Mit DEATHWATCH liegt nun (nach den hervorragenden Dark Heresy und Rogue Trader) das dritte Grundregelwerk für Rollenspiele im seit über 20 Jahren enorm populären Warhammer 40000 Universum vor.
DEATHWATCH ist nun das Rollenspiel, auf das die viele WH40K Fans gewartet haben dürften - und vermutlich auch das Rollenspiel, was sicherlich der ein oder andere befürchtet hat: die Spieler spielen hier nunmehr tatsächlich imperiale Space Marines, sprich in jeder Hinsicht übermenschliche Kämpfer.
Ich gehe zwar davon aus das jeder, der sich für DEATHWATCH interessiert genau weis, was ein Space Marine ist, aber für alle die es nicht wissen: Space Marines, die Adeptus Astartes, sind im apokalyptischen Hintergrund von WH40K weit mehr als Elitesoldaten - Space Marines sind die härtesten Kämpfer der Menschheit, rekrutiert aus verschiedensten Hintergründen und in einem gnadenlosen Auswahlprozess trainiert, mit Implantaten und künstlichen Organen viel leistungsfähiger als jeder andere Mensch, ausgestattet mit den vernichtensten Waffen und den besten Panzerungen, welche der Menschheit bekannt sind - und fanatisch loyal und dem Imperium blind ergeben. Die Space Marines sind in sogenannte Chapter (vergleichbar vielleicht mit einem Mönchs-Orden) organisiert, welche alle eine eigenständige Tradition, Rituale und Doktrin haben und teilweise auf 10000 Jahre Geschichte zurückblicken können - dunkler Geheimnisse inbegriffen. "Normale" Bürger des WH40K Imperiums sehen Space Marines eher als quasi-mythologische Gestalten denn als Menschen.
Damit sollte gleich klar sein - DEATHWATCH ist alles andere als ein 08/15 Hintergrund, sondern eine eher spezielle und eigenwillige Rollenspielerfahrung. Das typische "Die Helden sind abgebrannte Underdogs und müssen sich bewähren" Schema vieler Rollenspielabenteuer findet hier absolut nicht statt.
In dieser Hinsicht gleicht DEATHWATCH insofern Dark Heresy und Rogue Trader: auch diese Spiele haben einen besonderen Focus und dürfen als eigenständige und eigenwillige Produkte gelten, an denen sich sicherlich auch die Geister scheiden mögen und die zweifellos nicht jedermanns Sache sind. Man hat sich also auch bei DEATHWATCH getraut, ein Spiel auf den Markt zu bringen, welches alles andere als generisch ist und welches sich nicht für nahezu sämtliche Arten von Abenteuern und Charaktere eignet, sondern einen klaren Schwerpunkt hat.
Meine Meinung dazu ist ganz klar: gut so - austauschbare Rollenspiele und entsprechend austauschbare Hintergründe gibt es genug, und Space Marines eignen sich aufgrund ihres Hintergrundes und ihrer überragender Fähigkeiten ohnehin nicht als PCs in einer ansonsten eher normal aufgestellten Heldengruppe.
Im DEATHWATCH Regelbuch geht es also ausschließlich um Space Marines - während Dark Heresy oder Rogue Trader zwar einen klaren Focus im Schwerpunkt der Handlung (Ermittlungen der Inquisition bzw. große Fahrten der Freihändler) haben aber eine gewisse Bandbreite an Charaktertypen zulassen bleiben die Space Marines unter sich. Bandbreite gibt's insofern nur in den verschiedenen Spezialisierungen - wobei hier vom Scout über Devastator bis zum Librarian so ziemlich alles machbar ist (ja, es finden sich auch Werte und Regeln für die berühmten Terminators).
Besonders interessant ist allerdings die mögliche Bandbreite, welche sich aus den einzelnen Hintergründen und Herkunftschaptern der Marines ergibt. Die Charaktere sind nämlich angehörige der namensgebenden Deathwatch", welche dem Ordo Xenos angehört und in der Space Marines aus verschiedensten Chaptern zusammengefasst sind... und ein Angehöriger der Dark Angels hat andere Doktrinen, Möglichkeiten und Mentalität als z.B. ein Space Wolf.
