, Junkies oder eben Wim Wenders beschimpft? Ist das ästhetisch motivierter Amoralismus? Oder ein Spiel? Die für mich tauglichste Antwort: Beides zugleich.
Die meisten Leser werden die Anklagen des Ich-Erzählers teilweise verstehen. Die beigefarbenen Gewerkschaftersakkos, unerträgliche Weltverbesserer, Sprachkatastrophen wie „Bord-Treff“ oder „Eskalationsspirale“ – all das existiert bis heute fort. Und zugleich werden die meisten Leser die offensichtliche Amoralität des Ich-Erzählers – der ganz selbstverständlich klaut, säuft und „Freunde“ dem Tod überantwortet – nicht teilen, nicht ernst nehmen können. Das Buch entzieht sich also einer eindeutigen Aussage. Und zwar genauso, wie Christian Kracht sich jeder eindeutigen Aussage entzieht. Etwa, wenn er Interviews dann besonders gelungen findet, wenn sie „ein bestehendes Bild“ von ihm „zertrümmern“.

Scheiternde Moderne
Und dennoch sucht man bei aller Ambivalenz nach einer Kontinuität in Werk und Leben des Autors. Für mich liegt sie im zweiten Aspekt verborgen: Der unkonstruktiven Absage an die Moderne. Einer Absage, die sich bereits in „Faserland“ abzeichnet. Denn das Deutschland dieses Buches, das moderne Deutschland, ist von Grund auf kaputt – allen voran das geschilderte Milieu: Fortwährend wird geredet, aber nichts gesagt. Einmal heißt es: „Das ist das Gute an ihr, dass man hinhören kann oder nicht, und beides ist genau gleich viel wert, im Endeffekt.“ Folgerichtig werden uns die Nigels, Alexanders und Rollos dieses Buches zwar als „Freunde“ vorgestellt, aber keiner von ihnen bleibt es länger als ein Kapitel. Diese private Tristesse korrespondiert mit der gesellschaftlichen: ICE’s, Flughäfen, Taxis, Industrie, Marken, guter Geschmack, schlechter Geschmack – alles da. Und alles nichts.
Es wäre ganz einfach gewesen, den Ich-Erzähler vor diesem Hintergrund als Ästheten zu etablieren, der sich aus diesem Moloch mit Kunst, Kultur und Aufrichtigkeit befreit. Und zugleich wäre es vollkommen unglaubwürdig gewesen. Der Protagonist steht selbst in dem Sumpf, dessen Gestank ihm unerträglich ist. Wie wir alle. Es sei denn, wir klammern uns hilflos an Weltverbessererutopien wie die klägliche Romanfigur Varna.
Und eben hierin liegt die werkimmanente Kontinuität: In „1979“ wird die westliche Moderne von der Theokratie im Iran und dem Kommunismus in China abgelöst. In „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ wird die Entwicklung der Moderne in einer Parallelweltgeschichte kurzerhand abgebrochen. Genauso wie in „Imperium“, und zwar von August Engelhardt auf der Insel Kabakon.
Allein: All diese Versuche aus der westlichen Moderne auszusteigen, sind nicht nur zum Scheitern verurteilt – sie potenzieren die Schrecken der Moderne sogar noch weiter. Es ist daher kein Wunder, dass der Protagonist von „Faserland“ eine Gegenwelt nur mithilfe seiner Fantasie (etwa als Rückblick in die Kindheit oder mit Aussteigerfantasien wie einem Leben in den Bergen) imaginieren kann. Dass er sich nicht, wie ebenjene Varna, im Dienste einer scheiternden Utopie gegen die Moderne auflehnt. Kurzum: Dass er lieber auf den dunklen Zürichsee hinausrudert und aus der Moderne verschwindet. Ganz so wie Christian Kracht, wenn er sagt: „Ich persönlich habe mich immer eher bemüht, zu verschwinden, leise zu sein und zum Beispiel nicht Auto zu fahren, aus Protest.“

Fazit
„Faserland“ ist aus zwei Gründen zu empfehlen. Erstens, weil es ein durch und durch faszinierendes Buch ist, das zahllose Spuren auslegt, denen man nachgehen kann. Oder auch nicht – dann allerdings hat man jedenfalls einen äußerst kurzweiligen und gut geschriebenen Text gelesen.
