Nehmen wir mal an man könnte Musikplatten Filmgenres zuordnen. Die Pop-Alben wären vielleicht die netten aber auch ein wenig belanglosen romantischen Komödien. Die Hard-Rock-Scheiben wären die Action-, die Metal-Platten die Horrorfilme und die Singer-Songwriter-Alben wären womöglich, die kleinen gut beobachteten Gesellschaftsdramen.
Auch im Filmgenre wäre das Debüt von Fang Island von jedem ein bisschen, vor allem aber wäre es ein Feel-Good-Movie im besten nur vorstellbaren Sinne.
Wäre Fang Island ein Film; Jeder Witz der hier gezündet würde, wäre nicht nur perfekt pointiert, er wäre auch noch neu und absolut unvorhersehbar. Er würde auf einem Dutzend verschiedener Ebenen funktionieren. Er würde den Betrachter noch taglang mit einem breiten Grinsen im Gesicht zurück lassen und dem Gefühl, dass das Leben großartig ist, ohne dabei je kitschig zu wirken, weil mit jeglichen Konventionen und eingestampften Pfaden hier so konsequent gebrochen wird, wie man es sich schon gar nicht mehr zu träumen gewagt hätte.
Brettharte Metalgitarren spielen hier in einem Tempo von Grindcorebands zuckersüße Popmelodien, die sich sofort in das Gehirn brennen und kurz darauf in einen 4-stimmigen, hymnenhaften Chorus münden, hinter dem sich heimlich schon die nächsten Gitarrensoli auf ihr 3-faches Duell vorbereiten.
Man könnte sich noch lange darüber ergehen, wie originell und innovativ diese Platte ist, wie großartig sie produziert, wie technisch versiert sie eingespielt sie ist und man würde diesem Debüt immer noch nicht gerecht werden, weil das alles eben nur Bausteine sind, die dazu beitragen dass man als jüngerer Hörer nach diesen 31 Minuten zum ersten mal wirklich nachvollziehen kann warum sich vor etwa 40 Jahren euphorietrunkene Menschen nackt im Schlamm suhlten nur weil da jemand Gitarre spielte.