Dies ist meine liebste Reinhard-Mey CD. Von ihr moechte ich dem Mann, den ich verloren habe, das letzte Lied widmen: "wir". Denn was kann bewegender sein als die kleine Zeile: "Wir wollten doch den Horizont erreichen, und haben nur ein Schiffchen aus Papier, in keinem Lebenssturm die Segel streichen...", wie unausweichlich das "wollte" darin, und wie traurig, dass beide sich suchen und sich doch nicht mehr wiederfinden.
Aber auch die anderen Lieder sind alle sehr hoerenswert: "Mein Berlin" - die Ode an seine Heimatstadt; "Kleines Mädchen", das Lied ueber seine Tochter; oder auch das Lied davon, dass wir letztlich allein sind, wie oft auch im Leben wir meinten, in einer Menge zu stehen; das lustige Lied vom Wahlsonntag mit Meys bekannter Satire auf die Politiker; und das liebevolle Lied ueber Lucianos Restaurant, das allervertraeumteste "Mein Dorf am Ende der Welt" und der Aufruf zum Frieden und zum Pazifismus in seinem "Alle Soldaten woll'n nach haus'", das nachdenklich-erwachsenwerdende "Zwischen allen Stühlen", dann eine Geschichte aus seiner Jugend "Ich hab' meine Rostlaube tiefergelegt", bei der der unvergessliche Satz auftaucht: "Nicht jede große Liebe braucht auch ein happy end"... Schließlich noch die innerfamiliaere lustige "Kinderhosenballade" von den Hosen, die so oft getragen wurden und schließlich weiterziehen; das Lied einer Rettung in letzter Minute, "Golf November"; und dann eben das wunderschoene unaussprechliche "Wir". Absolut hoerenswert.