Endlich ist es da - das Buch, das sich heraushebt aus der Flut der Veröffentlichungen im Jahre 20 nach dem Mauerfall! Endlich geht es einmal um Verbindendes, nicht um Trennendes. Hier haben sich zwei Frauen die Aufgabe gestellt, uns Ähnlichkeiten in ihren Lebensläufen zu zeigen, ohne die Unterschiede zu verwischen. In diesem Buch wird ein Stück deutsche Geschichte lebendig, auch für die nach der Wende Geborenen.
Es handelt sich um die im Schüren Verlag erschienene Biografische Zwiesprache "Fantasie und Arbeit" von zwei deutschen Filmemacherinnen. Iris Gusner (DDR) und Helke Sander (BRD) schreiben über ihre Erfahrungen, Erfolge und Enttäuschungen, über ihr Leben in einem geteilten Land. Ihre Sicht ist ganz subjektiv und dennoch in vieler Hinsicht allgemeingültig. Sie ist weit entfernt von Opfer- oder Siegermentalität und ermöglicht Einblicke "hinter die Kulissen" des Filmgeschäfts - ohne Starrummel oder Prominentenklatsch.
Spannend, humorvoll, fast schon mit einer gewissen "Altersweisheit" erzählen uns zwei Frauen von ihrem Alltag in einer patriarchalisch geprägten Zeit, von ihren Schwierigkeiten, Träumen und Hoffnungen, und sie entdecken trotz der gegensätzlichen Gesellschaftssysteme Gemeinsamkeiten. Es geht den Autorinnen wohl um dieses Gemeinsame, das "starke" Frauen in Ost und West in ihrem Ringen um Anerkennung erlebten - wenn auch unterschiedlich: Hier Beschneidung der Freiheit bei relativer sozialer Sicherheit - da nahezu grenzenlose Freiheit ohne soziales Netz. Und beider unausgesprochene Sehnsucht, ohne materielle Nöte frei arbeiten und leben zu können, erinnert mich an das Perpetuum mobile, von dem Iris Gusner in einem ihrer Filme und im Buch spricht...