Mit "Die Farbe Lila" wurde Regie-Legende 1985 erwachsen. Nach einigen Riesenerfolgen wie "Der weiße Hai", "Unheimliche Begegnung der dritten Art", "E.T." und zwei "Indiana Jones"-Filmen war Spielberg der größte Entertainer und profitabelster Regisseur der Welt. Ein ernsthafte Adaption eines Pulitzer-Preis gekrönten Romans war somit ein großes Wagnis und ein Betreten filmischen Neulands für Spielberg. Hinzu kam, dass es sich um ein Buch handelt, dass fast ausschließlich mit afroamerikanischen Charakteren besetzt ist und Themen wie Feminismus und Emanzipation behandelt.
In Spielbergs meisterhaften und sensiblen Händen entstand dann trotz des für ihn zunächst ungewöhnlichen Stoffes ein außergewöhnliches, zeitlos bewegendes Werk, das den Filmemacher damals endgültig in den Kreis der größten Regisseuren aller Zeiten stoßen ließ. "Die Farbe Lila" ebnete den Weg zu ernsthafteren Filmen wie "Das Reich der Sonne", "Schindlers Liste", "Der Soldat James Ryan" und "München" und erweiterte Spielbergs Selbstbewusstsein als Filmemacher und Bandbreite enorm.
"Die Farbe Lila" ist die epische Geschichte von Celie (Whoopi Goldberg), einer jungen, schwarzen Frau zu Anfang des letzten Jahrhunderts im Süden der USA, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen muss. Der Film beginnt 1909 mit der 14-jährigen Celie, die bereits zwei Kinder ihres Vaters auf die Welt gesetzt hat. Von dem wohlhabenden und bösartigen "Mister" (Danny Glover) wird sie dann als Frau genommen und von ihrer jüngeren, geliebten Schwester Nettie weggerissen. "Mister" misshandelt sie regelmäßig und behandelt sie wie Dreck, erst durch eine Freundschaft und angedeutete Liebschaft mit der Sängerin Shug Avery, eine alte Liebe Misters (Margret Avery), leuchtet sie auf und gewinnt Selbstbewusstsein. Ein weiterer wichtiger Faktor in Celies Entwicklung ist Sofia (Oprah Winfrey), die Ehefrau von Misters Sohn Harpo (Willard E. Pugh), die sich mit Celie identifizieren kann, da sie selbst von Männern oft misshandelt wurde.
Die Geschichte spielt in einem Zeitraum von etwa 30 Jahren und ist für damalige Spielberg-Verhältnisse sehr langsam und behutsam erzählt. Mit 154 Minuten Laufzeit ist "Die Farbe Lila" für manche sicher nicht ohne Längen, jedoch ist eigentlich kein Moment verschwendet. Es handelt sich um ein nuanciertes Charakterdrama mit einigen starken und komplexen Figuren, die mittlerweile zurecht einen festen Platz in der Filmgeschichte gefunden haben. Die Geschichte ist sehr universell, wodurch es, besonders für Frauen, nicht schwierig ist, sich mit den Figuren und Situationen zu identifizieren. Für manch einen ist "Die Farbe Lila" auch einer der ganz großen Tränenzieher, jedoch ist der Film weitestgehend kitschfrei inszeniert.
Die Besetzung von "Die Farbe Lila" ist großartig und brachte so manchen Star hervor. Whoopi Goldberg, damals noch Stand-Up-Comedian, gab hier ihr wundervolles Filmdebüt in der Hauptrolle, die ihr auch zu einer Oscar-Nominierung verhalf. Sie spielt eine hochkomplitierte und anspruchsvolle Rolle, die sie mit Bravour gemeistert hat. Ebenfalls Oscar-nominiert Oprah Winfrey, die hier auch ihre erste Filmrolle spielte. Die Darstellerinnen lassen den Film durch ihre ungeschliffene Art, ihre Natürlichkeit und starke Präsenz sehr lebendig wirken. Auch sehr erinnerungswürdig ist Danny Glover, der hier eine beeindruckende und vielschichtige Performance als "Mister" hinlegt.
Wie von Spielberg gewohnt, ist der Film wundervoll inszeniert, die Kameraarbeit von Allen Daviau ist wunderschön anzusehen und verbunden mit dem detailreichen, liebevollen und aufwändigen Produktions- und Kostümdesign wird man von der Atmosphäre des Films stark aufgesogen. Technisch gesehen ist "Die Farbe Lila" absolut meisterlich.
"Die Farbe Lila" ist ein hoffnungsvoller, triumphaler Film, der viele leidvolle Momente bereit hält, aber letzten Endes das Durchhaltevermögen Celies zelebriert, wodurch der Film zu einem erhebenden und warmherzigen Erlebnis wird. Wie viele andere Filme Spielbergs ist auch dieses Werk ein zeitloser Klassiker, der vielleicht nicht jedermanns Sache ist, aber unbestreitbar ein filmischer Triumph ist. Schade, dass Spielbergs Wagemut bei damals 11 Oscar-Nominierungen (keinen gewonnen) nicht mit einer eigenen Berücksichtigung als Regisseur belohnt wurde.
Auf Blu-Ray erstrahlt der Film regelrecht. Die Bildqualität ist absolut großartig, Nahaufnahmen sind teils unglaublich detailliert, jede Schweißperle und Hautpore erscheint ungemein klar. Obwohl es sich um einen charakterbasierten und damit dialogstarken Film handelt ist auch die Tonqualität hochkarätig, besonders bei den musikalischen Nummern wird es sehr atmosphärisch. Die Extras sind reichhaltig und informativ: Es gibt ein Making-Of (23 Min.) und Featurettes zur Entwicklung des Buches zum Film (28 Min.), der Besetzung (23 Min.) und der Musik (7 Min.). Außerdem gibt es noch den Original-Trailer und eine Fotogalerie.