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Gesegnet mit einem wachen Verstand und einer gehörigen Portion Mut und Mutterwitz stellt Fandorin seine eigenen Ermittlungen an und stößt schon bald auf viele ungelöste Fragen, die einigermaßen beunruhigend sind. Warum haben alle Opfer ihr Vermögen einer dubiosen Stiftung für Waisenkinder hinterlassen? Und was hat die ebenso schöne wie geheimnisvolle Amalia alias Kleopatra damit zu tun, in deren Salon die männliche Jeunesse dorée Moskaus sich tödlichen Spielen hingibt? Fandorins waghalsige Untersuchungen bringen ihn nicht nur immer wieder in Gefahr, sie führen ihn schließlich quer durch Europa auf die Spur einer weltumfassenden Verschwörung.
Die Geschichte vom rotbäckigen Heißsporn Fandorin veröffentlichte der Moskauer Essayist und Übersetzer Gregori Tschchartischwili 1998 unter dem Namen Boris Akunin und feierte mit seinem ersten Kriminalroman einen überwältigenden Erfolg. Das liegt sicher auch daran, dass Akunin seinen Helden im Moskau des späten 19. Jahrhunderts ermitteln lässt, und seine Romane augenzwinkernd und schamlos nostalgisch den melodramatischen Stil eines Sherlock Holmes oder Eugène Sue imitieren. Doch ebenso unverkennbar sind die Anspielungen und Verweise auf Klassiker der russischen Literatur (allen voran Michail Bulgakow), deren ausgeprägten Hang zur Exzentrik, zur Melancholie und zur Fantastik Akunin immer wieder beschwört. Das ist Balsam nicht nur für die russische Seele und dabei nicht ohne Anspielungen auf zeitgenössische Probleme und Ereignisse -- doch vor allem ist es äußerst unterhaltsam. --Peter Schneck
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Fandorin ist eine überaus sympathische Figur. Mit herausragender Auffassungs- und Kombinationsgabe und wachem, kritischem Geist gesegnet, ist er eher ein russischer Sherlock Holmes denn ein James Bond des neunzehnten Jahrhunderts.
"Alles was recht ist, an der Sache ist etwas faul", so bewegt er seinen etwas schwerfälligen Vorgesetzten im "Kriminalamt beim Moskauer Oberpolizeipräsidenten", ihm freie Hand zu Ermittlungen auf eigene Faust zu gewähren. Und bald schon stellt sich heraus, dass Fandorin mit seinem Anfangsverdacht recht hat; obwohl noch blutjung und ein Anfänger, ein Grünschnabel.
Für sich genommen, ist der in diesem ersten Band von Fandorin zu lösende Fall vielleicht zu hoch gegriffen, vielleicht sogar schon etwas abseitig. Betrachtet man diesen Erstling aber im Zusammenhang mit den folgenden (bislang drei) Bänden, wird schnell klar, welches Ziel Akunin damit verfolgt hat: Er kann seinen Protagonisten nur mittels eines außergewöhnlich gelagerten Falles schnell vom einfachen Schriftführer und unbeschriebenem Blatt avancieren lassen zu einem Sonderermittler mit besonderem Ruf, auf den sich sogar der Chef der Geheimpolizei unbesehen verlassen kann.
Und nicht anders ist auch der tragische Verlust im privaten Bereich zu sehen, den Akunin seinem Helden am Schluss des Buches zumutet: um die weitere Entwicklung "vom Kind zum Mann" zu beschleunigen, lässt er ihn großes Leid tragen (und bewältigen, dies aber irgendwo zwischen Band 1 und 2...).
Als Hintergrund und Kulisse breitet Akunin das Moskau des Jahres 1876 überaus überzeugend und stimmig aus; die damaligen Arbeits-, Lebens- und Reisebedingungen schildert er sehr anschaulich, mit viel Liebe zum Detail. Last not least empfindet er die Sprachgepflogenheiten, Umfangsformen und Konventionen dieser Zeit mühelos nach; sein Schreibstil - wunderbar übertragen von Andreas Tretner - ist gepflegt, dabei ohne jede Schwerfälligkeit; amüsant, ohne aufdringlich oder vordergründig zu sein; das Ganze liest sich stets wunderbar flüssig und leicht.
Fazit: Ein gelungener Einstieg in die spannende, aufregende Welt des Erast Fandorin.
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