... ist dieses Buch, denn Hintergründe und historische Zusammenhänge werden nicht erläutert. Es ist auch keine Geschichte von Anfang bis Ende, sondern mehr eine Schilderung von Episoden/Erlebnissen.
Lenka wird von der Stasi verschleppt und befragt, immer wieder befragt. Sie, die eine idealistische Kommunistin ist und überzeugt war, bei der Schaffung eines gerechten Utopia zu helfen, gerät in die Maschinerie eines neuen Faschismus, den sie doch mit dem Sieg der Alliierten über Deutschland für vernichtet hielt. Erneut wird sie schikaniert, weil sie Jüdin ist. Aber auch weil sie als einzige in ihrer Familie die Nazi-Zeit überlebt hat, weil sie als Journalistin viele Leute kennt, weil sie einen Jugoslawen geheiratet hat... Die Unsinnigkeit dieser Beschuldigungen macht sie sprachlos und auf die Fragen, die man ihr stellt und deren Formulierung für sie unverständlich bleibt, weiß sie keine Antwort. "Was sind ihre Kontakte?" wird sie gefragt. Doch was sind Kontakte? Sie hat Freunde, Bekannte, Familie... Was sollen "Kontakte" sein?
In Rückblenden berichtet sie von ihrer Zeit der Gefangenschaft in Frankreich unter den Nazis und von Begegnungen mit verschiedenen Intellektuellen; die Vielzahl an Namen macht Staunen. Sie versucht ihren Entführern den Geist der damaligen Zeit näher zu bringen, zu beweisen, daß sie sich nichts zu schulden hat kommen lassen, und verzweifelt fast daran, was ihre Genossen ihr, einer überzeugten Kommunistin, antun. Sie quält sich mit dem Gedanken, was hier nur falsch läuft und ob sie nicht doch irgendetwas getan hat, was dies rechtfertigen könnte.
Ich habe schon mehrere Bücher zu diesem Thema gelesen, aber zum ersten Mal habe ich das Gefühl wirklich nachvollziehen zu können, was es bedeutete, wie es sich anfühlte, wenn die Stasi einen packte. Die Unsicherheit und das Unverständnis, die zusätzliche Qual, wenn ein Kommunist erkennen muß, daß das ersehnte Utopia nur ein neuer Alptraum des Faschismus geworden ist. Die Autorin vermittelt einen deutlichen Eindruck der Einsamkeit, der Angst, der alltäglichen Schikanen, der Sorge um Ehepartner und Kind und wie einen das Ganze langsam zermürbt.