Laut Klappentext konnte der Blog "1000 Awesome things" von Neil Pasricha schon vor meinem Besuch über 20 Millionen Hits verzeichnen. Und sieht man sich auf dem Büchermarkt um, geben solche Zahlen offenbar das Startzeichen, Bloginhalte in ein Buch zu verpacken. Doch wie bereits andere Beispiele zeigen, kommt dieser Medienwechsel nicht immer gut. Und zwar nicht, weil das Leseverhalten im Netz ein anderes ist, sondern auch weil Inhalte im Internet anders angeboten werden.
Bei diesem Buch kommt hinzu, dass es sich um eine Übersetzung aus dem Amerikanischen handelt. Das ist deshalb von Bedeutung, weil in unserem Kulturraum nicht alles Glücksgefühle auslöst, was die Menschen in Kanada bewegt und freut. Doch es sind nicht die wenigen Fehltreffer, die mich zur Dreisternebewertung veranlassen. Vielmehr ist es die Menge an Banalitäten, die mir in diesem Buch begegneten. Und die Fülle hat eben mit dem Medienwechsel zu tun. Wenn ich die Welt dazu aufrufe, mir Auslöser von Glücksmomenten mitzuteilen, kommt auch viel herein, was für den Einzelnen ein Ereignis, für die Allgemeinheit aber eine Banalität ist. Mit anderen Worten: Unter den 1000 fantastischen Dingen, fand ich nur wenig, was mich überraschte.
Nun könnte man natürlich argumentieren, Neil Pasricha wolle seine Leser mit dieser Sammlung an Dinge erinnern, die so normal sind, dass sie allzu leicht übersehen werden oder vergessen gehen. Aber auch wenn das für total Aufmerksamkeitsgestörte zutreffen mag, konnte die Begründung meine Leselust nicht steigern. Okay, im Supermarkt öffnet eine neue Kasse auf, beim ersten Pusten gehen gleich alle Kerzen aus, kaum an der Haltestelle kommt der Bus, der Rest in der Tube reicht noch für einmal Zähneputzen, an Weihnachten schneit es, die Fernbedienung kann im Dunkeln beherrscht werden und was ich kaufen will, ist im Angebot. Ob das Buch tatsächlich so schlecht übersetzt ist, wie andere Leser monieren, habe ich nicht im Detail überprüft. Aber es fiel mir auf, dass viele Formulierungen dem Muster "Witz komm raus" folgen.
Mein Fazit: Wenn dieses Buch tatsächlich dazu führen sollte, dass seine Leser den Blick für die alltäglichen Wunder zurückgewinnen, dann entschuldige ich mich für meine wenig enthusiastische Besprechung. Allerdings zweifle ich an dieser Wirkung und bleibe bei meiner Meinung, dass es nicht jeder Blog verdient, die Welt als Buch zu beglücken.