Kontroverse Künstler sind mir seit jeher die liebsten, dieser reihen sich CLAN OF XYMOX deutlicher denn je unter diese ein, das allerdings eher unfreiwillig durch eine teilweise vollzogene Neubesinnung ihres musikalischen Erscheinungsbildes. „Farewell“ eröffnet mit dem gleichnamigen Stück, geradlinig aufgebaut, mit einem durchgehenden, tanzbaren Rhythmus versehen und auf einen eingängigen Refrain zusteuernd, insgesamt elektronischer tendierend als bislang. Eine Linie, die in den nächsten beiden Stücken konsequente Fortsetzung findet, während sich gleichzeitig die ersten drei Höhepunkte des Albums bereits herauskristallisieren. Am ungewohnt modernen Klangbild kann mancher Hörer sich sicherlich stoßen, dieses automatisch mit Substanzverwässerung und künstlerischer Inkonsequenz gleichzusetzen, greift schlicht zu kurz.
Für sehr viel inkonsequenter hielte ich das krampfhafte Eliminieren neuer externer Einflüsse, die auf dem vorliegenden Werk mit einer Raffinesse in den urtypischen Kosmos der Band verwoben wurden, wie ich das nur selten erlebt habe. Die klassischen Wave-Gitarren nämlich fordern spätestens mit „One More Time“ einmal mehr ihr Recht und bescheren quasi nebenbei mit „Losing My Head“ noch eines der schönsten XYMOX-Lieder überhaupt, traditionelle stehen gleichberechtigt neben neuen Elementen, und wer ehrlich ist, wird nicht abstreiten können, dass sich selbst zu einem Stück wie „Skindeep“ semidirekte Vorfahren etwa auf „Notes From The Underground“ finden. Den allerletzten Lufthauch aus den Segeln der Kritik nimmt mit Blick auf die inhaltliche Seite die allgegenwärtige, für Ronny Moorings so typische Melancholie, die diese Platte in noch stärkerem Maße verströmt als ihre Vorgänger, bedingt unter anderem durch die einmal mehr wundervoll die Atmosphäre mittragenden Texte, die diesmal noch tiefer zu gehen scheinen, noch mehr an die Wurzeln rühren, dunkler denn je, dabei von unverbrauchter Frische.
Man hat anderes erwarten können, „Farewell“ indes macht deutlich, dass man mehr nicht verlangen kann. Vielleicht das beste XYMOX-Album.
Anspieltipps: "Farewell", "There's No Tomorrow", "Losing My Head"