Kurzbeschreibung
Obwohl die Erforschung der wechselhaften Geschichte des Bauhauses seit einiger Zeit wieder im Brennpunkt des Interesses steht, fand ein Spezialthema noch wenig Beachtung, das jedoch während der gesamten Geschichte des Bauhauses eine nicht geringe Rolle spielte: Die Farbe in Theorie und Praxis. Zum ersten Mal wird dieses komplexe Thema in Düchtings Arbeit in allen nur denkbaren Aspekten aufgerollt. Zentral ist die Vorlehre am Bauhaus, wie sie von Johannes Itten eingeführt und später von Laszlo Moholy-Nagy und Josef Albers weiterentwickelt wurde. Aber auch im propädeutischen Unterricht von Paul Klee und Wassily Kandinsky erhielt die Farbe eine erhebliche Gewichtung. Nicht nur die jeweiligen Farbenlehren werden herausgearbeitet, wobei auch unbekanntere Theorien von Ludwig Hirschfeld-Mack und Gertrud Grunow Beachtung finden, sondern gerade auch der Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis, die Anwendung der Farbenlehre sowohl in den Bildern der Bauhaus-Meister wie auch in den Werkstätten, in der Bühnenarbeit und am Bau werden in gründlichen Analysen erforscht. Mit dem Untertitel 'Synthese und Synästhesie' wird nicht nur eines der Hauptkapitel über Kandinskys Bauhaus Arbeit eingeleitet, sondern auch auf Sinn und Zweck der Farbforschung am Bauhaus hingewiesen. Denn die Untersuchungen zur Farbe erschöpfen sich nicht in esoterischen Künstlertheorien, sondern standen im Dienste der übergreifenden Bauhaus-Idee, der Synthese aller Künste, wie sie Walter Gropius in seinen Texten immer wieder beschwörte. Stärker als an der Architektur kann dies an den Experimenten der Bauhaus-Bühne festgemacht werden, an der beispielhaft der Zusammenklang der Kunstgattungen hinsichtlich der neuen Gestaltung der modernen Gesellschaft erprobt wurde. Der Ausblick auf die Farbenlehre von Josef Albers zeigt die Entwicklungsfähigkeit der Bauhaus-Farbenlehre, die in ihren vielseitigen Facetten bis heute maßgeblich geblieben ist.