Aus der Amazon.de-Redaktion
Für die Besucher muss es ein einmaliges Vorkommnis gewesen sein, für Emily Haines ein notwendiges Schlüsselerlebnis, das Metric den Weg zu ihrem überzeugenden Album
Fantasies ebnete. Im März 2008 trat die Sängerin und Songschreiberin mit ihrem Projekt The Soft Skeletons in Toronto auf, der Stadt wo die in Neu Delhi geborene Frau aufwuchs. Die Tochter des Poeten Paul Haines beendete ihre Soloshow mit sanften Piano-Balladen mitten in der Aufführung. Nach einer Phase von Traurigkeit und persönlichem Verlust sagte sie: „Ich will diese Lieder nicht mehr singen, nicht mehr traurig sein!“. Nach einem halbstündigen Gespräch mit den Fans und einem gemeinsamen Finale auf der Bühne hatte Emily ihre Gedanken wieder in der Spur, die zum vierten Metric Album
Fantasies führen sollten. Nur zehn Stücke komponierte die 1998 in New York City gegründete, kanadischen New-Wave-Indie-Rock-Band in Rohfassung. Dann mussten diese eine lange Prüfstrecke zurück legen. Immer wieder kamen die gerade in Kanada preisgekrönten, charterfahrenen Metric zusammen, trafen sich im eigenen Studio in Toronto, oder einem für die Gruppe magischen Ort namens Bear Creek. Der befindet sich in den Wäldern außerhalb von Seattle, wo sie sich Metric in einem Farmhaus für Akustik-Sessions einquartierten. Danach ging das Quartett auseinander, die Stimmung war entspannt, die Songs entwickelten sich langsam parallel dazu. Ihre Feuertaufe erlebten sie gleich dann in elektrischer Form während unzähliger Konzertauftritten, wo sie Skulpturen gleich immer mehr Form annahmen. Letztendlich ist
Fantasies ein Album mit Fan-Prüfsiegel. -
Sven Niechziol
Metrics viertes Studioalbum „Fantasies“ ist das Ergebnis der Suche nach einer Bandidentität, die auch an den verschiedensten Orten der Welt eine eingeschworene Gemeinschaft darstellt.
Die Fantasiereise von Metric nahm ihren Ursprung in den Wäldern von Bear Creek, in der Nähe von Seattle. Dort versammelte sich das Quartett, um für die Arbeit am neuen Album eine Art Nullpunkt zu schaffen. Alles, was von hier an zählte, war einzig und allein die Musik und diese Rückbesinnung war auch bitter nötig. Der Tourstress, dem sich die Kapelle zwischen 2003 und 2006 aussetzte, hatte seine Spuren hinterlassen und brachte die Bandmitglieder dazu, zunächst eigene Nebenprojekte zu verfolgen.
Frontfrau Emily Haines stürzte sich mit The Soft Skeleton in tief melancholische Gewässer, Gittarist Jimmy Shaw errichtete ein eigenes „Giant Studio“, während Bassist Joshua Winstead und Drummer Joulse Scott-Key mit ihrer Garage-Rock-Band Bang Lime auf Tour gingen.
Am 30. März vergangen Jahres beschloss Emily Haines jedoch, der Melancholie abzuschwören und sich wieder voll und ganz auf Metric zu konzentrieren. Ein Wendepunkt in der Bandgeschichte. Während eines Gigs in Toronto stand Haines mitten im Song „Dr. Blind“ vom Piano auf und teilte dem überraschten Publikum mit, dass sie nun nicht mehr traurig sein möchte. Und da setzt „Fantasies“ an.
„Fantasies“ ist ein Album, das sich vom Erwartungsdruck der Musikindustrie und der Beschleunigung der zivilisierten Welt so gut es ging frei machte. Während „Live It Out“ in gerade einmal zehn Wochen fertig gestellt wurde, zog sich die Arbeit an „Fantasies“ über anderthalb Jahre hin. Die einzelnen Songs geben die Atmosphäre der Orte wieder, an denen sie entstanden sind. Die Wälder von Bear Creek brachten „Gimme Sympathy“ und „Collect Call“ hervor, die elektronischen, die rockigen sowie die Dance-Elemente wurden von der familiären Atmosphäre Torontos beeinflusst. Aber auch Emilys Auszeit in Buenos Aires, wo sie weit weg vom alltäglichen Trubel nach Inspiration suchte, prägt das Album in großem Maße.
Gemixt wurde „Fantasies“ im Electric Lady in NYC – dort, wo Emily und Jimmy einst zum ersten Mal auf Josh und Joules trafen. Und so fügt sich alles wieder zusammen - zu einem Album, mit dem Gitarrist Jimmy Shaw einen Traumzustand assoziiert: psychedelisch, elektronisch, rockig und überaus tanzbar.