"Farewell, Angelina" markiert einen Wendepunkt in Joan Baez Schaffen. Dominierten auf den vorhergehenden Alben noch hauptsächlich melancholische Balladen und Traditionales mit akustischer Gitarrenbegleitung, so handelt es bei "Farewell, Angelina" durchwegs um zeitgenössische Kompositionen mit elektrischer Gitarrenbegleitung. (Joan Baez selbst begleitet sich weiterhin mit akkustischer Gitarre.)
Die Songs...
Ungefähr die Hälfte der Songs sind Bob Dylan Kompositionen. Joan Baez und Bob Dylan standen sich damals sehr nahe, obwohl Bob Dylan eigentlich schon auf der Flucht war, und der Folkszene immer mehr den Rücken kehrte. Joan Baez war oft anwesend wenn Bob Dylan ganz selbstvergessen komponierte, und mehr als einmal war sie es, die einen großartigen Song rettete, indem sie Dylans Papierkorb durchstöberte. (Selbst ein blendender Song wie "Farewell, Angelina" fand nie Platz auf einem regulärem Dylan Album, sondern erschien erst auf einem Bootleg Album.)
Joan Baez wurde zu einer der einfühlsamsten Bob Dylan Interpretinnen und spätesten nach "It's All Over Now, Baby Blue" verschwimmen die kleinlichen Grenzen zwischen "Singer" und "Songwriter" und Bob Dylans Geist schwebt förmlich über den "Lyrics".
Zwischen den Bob Dylan Kompositionen, sind auch auf "Farewell, Angelina" einige "Traditionales" eingeflochten, wobei die fast gespenstische Melancholie von "The River In The Pines" und die schwerelose Sanftheit von "The Water Is Wide" einen hervorragenden Kontrast zu beschwingten Country Folk Songs wie "Ranger's Command" bieten.
Dylans Band...
Die Hälfte der Songs auf "Farewell, Angelina" sind elektrisch", wobei Bruce Langhorne's, (der talentierte Gitarrist welcher auch bei Bob Dylans umstrittenen Album "Bringing It All Back Home" mitwirkte) perlende Begleitung die Songs sehr einfühlsam und dezent akzentuiert.
Russ Savakus und Richard Romoffs Bassbegleitung verleihen dem Album zusätzliche Intensivität und Liedern wie "The River In The Pines" unheimlich anmutende Tiefen. "Farewell, Angelina" zeigt beispielhaft wie bereichernd eine gut arrangierte Bandbegleitung für die Folkmusik sein kann.
Das Booklet...
Das zwölf Seiten umfassende Booklet mit dem markanten, kontraststarken Schwarzweißportrait ist sehr informativ, sowohl im Bezug auf die Songs und deren Quellen, als auch im Hinblick auf Infos über Joan Baezs gewaltlosem Widerstand gegen Rassentrennung und den Vietnamkrieg.
Zum Abschluss...
"Farewell, Angelina" ist Schönheit pur... kreativ verpackt... und weil mein Vorrat an Adjektiven langsam zur Neige geht bleibt nur noch zu sagen: Anhören, Zeit nehmen und wirklich zuhören!