Das Regelbuch setzt in Punkto Inhalt und Aufmachung den extrem hohen Standart fort, welcher die beiden Vorgänger ebenfalls inne hatten: 400 Seiten, sehr gute Aufmachung und sehr viel Inhalt - sowohl zum Hintergrund wie auch zu den Regeln. Hier fand ich auch auf den zweiten Blick nichts, was ich wirklich vermisst hätte.
Das Preis-Leistungsverhältnis kann man nur als erstklassig bezeichnen: sicherlich ist DEATHWATCH nicht billig, aber es ist für ein Rollenspiel-Grundregelwerk durchaus im Rahmen. Im Gegensatz zu vielen Unverschämtheiten auf dem Rollenspielmarkt, wo man für einen vergleichbaren Preis nur ein halbgares Produkt bekommt, welches nur spielbar ist wenn man noch zig- andere Quellenbücher besorgt (wer kennt hier keine Beispiele???) ist DEATHWATCH ein sehr vollständiges, stark präsentiertes und somit faires Angebot.
Eine Frage erhebt sich natürlich bei aller Begeisterung: wie spielt sich DEATHWATCH? Eines muss ganz klar sein: DEATHWATCH dürfte eines der Rollenspiele mit dem engsten Focus sein, welches jemals von einem großen Publisher auf den Markt gebracht wurde... vielleicht kann man DEATCHWATCH in gewissen Weise und ganz vorsichtig mit Rollenspielen wie Chaosiums "Pendragon" oder dem alten "Judge Dredd RPG" von GW vergleichen.
Die hier spielbaren Geschichten drehen sich natürlich um Kampf, Kampf und nochmals Kampf... gegen die übelsten Gegner des Imperiums und die schlimmsten Umstände. Space Marines sind keine Diplomaten oder Glücksritter, sie arbeiten nicht undercover und sind keine Händler, sie sind keine Söldner welche für den meistbietenden Kunden ins Feld ziehen - Space Marines sind bis ins Mark indoktrinierte Krieger.
Ich halte es für idiotisch vorzuschreiben wie ein Rollenspiel gespielt werden sollte, denke aber, dass diese Maxime wohl unstrittig ist: DEATHWATCH ist etwas für Leute, die eben Space Marines auf nahezu aussichtslosen Missionen hinter feindlichen Linien spielen wollen - Missionen, bei denen sie sich den Mächten des Chaos und der Xenos stellen, und zwar um diese zu vernichten.
Wem diese grundsätzliche Ausrichtung (und das ist ja schlicht und einfach Geschmackssache) nicht gefällt wird DEATHWATCH tendenziell wenig bis gar nichts abgewinnen können... DEATHWATCH soll und will gar nicht mehr bieten. Andererseits: wer auf derartige Abenteuer (die ja durchaus eine Menge Wendungen, Überraschungen, Action, Bandbreite und Potential für gutes Spiel bieten können) steht wird hier sicherlich fündig.
Etwas problematisch stelle ich es mir vor, einen Space Marine zu spielen. Vor allem mit Powergamern stelle ich mir DEATHWATCH (genau wie Rogue Trader) potentiell SEHR nervig vor... aber andererseits, mit diesen Kollegen nervt ja jedes Rollenspiel. Auch stelle ich mir als Spielleiter eine längere Kampagne schwierig vor... aber wer weis?
Insgesamt stelle ich fest, dass mit DEATHWATCH ein weiteres starkes und vor allem eigenwilliges Rollenspiel aus dem WH40K Universum herausgebracht wurde. In Punkto Aufmachung und Präsentation ist DEATHWATCH über alle Zweifel erhaben, was den Inhalt angeht muss eben jeder seine Entscheidung treffen.
DEATHWATCH ist insofern ein Fall für sich - was ich wesentlich interessanter finde als ein austauschbares beliebiges Produkt. An DEATHWATCH werden sich fraglos noch mehr als an den beiden anderen RPGs im WH40K Universum die Geister scheiden, es ist ganz ohen Frage nicht jedermanns Sache.
Ich denke daher, DEATHWATCH ist etwas für Spieler und Spielleiter, die wissen und wollen, worauf sie sich einlassen - diese Spielern darf DEATHWATCH allerdings dann auch uneingeschränkt empfohlen werden!