Und zweitens, weil man mit einer Lektüre Christian Krachts als Zeitgenosse an der Entstehung eines Werks teilhaben kann, das womöglich einmal kanonischen Charakter annehmen wird. Christian Krachts literarische Bedeuting ist schon heute kaum zu überschätzen. Und wer sich persönlich von ihr überzeugen will, sollte„Faserland“ zum Ausgangspunkt nehmen. Denn die meisten Schlüsselmotive der folgenden, gleichfalls empfehlenswerten Romane sind hier bereits enthalten.
Im Übrigen sei noch auf den Film „Finsterworld“ verwiesen, den Christian Kracht mit seiner Frau Frauke Finsterwalder geschrieben hat. Er stellt in vielerlei Hinsicht eine Anknüpfung zu „Faserland“ dar und ist jedem zu empfehlen, der noch immer unsicher ist, ob er an den literarischen Reisen Christian Krachts teilnehmen soll. Es lohnt sich – und das nicht nur, weil all die anderen, „weil solche wie Wim Wenders eh nur große A*****säcke“ sind.
0Kommentar|17 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Januar 2015
Ich weiß ja auch nicht, warum man immer nur so einen Schund zu lesen bekommt, wenn man sich im Deutschunterricht einem literarischen Werk hingeben muss...aber das ist einfach nur lächerlich... Okay, Christian Kracht schreibt sehr merkwürdig in dem Roman, da es wirkt, wie die wirren Gedanken eines Menschen und da ist er auch ganz gut dabei, aber der Inhalt schaft es nur durch manch lustige Worte, grade schmutzige Worte, einen zum weiterlesen zu bringen.
Bitte Kultusministerium in dieser Welt gibt es Millionen von Büchern, die besser sind und vorallem interessanter...warum dürfen wir denn nicht einmal einen Fantasyroman lesen oder SciFi oder ähnliches...
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. September 2015
Das Thema wurde schon öfter literarisch behandelt. ein junger Mann, der Geld genug hat um nicht arbeiten zu müssen, kommt mit dem Leben nicht zurecht. Auch seine Freunde sind alle nicht mental gesund. Natürlich scheinen es wieder die Elltern zu sein, die sich nicht genug persönlich um die Kinder kümmerten, dass er so wurde wie er ist. Alles ist sehr triste. Der Protagonist hält sich öfter nicht an allgemeine Regeln, und windert sich, dass keiner ihn zu mögen scheint. Aber Alkohol und Zigaretten halten ihn aufrecht. Man will dieses Buch öfter niederlegen und nicht weiter lesen. Ich werde es nie wieder anfassen. Aber es ist gut geschrieben, sonst hätte es mich nicht so aufgeregt.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Februar 2014
Das Buch an sich ist nett zu lesen, was man in den Nineties halt so für brauchbare Literatur hielt, drei Sterne würde ich vergeben.
[Gernot Hassknecht Wutmodus an]
Aber welche Kultusmatschhirne kamen auf die bescheuerte Idee, dieses Machwerk als Pflichtlektüre für Schüler vorzuschreiben ? PFLICHTLEKTÜRE ! Das soll beispielhaft für die Literatur der 1990er sein ? Ich meine, da haben sich die staatsversorgten Germanistenopis gedacht, Bret Easton Ellis is nu leider kein Deutscher, dann nehmen wir halt diesen Zeitgeistdichter für ganz ganz Arme ! Und nun werden Heerscharen von Schülern mit Markennamen traktiert, die heute völlig zu Recht keine Sau mehr kennt und mit Erzählungen aus einem Deutschland, das - dem Herrn seis getrommelt und gepfiffen - seit knapp zwanzig Jahren auf dem Müllhaufen der Geschichte verrottet. Und das keiner vermisst. Und das keiner jemals wieder zum Leben erwecken wollte und sollte.
