Ich glaube kaum, dass Hardys "Far from the madding crowd" abseits von Anglistik-Proseminaren noch gelesen wird. Schade - Hardys Erstling hat seine Qualitäten. Die Geschichte um die junge Batsheba, die landwirtschaftlichen Betrieb ihres Onkels erbt und sich im Laufe der Handlung mit gleich drei Heiratsanträgen konfrontiert sieht, könnte auch heute noch erzählt werden und wäre mit all der Romantik, den schicksalsvollen Zufällen und den schablonenhaften Charakteren womöglich ein Erfolg. Der Ton in diesem Roman ist noch leichter, die Schicksalsschläge noch nicht ganz so dramatisch und die Zufälle noch weniger an den Haaren herbeigezogen als z.B. in "Tess of the d'Urbervilles" oder "Jude the obscure". Allerdings sind dort auch die Charaktere stärker, emotionaler, lebendiger. Die psychologischen Einschätzungen des Erzählers was die Handlungs- und Denkweise weiblicher Wesen angeht, sind aus heutiger Sicht teilweise schwer erträglich, weil allzu generalisierend und typisierend. Wen das nicht abschreckt, der wird finden, dass sich die Lektüre lohnen kann. Die Schilderungen der Ernte, des Markthandels, des Schafescherens sind ausgesprochen schön und zu lernen gibt's wie immer auch etwas: dass die moralisch Aufrechten, die stetig Liebenden am Ende belohnt werden. Tja, ist eben Fiktion...