Ich bin seit 1989, also den seeligen "Rogue Trader" Zeiten, großer Fan des Warhammer 40000 Hintergrundes - und seit dem geisterte die Idee zu einem Rollenspiel in dieser düsteren, archaischen Zukunftsversion immer wieder herum. Seit 1989 hat sich im WH40K Universum und beim Hintergrund viel getan, manche Neuerungen fand ich gut, andere furchtbar - aber letztlich, die Faszination für den Hintergrund blieb bestehen.
Nun ist es also so weit - lange erwartet und oftmals in Aussicht gestellt ist nun das Rollenspiel zu WH40K erschienen. Ich gebe zu: es ist das erste WH40K Produkt, welches ich seit langem erworben habe, und die Skepsis war groß. Umso größer war allerdings die Begeisterung: "DARK HERESY" ist ein brilliantes Produkt geworden!
Das Äußere erinnert ein wenig an den Klassiker WARHAMMER FANTASY ROLEPLAY, d.h. ein sehr fettes (400 Seiten) Buch, viel Farbe, ähnliches System in der Charakterentwicklung (es ist bewußt daran angelegt!). Das System ist ebenfalls gelungen, ähnlich wie beim WARHAMMER FANTASY ROLEPLAY sind die Kämpfe brutal und hart gestaltet, was meiner Meinung nach sehr gut zur finsteren Stimmung des Settings passt. Das Skill- und Testsystem als solches ist funktional und durchaus durchdacht. Stark ist auch, das weit über 150 Seiten des Regelbuchs dem Hintergrund gewidmet werden. Die vielfach bei Rollenspiel-Basisbüchern auftretende Frechheit, das im Regelbuch wirklich nur die Regeln erläutert werden und der Hintergrund anderen Büchern vorbehalten bleibt (die man sich auch kaufen muss, um es einmal zu spielen!) fehlt hier komplett - "DARK HERESY" ist umfangreich und auch als Lesestoff aus der Welt von WH40K gelungen!
Die spanndere Frage ist jedoch, ob es den Autoren gelungen ist, WH40K als Rollenspielhintergrund umzusetzen. Hier war sicherlich Skepsis angebracht, die aber unbegründet war: die Autoren haben sich echt Gedanken gemacht, wie man WH40K als Rollenspiel überhaupt rüberbringen kann. Vor allem steht ja die Frage im Raum, welche Rollen die Spieler übernehmen sollen. Ich persönlich hätte es, wie viele andere vermutlich auch, albern gefunden, wenn die Space Marines, Eldar Aspect Warriors oder Tau typische Spielercharaktere wären... wie hätte denn da eine typische Spielergruppe besetzt sein sollen, welche Abenteuer stehen die gemeinsam durch?
Diese Überlegungen haben die Autoren von "DARK HERESY" ebenfalls angestellt, und sind zu einer guten Lösung gekommen. Bei "DARK HERESY" man spielt Agenten ("Acolyten") eines Inquisitors, welcher selbst ein NSC ist. Sprich, dieser Inquisitor hat Missionen, und die Spieler, seine Acolyten, müssen sozusagen an die Front. Dabei kann es um so ziemlich alles im WH40K Universum gehen, seien es nun Ketzer, die Mächte des Chaos, Rebellionen gegen das Imperium oder die verschiedenen Alien-Rassen. Als Handlungsort vorgegeben ist der Calixis-Sektor, welcher ebenfalls schön ausgestaltet im Regelbuch vorgestellt wird.
Der gesamte Ansatz mit den Acolyten der Inquisition gefällt mir sehr gut: nicht nur, das er dem Spielleiter massiv erleichtert, die Gruppe zusammenzufügen und Abenteuer (sprich: Aufträge) zu konzipieren, er passt auch einfach gut zu WH40K... und schließlich ist es auch mal anderes, eine Gruppe von Inquisitions-Acolyten zu spielen! Die in anderen Settings übliche (und angebrachte) Horde von Glückrittern wäre bei WH40K meiner Ansicht nach ein bischen deplaziert, zumindest, wenn die einzigartige Stimmung des Settings wirklich rüberkommen soll.
Insgesamt muss ich also feststellen, das "DARK HERESY" ein wirklich wertiges und in jeder Hinsicht gelungenes Produkt ist. Ich bin trotz aller Skepsis mehr als begeistert!
Exist For The Emperor!