Mal ehrlich, Ihr Schulbürokraten, wann schafft Ihr es endlich mal, Eure Schüler mit Lesestoff zu versorgen, der Qualität mit Bezug zum Leben Eurer Opfer verbindet und der nicht schon stinkt wie ein alter Fisch wenn er erstmals in den Lehrplänen auftaucht. Wie wär's zum Beispiel mit "Als wir träumten" von Clemens Meyer anstatt eines solchen literarischen Blindgängers von vorgestern ?
Aber dann würde sich vielleicht irgendwann einmal ein Schüler für Literatur zu begeistern beginnen statt von Euresgleichen für immer vergrätzt zu werden. Und das ist ja nicht Eure Stellenbeschreibung...
0Kommentar|10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Juni 2000
Also, es fängt damit an, daß ich mir eine Zigarette anzünde und Krachts Buch Faserland lese und ich denke, daß alle Taxifahrer Nazis sind oder Drogen nehmen oder irgendwie komisch aussehen. Und in ganz Deutschland, dieser großen Maschine im Norden, wird seitenweise geraucht, getrunken und gekotzt. Das ist ja nicht schlimm, aber irgendwie das einzige das passiert, in diesem Buch meine ich. Ich weiß nicht, ob ich mich da klar ausdrücke. Naja, ich meine das also so: (jetzt zünde ich mir erst mal eine Zigarette an) : der Kracht hat so viel Zeit und so viel Zigaretten und immer ein paar Geldscheine locker in den Taschen und hätte da also viel mehr daraus machen müssen. Zum Beispiel einfach 154 schöne weiße leere Blätter beim Verlag abgeben. Ich weiß, das klingt jetzt komisch, aber ich sage das trotzdem mal: dieses Buch, das leere meine ich, hätte mir viel besser gefallen. Aber vielleicht verstehe ich das auch falsch. Der Mann im Vorwort meint nämlich, daß der Erzählton in Wirklichkeit ganz schön kunstvoll gebaut ist. Wenn das so ist, dann sind wir alle Popliteraten. Wahrscheinlich habe ich dann aber nicht so viel Interessantes und Abwechslungsreiches zu bieten wie mein Kollege, der andere Popliterat, also Kracht meine ich. (Ich zünde mir mal rasch eine weitere Zigarette an). Also, ich lese das Laberbuch und lese da solche bedeutungsvollen Sätze wie "Ich gehe ans offene Fenster...ich ziehe mich erst mal an...also, ich liege da im Hotelzimmer...ich sitze eine Weile auf der Bettkante...ich ziehe meine Kreditkarte aus der Barbourjacke...ich zünde mir eine Zigarette an...die griechische Sonne prallt mir aufs Hirn..." Die Liste könnte problemlos über weitere 153 Seiten fortgeführt werden. Und wieso prallt die ihm aufs Hirn, die Sonne meine ich? Ich weiß das klingt jetzt wieder komisch, ich kann mich da irgendwie schlecht ausdrücken, aber diese ganzen Nigels, Rollos, Eugens, Karins und sonstigen Barbourjackenträger, also diese ganze Geschichte ist so unnötig und platt und schlecht und voller dummer Klischees und so leer und nur voller Rauch, daß man eigentlich nicht nur den Autor ohrfeigen möchte, sondern auch alle Verantwortlichen des Verlags. Also, der Roman geht so: die Romanfigur steht auf Sylt und trinkt eine Flasche Jever. Dann trifft er Karin, raucht eine Zigarette, trinkt Bier, erzählt etwas über Barbourjacken und fährt weiter nach Hamburg. Dort ertappt er Nigel beim Gruppensex, trinkt Bier, fährt geschockt nach Frankfurt. Da klaut er Alexanders Barbourjacke, trinkt Bier und fährt weiter nach Heidelberg. Dort folgert er, daß alle Deutschen im Alter nicht nur wie Nazis aussehen, sondern Taxifahrer sich der Haschischbrocken wegen verdingen. Trinkt Bier und landet in München. Weitergetrunken und weitergefahren nach Meersburg mit Rollo, dessen Porsche unser Held sich klaut, um in Zürich bei einer Schachtel Zigaretten über das böse Deutschland zu sinnieren. Und....? Jawohl, trinkt Bier !!! Letzte Bitte: Christian, bleib in Bangkok und schreib nur noch auf thailändisch.
2222 Kommentare|159 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. Dezember 2015
Ich habe das Buch vor langer Zeit gelesen und dann vor 2 Jahren noch einmal. Das Hörbuch habe ich mir dann gekauft weil ich ein großer Tocotronic Fan bin und Dirk als Sänger sehr mag. Obwohl das Buch leider gekürzt ist kann man es finde ich gut hören, Dirks Stimme und Betonung sind sicher nicht jedermanns Geschmack, aber ich mag's. Aufgrund der Kürzungen gebe ich aber nur 3 Sterne, da gerade bei einem nicht gerade dicken Wälzer wie Faserland eine komplette Lesung angebracht gewesen wäre.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. April 2013
Schade um die Lebenszeit die ich mit diesem "kunstvoll" gestalteten Buch der Popliteratur verbracht habe. Es ist weder unterhaltsam noch lehrreich. Die Langeweile die der Ich-Erzähler auf seiner Reise durch die Bundesrepublik empfindet, die habe ich auch gefühlt. Grauenvoller Nonsens auf 158 Seiten. Teilweise ist das Buch auch ekelerregend und desillusionierend. Meiner Meinung nach ist es eine Schande, dass jemand wie Christian Kracht mit so etwas Geld verdient. Wenn man mit so einem Niveau erfolgreich sein kann, dann sollte ich morgen Popliterat werden.

Fazit: Schont euren Geldbeutel und eure Seele. Das Buch ist nicht einmal das Papier und die Tinte wert.
0Kommentar|7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Oktober 2012
Kracht beschreibt in seinem Roman Faserland einen jungen namenlosen ich- Erzähler aus reichem Haus, der sich auf einer Deutschlandreise befindet und in verschiedenen Städten an Alkohol und Drogenpartys teilnimmt.
Kracht‘s Roman hat keine großartige Handlung und wenn man danach gefragt wird, worum es in diesem Buch eigentlich geht, fällt einem zuerst vermutlich nichts ein. Ein Buch ohne Handlung? Falsch! Denn wenn man sich mit dem Roman näher befasst versteht man nach und nach den Sinn des Ganzen.
Dadurch, dass der Roman keine Einleitung besitzt, lernt man den Ich- Erzähler nach und nach besser kennen. Kracht lässt den Erzähler häufig in der Umgangssprache denken und Sprachfloskeln verwenden. Dadurch kann sich der Leser sehr gut in den jungen Mann hineinversetzen. Man begleitet den Erzähler auf seiner Reise und bekommt jedes Detail und alle Gedanken genau mit. Dies hat allerdings zur Folge, dass man manchmal mehrere Seiten etwas darüber lesen muss, wohin die Exkremente der Menschen aus einem Zug früher überall verteilt wurden. Dadurch wird das Buch stellenweise ziemlich langweilig.
Während seiner Reise besucht der junge Mann ein paar seiner Freunde. Die Beziehung zu diesen ist sehr widersprüchlich. Obwohl er sie als seine Freunde benennt, führt er mit ihnen keine richtigen Konversationen und lässt sie im Stich. Außerdem kritisiert der Erzähler andere Leute und verhält sich öfters unverschämt. Sobald es ihm auf einer Party zu viel wird verlässt er fluchtartig die Stadt und fährt zur nächsten, wo sich das ganze wieder wiederholt. In jedem Kapitel passiert also das gleiche, nur immer etwas anders. Das macht das Buch langweilig, hat aber durchaus einen Sinn. Denn so vermittelt Kracht das Leben dieses reichen Mannes. -Langweilig, einsam und sinnlos.-
Ich für meinen Teil finde, dass Kracht die Oberflächlichkeit der heutigen Gesellschaft und die Schatten der „Markenwelt“ treffend beschreibt, dies aber nicht offensichtlich genug macht, sodass man während dem Lesen des Romans nicht sofort erkennt, was Kracht einem vermitteln will. Meiner Meinung nach muss man das Buch nicht unbedingt gelesen haben, kann dies aber gerne tun, wenn man beim Lesen gerne viel Platz zum Interpretieren hat.
Sicherlich kein Buch zum „Lesen und danach wieder im Regal verschwinden lassen“!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden